Entscheidend ist das Zusammenspiel

Diese IT-Trends stehen im Mittelpunkt der Digitalisierung

Dr. Moritz Gomm ist Lead Business Innovator bei der Zühlke Engineering GmbH in Eschborn, einem Dienstleister für Innovationsprojekte.
Der eco Verband der Internetwirtschaft e.V. hat kürzlich die wichtigsten IT-Trends für das Jahr 2017 zusammengefasst: fairer Datenschutz, Blockchain, Agenten, IoT-Sicherheit, Hybrid Cloud und Augmented Reality. Wir stimmen zu, sehen aber Data Analytics als weiteren Toptrend.
  • IoT-Projekte sind im Kommen, Sicherheit spielt eine Schlüsselrolle
  • Microsofts HoloLens hilft Servicetechnikern bei der Fehleranalyse
  • "Einfach mal loslegen" ist nicht die schlechteste Idee

Die "Hit-Liste" des eco Verbands umfasst eine fast zwingende Kombination von Technologien und rückt dabei zwei Themen in den Mittelpunkt: Kunden und Daten. Das übergeordnete Ziel ist stets das Entwickeln und Etablieren eines neuen digitalen Geschäftsmodells zur weiteren Differenzierung von Industrie- und Konsumgütern. Die angeführte Blockchain-Technologie ist aus unserer Sicht allerdings auch 2017 noch nicht marktrelevant, deshalb klammern wir sie hier aus.

IT-Trends, die Unternehmen 2017 bewegen werden:

  1. Internet of Things

  2. Augmented Reality

  3. Hybrid Cloud

  4. Data Analytics

  5. IT-Sicherheit

  6. Natural Language Agents

Zwischen den Trends gibt es starke Verbindungen. Um zu verstehen, was Kunden von einem Produkt erwarten und um digitale Mehrwertdienste anbieten zu können, werden Produkte zunehmend vernetzt - das Internet of Things (IoT) wächst rasant. Eine solche häufig sogar weltweite Vernetzung lässt sich am günstigsten und einfachsten über die Cloud bewerkstelligen. Da hier aber sowohl die Kommunikation als auch die Datenspeicherung sicherheitskritisch sind, spielt IT-Sicherheit beim Aufbau und Betrieb solcher Lösungen eine zentrale Rolle.

Amazon hat das API für die Spracherkennungssoftware Alexa, die auch in den Echo-Lautsprechern zum Einsatz kommt, schon 2015 freigegeben.
Amazon hat das API für die Spracherkennungssoftware Alexa, die auch in den Echo-Lautsprechern zum Einsatz kommt, schon 2015 freigegeben.
Foto: Amazon

Für die Datenverarbeitung bedeutet dies, kritische Kundendaten und weniger kritische Produktdaten gegebenenfalls in einer hybriden Cloud zu speichern. Mit Data Analytics stehen effiziente Verfahren zur Verarbeitung dieser komplexen Informationen bereit, um das Produkterlebnis kontinuierlich zu verbessern und die Kundenbindung zu intensivieren.

Da das Service-Management mit Personal auf Dauer teuer wird, dürften vermehrt sprachbasierte Agenten (zum Beispiel Chat-Bots) genutzt werden, um Endkunden zu bedienen. Zudem kommen Augmented-Reality-Technologien wie Microsofts HoloLens zum Einsatz, um beispielsweise beim Service hochqualifizierte Experten kostengünstig aus der Ferne einzubinden.

Im vergangenen Jahr sind die Unternehmen in Ihrer IoT-Strategie von der Haltung "Wait-and-see" auf "Let´s go!" gewechselt. Hauptsächlich Industrie-, Konsumgüter- und Medical-Unternehmen gehen die IoT-Herausforderung aktiv an. Bereits umgesetzte Industriebeispiele sind die weltweite Vernetzung von Baumaschinen, um Services zu optimieren, oder das Vernetzen von Gebäude-Schließsystemen, um unter anderem neue datengetriebene Geschäftsmodelle anzubieten.

Warum vernetzen Unternehmen ihre Geräte und Maschinen? Sie möchten...

  • ihren Kunden digitale Mehrwertdienste anbieten,

  • mit neuen Geschäftsmodellen den Umsatz steigern,

  • Daten über die Nutzung der Produkte gewinnen - für die Produktentwicklung, das Marketing und um ihre Produkte für die Kunden intelligenter zu machen,

  • ihre Produkte besser in Systeme/Plattformen integrieren und

  • mobile Dienste (Apps) anbieten.

Interdisziplinär denken - Sicherheit gewährleisten

Als die größten Hürden für einen IoT-Einstieg empfinden Unternehmen immer noch die IT-Sicherheit und den Datenschutz. Entscheider legen dementsprechend Wert auf ein durchgehendes IT-Sicherheitskonzept - vom Sensor bis in die Cloud. Für eine erfolgreiche Realisierung sind deshalb interdisziplinäre Teams notwendig, die über das eigene Gewerk hinaus mitdenken - sowie ein erfahrener IT-Sicherheitsarchitekt, der den Gesamtüberblick behält.

Auch zum Thema Data Analytics ist das Interesse in den letzten zwölf Monaten rasant gestiegen. Ein Grund: Wer in IoT-Projekte investiert hat, möchte aus den gewonnenen Daten Mehrwerte für die verschiedenen Unternehmensbereiche ziehen. Einige Firmen beginnen mit Data Analytics schon, bevor hinreichend viele Produkte im Feld vernetzt sind. Sie analysieren vor allem bereits vorhandene Daten - zum Beispiel aus Rückläufern, Service-Anfragen oder Feldtest-Geräten.

Andere Unternehmen gewinnen Daten aus Laboraufbauten, um Erkenntnisse und Vorhersagemodelle zur Produktoptimierung einzusetzen - als Predictive-Maintenance-System. Der Pumpenhersteller KSB etwa setzt die App "Sonolyzer" ein, die anhand des Geräuschs einer laufenden Pumpe herausfinden kann, ob diese richtig eingestellt ist. Das Data-Analytics-Wissen hierzu ist im Labor entstanden.

Standortunabhängig agieren

Seit der Markteinführung der HoloLens von Microsoft geht es auch im Bereich Augmented Reality mit großen Schritten voran. Während Projekte für Virtual Reality (zum Beispiel für Schulungen) oder für Datenbrillen (etwa in Lagern von Industrieunternehmen) bereits umgesetzt wurden, ist mit der HoloLens nun eine mächtige Technologie verfügbar, die auf professionelle Business-Anwendungen abzielt.

Augmented-Reality-Lösungen wie Microsoft HoloLens bieten große Chancen im Business.
Augmented-Reality-Lösungen wie Microsoft HoloLens bieten große Chancen im Business.
Foto: Microsoft

Die Technik ermöglicht es beispielsweise, Servicetechnikern weltweit exakt die Informationen zu geben, die sie für die Fehleranalyse und Reparatur einer Maschine brauchen. Damit sind entfernte Standorte oder das Fehlen qualifizierten Personals nicht mehr zwingend Barrieren, wenn es gilt anspruchsvolle Aufgaben anzugehen. Die Anwendungsszenarien sind vielfältig - die Wartung von Maschinen oder Anleitungen für die Reinigung von medizinischen Instrumenten sind nur zwei Beispiele.

Automatisiert kommunizieren

Auch für sprachbasierte Agenten wie Siri, Cortana oder Alexa gibt es ein großes Einsatz- und damit auch Wachstumspotenzial. Diese Technologien werden bisher hauptsächlich im B2C-Geschäft für Anwendungen im Online-Handel eingesetzt, insbesondere für Live-Chats. Doch diese Agenten werden sich schnell auch im professionellen B2B-Geschäft durchsetzen - ähnlich wie es bei Mobiltelefonen und Tablets der Fall war. Spätestens wenn der Geschäftsführer erlebt, wie komfortabel sein vierzehnjähriger Sohn das Smart Home über Amazon Alexa steuert, wird er fragen, warum Kunden bei seinen Produkten noch so viel Eintippen und Klicken müssen. Die HoloLens etwa, lässt sich mit Cortana via Spracheingabe steuern.

Zukunftsfähige Geschäftsmodelle aufspüren

Die genannten Technologien bieten schon für sich allein viel Potenzial für bessere Geschäftsprozesse. In der Regel sind Unternehmen im Zuge der Digitalisierung aber auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen. Oft fehlen hier noch konkrete Vorstellungen. Nicht selten herrscht das Gefühl vor, dass man insbesondere bezüglich des Internet of Things den Anschluss nicht verpassen darf und einfach mal loslegen sollte, weil in zehn Jahren vermutlich alle Produkte vernetzt sein werden. Auch wenn das für manche irritierend sein mag: Wir halten das für einen sinnvollen Weg, denn was für den Kunden wirklich den höchsten Nutzen bietet und welche Geschäftsmodelle sich durchsetzen, lässt sich bei solchen disruptiven Technologien nicht am Reißbrett planen - neue Geschäftsmodelle werden nicht "ausgeheckt", sondern entdeckt.

Empfehlenswert ist ein Ansatz, der sich an den Lean-Startup-Prinzipien orientiert: schlank, effizient und am Kunden orientiert. Dabei geht es darum

  • sehr früh erste Ideen und Hypothesen über die zukünftige Lösung zu erarbeiten,

  • Demonstratoren und Prototypen zu entwickeln und bei ausgewählten Kunden zu testen und

  • erfolgversprechende Lösungen zu optimieren und zur Marktreife zu bringen. Im Gegenzug sollten schwache Ideen ohne Reue verworfen werden.

Wird dieser Ansatz konsequent verfolgt und mit den Möglichkeiten der aktuellen IT-Pordukte kombiniert, eröffnen sich den Unternehmen hohe Potenziale, die es freizusetzen gilt.