Privatsphäre im Wandel

Datenschutz neu denken?



Thomas Klauß hat mehr als 20 Jahren Expertise in der strategischen Planung, Konzeption, Lösungsentwicklung, dem Projekt- und Wissensmanagement bei unterschiedlichsten Profit- und Non-Profit-Organisationen inklusive Stadt & Bund. Zur digitalen Transformation hat er neben zahlreichen Projekten auch mehrere Dutzend Buchbeiträge, Artikel, Vorträge, Studien sowie die Monographie „Verbände digital“ verfasst. Er ist Mitglied in verschiedenen Gremien u.a. auch der Bundesregierung und als Gastdozent tätig.
Die EU-Datenschutzgrundverordnung führt zu einem großen Umsetzungsproblem - nicht nur bei der Überführung in nationales Recht.

Es ist nichts Neues, dass die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) eher von politisch aktiven Juristen für alle anderen Juristen, als aus der Praxis für die Praxis geschrieben worden ist. So sind erstere denn auch Hauptprofiteure der damit verbundenen Verfahren. Sofern Firmen und andere Organisationen es sich leisten können, profitieren auch IT-Spezialisten, Organisationsberater und Experten für neue Geschäftsmodelle von den hohen Anforderungen, welche die neuen Regelungen an die technische, organisatorische und betriebswirtschaftliche Anpassung von Unternehmen stellen.

Wenn das Wasser langsam in Richtung Hals wandert, könnte es Zeit für neue Perspektiven sein. Auch beim Thema Datenschutz.
Wenn das Wasser langsam in Richtung Hals wandert, könnte es Zeit für neue Perspektiven sein. Auch beim Thema Datenschutz.
Foto: UnderTheSea - shutterstock.com

Ein praxisorientiertes Datenschutzrecht braucht mehr Input von Informatikern und Ökonomen, um einen Auswuchs der Aufwände zu verhindern, die Firmen und Organisationen treiben müssen, um "compliant" zu sein. Laut dem Gründer des Weltwirtschaftsforums (der laut eigener Aussage Erfinder des Begriffs "Industrie 4.0" ist), Klaus Schwab, ist der Datenschutz durch den Grad und die Tiefe der digitalen Vernetzung eine der größten persönlichen Herausforderungen.

Schöne neue Welt?

Innen- und Außenwelt, Öffentlichkeit und Privatraum vermischen sich in einem virtuellen Informationsuniversum. In diesem digitalen Raum schwirren Avatare und Agenten mit digitalen Identitäten umher, die aus den Daten echter oder errechneter Persönlichkeitsprofile erstellt wurden. Als Bots in sozialen Netzwerken oder Messenger-Diensten - oder virtueller Körper eines naturidentischen Hologramms - sind sie von echten Menschen kaum zu unterscheiden. Es handelt sich quasi um "fake people".

Die ständige Vernetzung mit einem grenzenlosen Informationsuniversum, in dem es keine Rückzugsgebiete, keine Geheimnisse, sondern nur die totale Transparenz gibt, kann man sich in etwa vorstellen, wie ein Leben in einem riesigen Glashaus, in dem sich auch Geräusche ungehindert ausbreiten können. Ein entsprechendes, aber weitaus umfangreicheres Bild, zeichnet Peter Weirs Film "Die Truman Show" aus dem Jahr 1998.

Aus den Datenspuren, die bis in die tiefsten Verästelungen einer Person hineinreichen, könnte unsere Persönlichkeit so weit rekonstruiert werden, dass sie von einer natürlichen immer weniger zu unterscheiden ist. Je mehr Daten wir preisgeben, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass intelligente, lernfähige Algorithmen unser Verhalten korrekt vorhersagen.
Eine kaum zu überschätzende Rolle werden digitale, persönliche Assistenten spielen - ob auf Mobilgeräten, Wearables oder stationär im Wohnzimmer. Die virtuellen Assistenten werden zu ständigen Begleitern, die uns schneller kennenlernen als "echte" Freunde.

Wie aber können wir ein für uns Menschen existenzielles Mindestmaß an Privatheit sicherstellen, ohne die Vorteile der digitalen Gesellschaft aufzugeben oder uns selbst von diesen auszuschließen?
Die Vorstellung der "Digital Immigrants" (also der über 40-Jährigen) vom Schutz aller personenbezogenen Daten sind heute kaum noch - und schon bald gar nicht mehr - umsetzbar. Nun ist der Schutz der Privatsphäre keine Frage von "alles oder nichts": Wir sind bereit, mit engen Vertrauten fast alles zu teilen, was uns ausmacht - darauf beruht Freundschaft und/oder Partnerschaft. Wir müssen uns nur sicher sein, dass auch nur diese Vertrauensperson die Informationen erhält.

Inhalt dieses Artikels

 

Hubert Daubmeier

Ich verstehe den Beitrag in keinster Weise. Wie kann man sich in so wenigen Sätzen so oft widersprechen? Und dann doch so viele Worte gebrauchen um wieder zu demonstrieren, dass man vom Thema ganz weit weg ist?

Nur ein Beispiel von vielen: Verschlüsselung. Für den Techniker ein alter Hut. Auch vor 30 Jahren wurde schon spioniert und Firmen und (einige) Privatleute mussten oder wollten ihre Dinge für sich behalten. Aus rechtlicher Sicht steht sie seit bald 10 Jahren im Gesetz und man darf annehmen, dass der Gesetzgeber für diesen Anlauf selbst um die 10 Jahre gebraucht hat. Was wollen und sollen wir an dem Thema noch länger rumlamentieren, außer ein bestimmtes "mach es endlich" raus zu schreien?

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