Willkommen im Post-PC-Zeitalter

Das iPad Pro als PC-Ersatz

04.04.2016
Von   
Mark Zimmermann weist mehrere Jahre Erfahrung in den Bereichen Mobile Sicherheit, Mobile Lösungserstellung, Digitalisierung und Wearables auf und verantwortet ein Team zur mobilen Lösungsentwicklung bei der EnBW Energie Baden-Württemberg AG. Er versteht es seine Themen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln für unternehmensspezifische Herausforderungen darzustellen. Hierzu ist er nebenberuflich auf nationale Vorträgen und als freier Autor für Fachpublikationen tätig und betreibt einen eigenen Podcast (Beta-Schmerz) rund um das iOS-Ökosystem.
Das iPad Pro als PC-Ersatz wird von Apple angepriesen, aber von vielen belächelt. In diesem Artikel möchte ich Sie an den Höhepunkten und Herausforderungen teilhaben lassen, die dieser Wechsel mit sich bringen kann. Plus einiger (App-)Tipps aus der Praxis, Empfehlungen und Wünsche.
Steve Jobs adressierte mit dem 2010 vorgestellten Ur-iPad primär Consumer. Richtig eingeschlagen hat das Apple-Tablet dagegen im Business.
Steve Jobs adressierte mit dem 2010 vorgestellten Ur-iPad primär Consumer. Richtig eingeschlagen hat das Apple-Tablet dagegen im Business.
Foto: Apple

Als Apple das erste iPad im Jahr 2010 von Steve Jobs vorgestellt wurde, hatte Apple den Konsumenten auf dem Sofa als Zielgruppe identifiziert. Die neue Geräteklasse wurde zwischen einem iPhone und einem MacBook in Position gebracht. Die Eigenschaften passten perfekt zur Zielgrupe. Die große Anzeige half beim Konsumieren im Vergleich zu dem bis dahin noch sehr kleinen iPhone-Display. Das iPad hatte damit lange den Ruf eines "großen iPhones ohne Telefonfunktion".

In Firmen etablierte sich das Gerät als handliches Datenterminal und half bei vielen Firmen, die Prozesse zu optimieren. Ein neues Verständnis etablierte sich im Zusammenhang mit Apps. Firmen lieben hochspezialisierte Software auf Geräten, die keine kontinuierliche Administration benötigen, instantan hochfahren, einfach aufgesetzt sind, für die keine Aufwände für Virensoftware oder App-Updates anfallen.

Konsumenten bremsen das Tablet-Wachstum

Der Absatzmarkt schwächelte jedoch in den letzten Monaten massiv. Der Grund ist dabei vielfältig. Im Konsumentenbereich sind die wahrgenommenen Innovationen nicht ausreichend, um die an sich gut funktionierenden "Konsumgeräte" zu ersetzen. Eine zweijährliche Förderung, wie sie bei Handy-Verträgen mit dem iPhone gegeben ist, existiert nicht. So leistet ein iPad 2 heute noch treue Dienste und unterstützt dabei auch noch die aktuelle iOS-Version. Im beruflichen Sektor fehlen jedoch einige Eigenschaften, um das professionelle Erstellen von Content abzuwickeln. Hier versucht Microsoft seit längerem ebenfalls im Tablet-Markt mit seiner x86-Architektur, z.B. mit dem Surface, an Boden gut zu machen.

Schafft es das neue iPad Pro (9,7 und 12,9), den Tablet-Markt wiederzubeleben?
Schafft es das neue iPad Pro (9,7 und 12,9), den Tablet-Markt wiederzubeleben?
Foto: Apple

Das iPad Pro bringt einige Fähigkeiten mit, die das Potential haben, beide Sektoren mit neuer Kraft anzugehen. Die neuen Funktionen fangen bereits beim Display an. Das iPad Pro bietet ein hochauflösendes Retina-Display mit einem sehr reaktionsschnellen und hochauflösenden (264ppi) Multi-Touch-Screen .

Seine Kraft bezieht das iPad Pro aus dem Apple A9X (SoC). Dabei handelt es sich um eine leistungsgesteigerte Variante des A9 aus dem iPhone 6s. Verglichen mit dem iPad Air 2 offeriert das iPad Pro eine 1,8-fache CPU- und eine verdoppelte Grafik-Leistung. Davon profitieren natürlich iOS 9 und all die speziell angepassten Apps im App Store.

Trotz des größeren Displays (je nachdem, welches iPad Pro Sie nehmen) und trotz dieser Werte schafft der Akku des iPad Pro weiterhin seine 10 Stunden Laufleistung.

Erwähnenswert ist zusätzlich das ausgetüftelte Lautsprecherdesign, bei dem die Lage des iPads (Winkel, Hoch- oder Querformat) den Klang individuell steuert. Die Klangleistung ist dabei nicht nur besser ausgerichtet sondern auch mit mehr Bässen, Höhen und Volumen als bei jedem anderen Tablet-Computer am Markt. Auch einen Lüfter sucht man, wie gewohnt bei iPads, vergeblich.

Das große iPad Pro ist nicht nur für "Kreative" geeignet, sondern kann auch den PC im Haushalt ersetzen.
Das große iPad Pro ist nicht nur für "Kreative" geeignet, sondern kann auch den PC im Haushalt ersetzen.
Foto: Apple

Im folgenden gehe ich von der Nutzung des großen iPad Pro (128GB) mit LTE aus. Der Preispunkt liegt hier bei ca. 1.240€. Ich bin persönlich der Meinung, dass die Zusatzfunktionen des kleineren iPad Pro (z.B. True Tone Display) zwar nett sind, der mangelnde Platz auf dem Bildschirm aber ein Hindernis darstellt.

Mit dem Mac Pro, stand das "Pro" wirklich für "Fachmann". Echte Fachleute mit einer professionellen Notwendigkeit für das Gerät. Das "Pro" im iPad fokussiert jedoch nicht nur auf diese Fachleute, damit diese ein Werkzeug zur Content-Erstellung erhalten, sondern auch auf Konsumenten mit dem Bedarf nach einem größeren Endgerät, um einem PC im eigenen Haushalt auf Wiedersehen zu sagen.

Smart Keyboard mit Microsoft-Surface-Anleihen

Ein erster Blick auf das Smart Keyboard (169€ bzw. 179€), das über einen neuen Dock-Anschluss sowohl Daten austauschen als auch Strom beziehen kann, bringt das Gefühl von Anleihen an ein MS Surface. Eine Tastatur, die gleichzeitig als Cover dient, hört sich praktisch an. Für den deutschen Markt ist diese Tastatur allerdings aktuell nicht zu gebrauchen, das es diese nur im US-Layout (QWERTY) zu erwerben gibt. Das Fehlen internationaler Tastaturen lässt auch den stärksten Fürsprecher schwanken.

Auch sonst fühlt sich die Tastur nicht vollständig an. Eine Bedienung mit der Tastatur bringt den Anwender stetig an Grenzen. Dies fängt bei vielen Apps (nicht in allen) an, beim ausbleibenden Scrollen in langen Texten, wenn der Cursor mit der Tastatur den sichtbaren Bildschirm verlässt. Das im Hauptbildschirm (Springboard) die Apps nicht mit den Cursor-Tasten erreichbar sind, ist ebenfalls nicht verständlich. Mit Blick auf die "Fokus" UI des neuen APPLE TV, bei dem die "Führung" einer Selektion über tvOS (=basiert auf iOS) Elemente hinweg (wie z.B. App Icons) bleibt zu hoffen, dass diese Funktion sehr bald auch in iOS Einzug hält. Das Fehlen einer "Hometaste" auf der Tastatur ist ein weiteres Bespiel für die Ausbaufähigkeit.

Apple hat es bis heute nicht geschafft, ein für den deutschen Markt geeignetes Smart Keyboard zu liefern. Gute Alternative ist die Logitech-Tastatur Logi Create.
Apple hat es bis heute nicht geschafft, ein für den deutschen Markt geeignetes Smart Keyboard zu liefern. Gute Alternative ist die Logitech-Tastatur Logi Create.
Foto: Logitech

Ich kann daher nur jedem Interessenten empfehlen, sich eine andere Tastatur zuzulegen. Dritthersteller haben durch die vielen Jahre iPad Support sehr ansehnliche Modelle am Markt mit mehr funktionaler Unterstützung. Mit der aktuellen Logitech-Tastatur (149€) habe ich beste Erfahrungen.

Apple Pencil, der eigentliche Star

Mehr als ein einfacher Stylus: Der Apple Pencil für das iPad Pro
Mehr als ein einfacher Stylus: Der Apple Pencil für das iPad Pro
Foto: Apple

Der neue Multi-Touch-Screen spielt seine ganze Leistung und Präzission in Kombination mit dem separat erhältlichen Apple Pencil (109€) aus. Ohne diesen würde ich kein iPad Pro kaufen oder empfehlen.

Der Apple Pencil baut seine Verbindung zum iPad Pro über Bluetooth auf. Dieser, nicht als Stylus von Apple bezeichnete Eingabestift, erlaubt es den iPad Pro sowohl Druckstufen als auch die Neigungslage des Anwenders auszuwerten. Diese erlaubet es dem Anwender mit realen Linienstärken, Schattierungen und Verhaltensweisen von "echten" Stiften, in entsprechenden Apps, zu arbeiten.