Soziale Kontakte für Kommunikation und Kreativität

Das Ende des Home Office?

Kommentar  18.06.2018
Von   


Stefan Häseli regt als internationaler Speaker dazu an, wirkungsvolle Kommunikation im Alltag mit Spaß zu erleben. Weiterhin ist er Buchautor und bekannt als Ratgeber in Radio- und TV-Sendungen.
Lange galt das Home Office als die Lösung. Jetzt sollen die Mitarbeiter wieder mehr im Büro arbeiten. Für unsere Alltagskommunikation ist das ein großes Plus.

Nicht nur für IT-Fachleute war und ist das Home Office eine gute Idee. Keine langen Arbeitswege, keine verstopften Straßen oder überfüllte öffentliche Verkehrsmittel mehr. Stattdessen effektiv dort arbeiten, wo man sich wohlfühlt. Zwischendurch die Kinder aus der Schule holen oder eine Fitnesspause einlegen.

Anstatt Home Office jetzt doch wieder ins Büro?
Anstatt Home Office jetzt doch wieder ins Büro?
Foto: Monkey Business Images - shutterstock.com

Alles kein Problem- solange die Arbeit gewissenhaft erledigt wird. Und es lassen sich ja Richtlinien festlegen und Zeiten vereinbaren, in denen man für sowohl für Kunden als auch Kollegen und Vorgesetzte erreichbar ist. Eine Sache allerdings bleibt auf der Strecke: Die alltägliche Kommunikation im Büro.

Back to the roots

Zum Büroalltag gehört ein reger Gedankenaustausch - sowohl fachlich als auch darüber hinaus. Das inspirierende Miteinander trägt maßgeblich zur Kreativität bei. Wer alleine für sich in seinem Home Office vor sich hin arbeitet, muss darauf wohl oder übel verzichten. Selbst das tägliche Telefongespräch mit dem Vorgesetzten oder die Skype-Konferenz machen das nicht wett. Wir Menschen brauchen soziale Kontakte, eine merkliche Anerkennung und Wertschätzung sowie eine gewisse Verbundenheit zum Unternehmen.

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Teamwork auf dem Vormarsch

Ein Grund, warum Führungskräfte ihre Mitarbeiter gerne näher bei sich haben möchten, liegt darin, dass sie schnell mal den Überblick verlieren, was die denn zu Hause eigentlich so machen. Hier käme das Vertrauen ins Spiel. Sie halten Kontrolle für die bessere Option … Auch der unausweichliche Trend der Agilität trägt dazu bei, dass viele Firmen ihre Angestellten wieder im Büro präsent sehen wollen. Agiles Arbeiten gewinnt immer mehr an Zuspruch und steht mittlerweile gleichbedeutend für einen teambasierten Ansatz. Weg von den Einzelkämpfern in ihren Einzelbüros, hin zu Kollaboration und Teamwork.

Andere einbeziehen

Dass der Mensch im Mittelpunkt steht, ist vielerorts eine wahnsinnig schöne Phrase. Im agilen Management wird aus ebendieser Phrase eine Notwendigkeit. Denn agil bedeutet in erster Linie, Kunden und Mitarbeiter in die Produktentwicklung einzubeziehen, einen ständigen Austausch von Feedback und sofortigen Lerntransfer zu erzeugen. Beim Thema Agilität geht es also in erster Linie um Menschen und die Zusammenarbeit mit ihnen. Hierarchisch geprägte Organisationen waren gestern. Heute sind Vertrauen, Selbstverantwortung, Transparenz und eine offene Fehlerkultur angesagt. Und, weil sie unseren Berufsalltag dahingehend prägt, vor allem eine gelungene Kommunikation.

Agile Alltagskommunikation

Durch die räumliche Nähe wird das cross-funktionale und fachübergreifende Zusammenarbeiten agiler Teams unterstützt. Entscheidungen werden schneller gefällt, es herrscht Transparenz und Wissensteilung. Ständige Feedbacks verbessern die Arbeit stetig.

Ein wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang: Die schnelle und direkte Kommunikation. Je nachdem, mit wem wir im Dialog stehen und in welcher Rolle wir uns befinden, variiert auch unsere Sprache. Oft ist die Rolleneinteilung eindeutig, wie zum Beispiel im Gespräch mit dem Chef. In manchen Fällen müssen die Rollenmuster aber erst entwickelt und die Kommunikation dementsprechend angepasst werden. Im "klassischen" persönlichen Gespräch geht dies schneller und einfacher, weil wir emotionaler, spontaner und lockerer sind.

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Mehr Einfühlungsvermögen

Wenn wir davon ausgehen, dass die Wort-Kommunikation einst erschaffen wurde, um ein Bedürfnis, einen Wunsch oder ein Befinden auszudrücken, kann das genau das Wort alleine nicht. Es braucht die entsprechende Haltung, die Betonung dazu. Im persönlichen Gespräch sind wir präsenter, wir konzentrieren uns auf den Moment, nehmen den Gesprächspartner ernst und interessieren uns wirklich für die Probleme des anderen. Das klappt nun mal am besten von Angesicht zu Angesicht. Keine E-Mail und kein Telefonat ersetzen das persönliche Gespräch. Denn wir sehen unser Gegenüber ohne digitalen Helfer, schauen ihm in die Augen und erfahren anhand seiner Körpersprache, ob wir ihm vertrauen können.

Die Mischung machts

Bedeutet das nun gleich das Ende des Home Office? Natürlich gibt es in dieser Debatte nicht nur schwarz und weiß. Nicht nur Home Office oder nur Büroarbeit. Denn ein paar Tage Home Office können durchaus förderlich für die Arbeit sein, um dann wiederum ein paar Tage im Büro mit den Kollegen zu verbringen und effektiv im Team zu arbeiten. Diese Abwechslung von Bürokommunikation und stillem Einzelarbeiten im Wohlfühl-Umfeld könnte für Viele der perfekte Kompromiss sein.

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Selbstverantwortung ist gefragt

Für Vorgesetzte ist es in diesem Kontext also an der Zeit, sich vermehrt mit dem Thema Kommunikation auseinanderzusetzen. Wer nicht nur das technische Know-how, sondern das einfache Einmaleins der verbalen und nonverbalen Verständigung beherrscht, hat den Schlüssel in der Hand, Unternehmen und Mitarbeiter durch bewegte, digitale und schnelle Zeiten zu lotsen. Gerade bei agilen Teams fördert eine gute direkte Kommunikation die Selbstverantwortung. Deshalb sollten die Mitarbeiter ruhig selbst entscheiden können, wann Teamarbeit und wann Arbeit im Home Office Sinn machen. Eine Win-Win Situation - für IT-Unternehmen und Mitarbeiter.