All-In-One-Schmankerl

Asus Eee Top ET1602 im Test

13.02.2009
Von Miachael Schmelzle und Alexander Kuch

Tempo, Ergonomie, Fazit und Alternativen

Asus Eee Top ET1602: 3D-Mark-06-Ergebnis
Asus Eee Top ET1602: 3D-Mark-06-Ergebnis

Die Benchmark-Ergebnisse des Asus Eee Top sind unterirdisch! 70 Punkte in der 3D-Mark-06-Wertung sind der schlechteste jemals von uns gemessene Wert bei einem Desktop-PC. Dasselbe gilt auch für die Wertung im PC-Mark-05-Benchmark: Mit 1527 Punkten schaffte es der Asus Eee Top gerade noch über die Marke von 1550 Punkten. Beim Durchlauf von 3D Mark 06 konnte der Rechner sogar erst beim zweiten Versuch ein Ergebnis ausgeben - im ersten Versuch hatte sich der PC aufgehängt. Flash-Videos auf Webseiten gibt der Eee Top aber flüssig wieder.

Die wenig überzeugenden Tempo-Testergebnisse sind aber nicht weiter verwunderlich. Intels Atom-Plattform ist für einen stromsparenden Betrieb optimiert. Im Fokus standen bei der Entwicklung mobile (Zweit-)Geräte - keine Leistungs-Maschinen für anspruchsvolle Computerspieler. Die herausragenden Eigenschaften der Atom-Plattform liegen im Ergonomie-Bereich.

Der Stromverbrauch des Asus Eee Top liegt im Desktop-Betrieb bei 33 Watt. Hätte der ET1602 kein integriertes Display, wäre dieser Wert nur Mittelmaß unter den Nettop-PCs. Aber wenn man bedenkt, dass bei diesem Wert der Stromverbrauch des Displays mit eingeschlossen ist, dann ist dieses Ergebnis hervorragend. Unter voller Last steigt der Energieverbrauch um weniger als 10 Watt an: 41,6 Watt haben wir gemessen. Im Vergleich dazu sind die Asus Eee Box B202 mit 24,2 Watt, der Averatec A1 (inklusive Display) mit 33,3 Watt und der MSI Wind PC Nettop mit 41,2 Watt etwas sparsamer.

Von diesen Werten kann ein Spiele-PC hingegen nur träumen - Werte über 300 Watt sind bei aufwändigen Spielesequenzen keine Seltenheit. Der HE-Computer High End Cube Ultra verbraucht mit seinem Crossfire-Gespann beispielsweise bis zu 376 Watt unter Volllast. Asus hat also unter Verwendung von Netbook-Komponenten aus dem Hause Intel das Ziel erreicht: Ein Desktop-PC, der inklusive Display und integrierten Multimedia-Komponenten (Webkamera, Lautsprecher) dauerhaft weniger als 50 Watt verbraucht ist in Zeiten stetig steigender Energiepreise ein echter Hoffnungsschimmer.

Asus Eee Top ET1602: Die kleinen Lüftungsschlitze führen die heiße Luft nicht schnell genug ab.
Asus Eee Top ET1602: Die kleinen Lüftungsschlitze führen die heiße Luft nicht schnell genug ab.

Ähnlich erfreuliche Neuigkeiten gibt es von der Geräuschentwicklung, oder besser gesagt "Geräuschvermeidung" zu vermelden: Mit einem Wert von 18,1 dB(A) im Desktop-Betrieb liegt uns das zweitbeste Ergebnis nach 16,5 dB(A) beim Averatec All-In-One A1 vor. Unter voller Last hat der Eee Top sogar einen neuen Spitzenwert erreicht: 19,4 dB(A) sind das beste Ergebnis, das wir je gemessen haben: Außer einem kleinen Festplatten-Knistern, das man nur hört, wenn man den Kopf direkt an das Gerät hält, arbeitet der Design-PC flüsterleise.

Beim 3D-Mark-06-Benchmark ist uns allerdings aufgefallen, dass der Asus Eee Top die entstandene Wärme nicht immer schnell genug abführen kann: Das Gehäuse erwärmt sich spürbar und aus den (sehr kleinen) Lüftungsschlitzen an der Oberkante des Gehäuses sowie auf der Rückseite strömt sehr warme Luft. Auch die größeren Lüftungsschlitze an der Unterseite helfen nicht bei einer schnelleren Wärmeabfuhr. Ein paar weitere Lüftungsschlitze an der Rückseite des Gehäuses würden dieses Problem beheben - vielleicht findet Asus für die Nachfolgemodelle eine Lösung, die dem schicken Design keinen Abbruch tut.

Ist sein Geld wert: Asus Eee Top ET1602
Ist sein Geld wert: Asus Eee Top ET1602

Asus hat den Spagat geschafft, alle wichtigen PC-Funktionen in einem attraktiven Designer-Gehäuse zu vereinigen. Insbesondere die sensationell guten Ergonomie-Werte legen für zukünftige Konkurrenten aus der All-in-One-Liga die Messlatte sehr hoch. Bei der Kühlung unter voller Rechenleistung gibt es noch Verbesserungsbedarf. Systemabstürze aufgrund hoher Prozessor- und Grafik-Auslastung dürfen bei einem Nettop-PC nicht passieren.

Als Spiele-PC ist der Asus Eee Top zwar ungeeignet - flashbasierte Browserspiele laufen allerdings problemlos. Wenn Sie im Internet surfen, E-Mails beziehungsweise Texte schreiben und ab und zu einmal eine DVD anschauen möchten, reicht die Rechenleistung voll aus. Für den DVD-Genuss ist allerdings ein externes DVD-Laufwerks notwendig, dessen Anschaffung gegebenenfalls nochmals mit mindestens 45 Euro zu Buche schlägt und für Kabelsalat sorgt. Ein Slot-in-Laufwerk ist schmal und kann Datenträger auch in senkrechter Lage aufnehmen - mit kleineren Änderungen am Gehäuse wäre eine Integration problemlos möglich. Für Film-Fans mit einer großen DVD-Sammlung ist dieser Fehler unverzeihlich und stellt einen schwerwiegenden Mangel dar!

Die Netzwerk-Konnektivität ist mit Gigabit-LAN und WLAN nach dem Standard 802.11n vorbildlich und für Nettop-Geräte keineswegs Standard. Wer einen (Zweit-)PC für Büro-Aufgaben und zum Surfen im Internet sucht, wird mit dem Asus Eee Top einen zuverlässigen Helfer finden, der viele Blicke auf sich zieht. Wer auf das integrierte Touchscreen-Display verzichten möchte, kann mit einem Nettop-PC wie der Asus Eee Box zusammen mit einem externen Display (Gesamtpreis: 400 Euro) einiges sparen: Der Preisunterschied macht circa 140 Euro aus.

Aufgrund des schicken Designs zum attraktiven Preis und der intuitiven Bedienung via Touchscreen überzeugte der Asus Eee Top 1602 durch seine durchdachtes Gesamtkonzeption. Aus diesem Grund verlieh unsere Schwesterpublikation PC-Welt dem schmucken All-In-One-Rechner ihren Innovations-Preis.
Übrigens, die Funktionsweise der berührungssensitiven Navigation mit Hilfe des "Easy Mode" für Windows stellt Ihnen die PC-Welt gesondert in diesem Artikel vor: Der Touchscreen des Asus Eee Top ET1602.

Ein alternativer All-in-One-PC mit ähnlicher Konfiguration ist der Averatec All-In-One A1, der allerdings über einen integrierten DVD-Brenner verfügt. Bei diesem Rechner sind das Display (ohne Touchscreen-Funktionalität) und die Systemeinheit durch einen schwenkbaren Arm miteinander verbunden. Der HP Touchsmart iQ500 PC bringt mit einem Intel Core 2 Duo-Prozessor und 4 GB Arbeitsspeicher wesentlich mehr Leistung - kostet mit rund 1500 Euro allerdings auch deutlich mehr.