Erfolgsfaktor Enterprise-Cloud

9 Trends, die für die Cloud sprechen

Matthias Zastrow ist Country Manager Germany von Virtustream. Der Diplom-Wirtschaftsinformatiker kommt von EMC Deutschland, wo er als Senior Director of Sales Strategy und Mitglied der Geschäftsleitung Vertriebsstrategien für die so genannte Dritte Plattform verantwortete.
Vielfältige Angebote, sinkende Preise und ein vereinfachtes Cloud-Management: Vom Wandel des Cloud-Markts können die Anwender nur profitieren.

Public oder Private Cloud? Diese Frage ist längst entschieden: Die Cloud der meisten Unternehmen ist heute hybrid. Das ergab die Studie "How to Balance Digital Transformation and User Security" von KuppingerCole und Pierre Audoin Consultants (PAC). Demnach betrachten mehr als die Hälfte der Unternehmen (55 Prozent) ihre IT als "hybrid".

Die hybride Cloud ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für die digitale Transformation.
Die hybride Cloud ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für die digitale Transformation.
Foto: crazymedia - shutterstock.com

Und die Entwicklung schreitet fort: Laut einer Umfrage von IDG Research beurteilen 87 Prozent der Befragten die hybride Cloud als wichtig oder entscheidend für den Wandel der digitalen Geschäftsabläufe. Ziel ist eine "Enterprise-Cloud", die alle für das Unternehmen relevanten IT-Services auf einer einheitlichen Plattform bereitstellt. Begünstigt wird diese Entwicklung vor allem von den folgenden zehn Trends:

1. Verbrauchsabhängige Abrechnung

Ein entscheidendes Argument für die Cloud lautet: Bezahlt wird nur, was tatsächlich genutzt wird. Bislang basieren vielen Preismodelle allerdings auf der jeweils bereitgestellten Menge an Rechenleistung oder Speicherplatz und nicht auf den wirklich genutzten Ressourcen.

Immer mehr Anwenderunternehmen erwarten von den Anbietern aber eine Abrechnung nach ihrem tatsächlichen Verbrauch. Spezielle Tools zur Visualisierung der Cloud-Nutzung, wie sie von einigen Providern bereits angeboten werden, helfen dabei. Das senkt die Kosten insgesamt und macht die leidige Diskussion über ihre interne Verteilung überflüssig.

2. Private Clouds auf Basis hyperkonvergenter Infrastrukturen

Virtualisierung, Standardisierung und automatisierte Provisionierung sind nur drei von vielen Voraussetzungen für eine funktionierende Cloud-Infrastruktur, die in der internen IT allerdings häufig nicht gegeben sind. Abhilfe schaffen hyperkonvergente Infrastrukturen. Sie versetzen Unternehmen in die Lage, die eigenen heterogenen Systeme zu einer privaten Cloud zu verknüpfen und in die Unternehmens-Cloud zu integrieren.

3. Mehr Cloud-Optionen durch spezialisierte Anbieter

Größe ist für viele Unternehmen ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl ihres Cloud-Providers. Das zeigt das permanente Wachstum großer Anbieter wie AWS, Google oder Microsoft. Doch daneben etablieren sich zunehmend auch Provider, die ihre Kunden stärker als Partner wahrnehmen und bedienen, als die weltweit agierenden Megacloud-Anbieter das können. Sie fokussieren sich auf bestimmte Branchen oder Regionen, die wie zum Beispiel Deutschland besondere Anforderungen an die Qualität, Sicherheit und Compliance von Cloud-Diensten stellen.

Diese Anbieter können hochwertige Cloud-Services und den dazugehörigen Support zu wirtschaftlich attraktiven Konditionen anbieten und ihren Kunden neue Cloud-Optionen eröffnen.

4. Kernanwendungen wandern in die Cloud

Nach den klassischen Web-Applikationen wollen Unternehmen zunehmend auch ihre unternehmenskritischen Anwendungen in die Cloud verlagern, um sie effizienter betreiben zu können. So nutzt laut Bitkom Cloud Monitor bereits ein Drittel der Public-Cloud-Nutzer ERP-Software aus der Cloud.

Allerdings ist die Migration komplexer Anwendungen auf eine Public-Cloud-Plattform kein einfaches Unterfangen, von dem in der Vergangenheit sogar grundsätzlich abgeraten wurde. Inzwischen gibt es aber neue Tools, Prozesse und Services, mit denen sich Systeme großer Unternehmen innerhalb kurzer Zeit - quasi übers Wochenende - migrieren lassen.

5. Aufbau virtueller Netze

Mehr als die Hälfte der Unternehmen nutzen hybride IT-Infrastrukturen. Was allerdings häufig nicht bedacht wird: In einer hybriden Cloud-Umgebung entscheidet die Leistungsfähigkeit der Netze, in welcher Qualität die Services beim Anwender ankommen.

Vorausschauende IT-Entscheider beschäftigen sich daher intensiv mit dem Auf- und Ausbau virtueller Netze, um den wachsenden Performance- und Sicherheitsanforderungen ihrer Unternehmen gerecht zu werden.

6. Vereinfachtes Private-Cloud-Management

Je größer und komplexer eine Cloud-Umgebung, desto wichtiger ist es, ihre einzelnen Bestandteile möglichst einfach managen zu können, um den Überblick über die komplette Infrastruktur zu behalten. Komplexe Software für das Management privater Clouds ist da fehl am Platz. Um die angestrebte Effizienzsteigerung durch Cloud Computing zu erreichen, benötigen Unternehmen einfachere Tools. Und wer sein Cloud-Management noch stärker vereinfachen will, kann es gleich als Managed Service aus der Cloud beziehen.

7. SaaS für bestimmte Branchen oder Regionen

Angesichts der starken Nachfrage nach Software as a Service (SaaS) - laut Bitkom Cloud-Monitor 2017 nutzen 43 Prozent aller Befragten SaaS - bieten immer mehr Provider bestimmten Zielgruppen spezielle Versionen ihrer Lösungen an - etwa Branchenlösungen oder Varianten, die auf besondere Anforderungen einzelner Regionen zugeschnitten sind. Gefördert wird diese Entwicklung durch Technologien wie die Entwicklerplattform Cloud Foundry und das Konzept der Microservices. Voraussetzung ist allerdings, dass der Servicepartner über umfassende Erfahrung in den jeweiligen Regionen und Branchen verfügt.

8. Mehr Sicherheit und Effizienz durch Container

Container haben sich im Umfeld von Docker zu einem wichtigen Bestandteil von Cloud-Architekturen entwickelt. Alle bedeutenden Public-Cloud-Plattformen beinhalten bereits Container-as-a-Service. Die Container-Technologie erhöht sowohl die Effizienz als auch die Sicherheit von Cloud-Services. Allerdings ist das Management von Containern im IT-Betrieb nach wie vor eine große Herausforderung.

9. Das Thema Sicherheit gewinnt an Stellenwert

Mit der zunehmenden Bedeutung von Cloud-Services für die Unternehmensprozesse wachsen auch die Sicherheitsanforderungen. Neben spezialisierten Anbietern, die sich auf Cloud-Services für Branchen oder Regionen mit besonderen Sicherheitsanforderungen konzentrieren, bieten jetzt auch die großen Player Funktionen wie Cloud Security Gateways und Verschlüsselungstools an, mit denen Nutzer ihre Daten vor unberechtigtem Zugriff schützen können.

Die Cloud wächst weltweit. Laut Gartner legen allein die Public Cloud Services in diesem Jahr weltweit um fast ein Fünftel (18 Prozent) zu. Dabei gilt weiterhin: "Die" Einheits-Cloud für alle gibt es nicht. Die richtige Strategie für die Enterprise-Cloud muss jedes Unternehmen selbst finden. Dabei ist die Auswahl der Partner ebenso wichtig wie die Definition der eigenen Ziele. (haf)