IT am Körper vereinfacht Arbeit und Freizeit

Wir sind die Borg

08.01.2009
Von 


Simon Hülsbömer betreut als Senior Project Manager Research Studienprojekte in der IDG-Marktforschung. Zuvor verantwortete er als Program Manager die Geschäftsentwicklung und die Inhalte des IDG-Weiterbildungsangebots an der Schnittstelle von Business und IT - inhaltlich ist er nach wie vor für das "Leadership Excellence Program" aktiv. Davor war er rund zehn Jahre lang als (leitender) Redakteur für die Computerwoche tätig und betreute alle Themen rund um IT-Sicherheit, Risiko-Management, Compliance und Datenschutz.

30 Millionen Euro aus Europa

CW: Das hört sich alles sehr theoretisch an. In welchen Branchen kommt Wearable Computing schon zum Einsatz?

Kunze: Im Gesundheits- und Produktionsbereich sind wir mit unseren Forschungen weit fortgeschritten. Automechaniker erhalten in ersten Pilotversuchen schon heute während der Montage wertvolle Hilfe durch ein tragbares System, das darauf achtet, dass kein Einzelteil vergessen oder falsch montiert wird. Vor vier Jahren haben wir gemeinsam mit der ETH Zürich und über 50 Industriepartnern wie SAP und Microsoft das von der EU mit rund 30 Millionen Euro geförderte Projekt "Wear IT @Work" auf den Weg gebracht. Es trägt erste Früchte, die für den praktischen Einsatz geeignet sind. Umfragen haben ergeben, dass viele Angestellte unsere Lösungen als Bereicherung für ihre tägliche Arbeit empfinden. Langfristig ist ein Einsatz auch beispielsweise im Rettungsdienst denkbar. So hat die Pariser Feuerwehr mit tragbaren Systemen geprobte Löscheinsätze effizienter und sicherer machen können. Die Möglichkeiten sind noch lange nicht ausgeschöpft.

CW: Wo bleibt der Datenschutz? Wenn jeder Mensch immer mehr IT direkt am Körper trägt, können wir uns den implantierten Chip unter der Haut fast schon schenken.

Kunze: Das Wearable Computing birgt wie jede Technik große Risiken für die Privatsphäre. Wir müssen die Menschen über die Gefahren aufklären und einen bewussten Umgang mit der IT schaffen. Eine andere Lösung weiß ich leider auch nicht.

Zur Person

Kai Kunze promoviert an der Universität Passau im Team von Informatikprofessor Paul Lukowicz über neue Methoden, körpergesteuerte IT-Systeme in den (Arbeits-)Alltag zu integrieren.