Stefanie Kemp, Country Leader Oracle Deutschland

"Wir brauchen Stabilität in der Kundenansprache"

07.08.2020
Von 
Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.

CIO.de: Oracle-Gründer Larry Ellison hat sich zu Beginn über Cloud Computing mächtig lustig gemacht. Welche Strategie verfolgt Oracle heute in der Cloud?

Kemp: Die ersten Cloud-Ansätze im Markt waren aus Business-Sicht ja auch noch nicht wirklich ernst zu nehmen. Wenn man sich aber die Iterationen seit den ersten Gehversuchen ansieht, dann zeigt sich einmal mehr die rasante Innovationsgeschwindigkeit, in der sich der IT-Markt entwickelt. Wir haben in den vergangenen Jahren eine Menge gelernt.

Cloud heißt ja nicht nur, ich setze im Rechenzentrum ein paar Services auf und rechne die nach Verbrauch ab. Es geht vielmehr darum, dass Unternehmen ihre verschiedenen Portfolien abbilden und integrieren können, um Marktanforderungen schneller und besser gerecht zu werden. Da entsteht eine hohe Komplexität und die decken wir ab.

"Was waren das für Klimmzüge!"

Wir haben früher, in meiner Zeit als Vorwerk-CIO, viel über Service-orientierte Architekturen (SOA) gesprochen und für unsere ersten Gehversuche sogar einen Preis gewonnen. Aber was waren das für Klimmzüge! Wenn ich mir heute anschaue, welche Möglichkeiten Cloud-Infrastrukturen bieten, erst recht in Kombination mit Machine Learning und KI, wie sie auch Möglichkeiten bietet, Daten ganz anders aufzubereiten, dann ist da schon wahnsinnig viel in sehr kurzer Zeit zu erreichen.

CIO.de: Nahezu alle Unternehmen verfolgen eine Cloud-First-Strategie, doch der Weg in die Cloud sieht bei allen unterschiedlich aus. Viele Hersteller, darunter auch die großen Hyperscaler, bieten Hybrid-Cloud-Lösungen an, um die Kunden abzuholen. Wie weit ist Oracle hier?

Kemp: Für unsere Cloud-Strategie ist entscheidend, dass Kunden Private-, Public-, Hybrid- und auch Multi-Cloud-Szenarien mit ein und derselben Technologie abbilden können. Der Bedarf der Kunden steht dabei im Mittelpunkt. Welche Services braucht er? Welche Datenschutz-Anforderungen stellt er?

Was wir heute als Public Cloud zur Verfügung stellen bieten wir analog genauso auch für Unternehmen mit einem eigenen Rechenzentrum an. Wir sprechen vom Service Cloud@Customer. Der Kunde erhält alle Funktionen, die er applikationsseitig, integrationstechnisch oder von den Funktionen her in seiner Private Cloud braucht.

Für mich war dieses Angebot mit ein Grund dafür, den Job bei Oracle anzunehmen. Diese Technologie ermöglicht Anwendern individuell auszutarieren, wie viel Public und wieviel Private Cloud sie wollen. Tatsächlich können sogar Kunden, die unsere Cloud Services im eigenen Rechenzentrum nutzen, auf dieser Technologiebasis selbst zu Public-Cloud-Anbietern werden.