Wie sich SOA-Projekte rechnen

16.02.2006
Von 
Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.

Hohe Einstiegskosten

Wie Anwender das Thema dennoch angehen können, berichtet Aberdeen Research in einer aktuellen Studie. Sie stützt sich auf eine Befragung von 284 US-Firmen. Unternehmen, die bereits Erfahrungen mit dem kompletten SOA-Lebenszyklus gesammelt haben, nannten drei Bereiche, in denen sich der Nutzen quantifizieren lasse: Schnelligkeit der Softwareeinführung, einfachere Integration und raschere Anpassung oder Updates. Daraus resultierende Kosten- und Zeitersparnisse wirkten sich im gesamten Unternehmen aus, erläutert Studienautor William Mougayar. In jedem Fall erforderten Kosten-Nutzen-Analysen eine langfristige Planung. Unternehmen müssten die Anfangskosten für die Entwicklung von SOA-Anwendungen abwägen gegen die erwarteten Einsparungen in späteren Einführungs-, Integrations-, Testing- und Wartungsphasen.

Auch Hoppermann plädiert für eine langfristige Betrachtung: "Auf Einzelprojektebene lässt sich SOA nicht bewerten." Problematisch sei es zudem, ausschließlich den "Reuse"-Aspekt zu untersuchen, sprich die viel zitierte Wiederverwendbarkeit von Services. Selbst wenn solche Komponenten eingeführt seien und tatsächlich genutzt würden, relativierten sich damit verbundene Einsparungen. Das Investment für die komplette Infrastruktur sei ebenso dagegen zu rechnen wie der erhöhte Verwaltungsaufwand, den etwa eine Gruppe für das Business-Service-Management verursache.

"Das Thema Reuse ist valide, reicht aber für eine Kosten-Nutzen-Betrachtung nicht aus", kommentiert auch IBM-Vertreter Schädler. Er verweist auf einschlägige Versprechen, die schon die Protagonisten der Objektorientierung nicht eingelöst hätten: "Damit haben wir Schiffbruch erlitten."

In Zusammenhang mit SOA sollten Unternehmen den Aspekt der Wiederverwendbarkeit nicht auf die IT, sondern auf Geschäftsprozesse ausrichten. Wenn es beispielsweise einer Bank gelänge, den Prozess Kontoeröffnung einheitlich für alle Geschäftsprozesse zu definieren, wäre darüber ein erhebliches Sparpotenzial zu heben. SOA-Initiativen sollten generell mit einer solchen Betrachtung beginnen, rät Schädler, und schränkt zugleich ein: "Die meisten unserer Kunden sind noch nicht so weit."