40 Jahre Arpanet

Wie das Internet zur Welt kam

29.10.2009
Von 


Simon Hülsbömer betreut als Senior Project Manager Research Studienprojekte in der IDG-Marktforschung. Zuvor verantwortete er als Program Manager die Geschäftsentwicklung und die Inhalte des IDG-Weiterbildungsangebots an der Schnittstelle von Business und IT - inhaltlich ist er nach wie vor für das "Leadership Excellence Program" aktiv. Davor war er rund zehn Jahre lang als (leitender) Redakteur für die Computerwoche tätig und betreute alle Themen rund um IT-Sicherheit, Risiko-Management, Compliance und Datenschutz.

Vernetzung mehrerer Netze

1968: Bolt Beranek and Newman Inc. (BBN) gewinnt die Ausschreibung zum Bau des IMPs im Dezember.

1969: Das eigentliche Geburtsjahr des Arpanet. Im April wird die erste Spezifikationsbeschreibung für Host-zu-IMP-Kommunikation veröffentlicht (BBN Report 1822). Noch im selben Monat beginnt auf Grundlage des RFC 1 (Requests for Comments = Sammlung technischer organisatorischer Dokumente) die Debatte um die Host-zu-Host-Kommunikation. Die Network Working Group (NWG) bildet sich, um passende Übertragungsprotokolle zu entwickeln. Im September geht der erste IMP vom Band und arbeitet angeschlossen an einen Sigma 7 an der University of California Los Angeles (UCLA). Damit ist der erste Arpanet-Knoten (Node) im Einsatz, der zugleich das Network Measurement Center zum Messen und Evaluieren der Netzperformance beherbergt. Im Oktober kommt der zweite Knoten am Stanford Research Institute (SRI) durch einen SDS-940-IMP hinzu. Zwischen beiden Punkten wird am 29. Oktober die erste digitale Nachricht erfolgreich verschickt. An der Universität von Santa Barbara kommt in November der dritte, an der Universität von Utah im Dezember der vierte Node hinzu.

Wachsende Datenmengen

1970: Das steigende Datenaufkommen führt im März zur ersten Netzüberlastung. Das Arpanet umspannt durch eine IMP-Installation bei BBN in Cambridge in Massachusetts mittlerweile die gesamten Vereinigten Staaten. Das Network Control Center (NCC) bei der BBN nimmt seine Arbeit auf - alle aktiven Paketvermittlungsknoten müssen nun einmal pro Minute ein Lebenszeichen an das NCC senden. Im November wird die IMP-Software geupdatet, damit die Knotenpunkte voneinander neue Programme herunterladen können. Dadurch ist es möglich, auf einem Knotenrechner eine Software zu installieren und diese Rechner für Rechner über das Netz weiterzugeben. Sollte es umgekehrt Probleme mit einer Applikation geben, kann jeder IMP vom nächsten benachbarten Knoten ein Backup ziehen.

1971: Mit dem NCP (Network Control Program) geht das erste Host-zu-Host-Protokoll an den Start. Im September wird der Terminal IMP (TIP) im Arpanet installiert, mit dem die Anwender mit der Eingabekonsole direkt auf das Netz zugreifen können.

1972: Mit der Programmierung SNDMSG und READMAIL erscheint im März das erste E-Mail-System. Im Juli wird die erste FTP-Spezifikation (File Transfer Protocol) veröffentlicht (RFC 354). Im Oktober findet die erste öffentliche Arpanet-Präsentation im Rahmen der International Conference on Computer Communication (ICCC) in Washington statt.

1973: Der erste Versuch, zwei verschiedene Netze (Arpanet und Packet Radio Network) miteinander zu verbinden ("Inter-Networking"), startet. Im Mai findet im Xerox Palo Alto Research Center die erste Ethernet-Operation statt.