MWC

UMTS-Modem als virtueller PC

20.02.2009
Von 
Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 

Virtueller PC auf dem USB-Stick

Das Highlight ist der integrierte MicroSD-Slot für Daten und Anwendungen. Wie von reinen Datensticks bekannt, können hier etwa autarke Anwendungen wie Browser, OpenOffice, E-Mail-Client etc. installiert werden. Ebenso ist laut Option-Manager Jan Poté vorstellbar, dass hier die Carrier Applikationen wie den eigenen Musicstore installieren, um so mehr Umsatz zu generieren oder den Benutzer per Push-Dienst über neue Offerten zu informieren. Das Potenzial des Konzepts reicht aber noch weiter: Unternehmen hätten die Option, hier Clients für ihre Enterprise-Applikationen oder die entsprechende VPN-Zugangssoftware zu installieren. Da die Sticks sowohl verschlüsseln als auch aus der Ferne löschen lassen, kommt dabei auch das Thema Sicherheit nicht zu kurz. Poté zufolge überlegt bereits ein großer deutscher Konzern, seine mobilen Verkaufsmitarbeiter mit Netbooks auszustatten, die dann mit eine uCAN-Stick online gehen und die entsprechende Unternehmenssoftware ebenfalls nur auf dem Stick installiert haben. Ein anderes Szenario betrifft das Thema Collaboration: So könnten etwa die Daten vom Stick mit einem Server synchronisiert werden, so dass alle mobilen Mitarbeiter auf die gleichen Dokumente Zugriff haben. Letztlich scheint der Ausbau des Systems nur von den Fähigkeiten der Softwareentwickler abzuhängen. Option zufolge soll der uCAN-Stick noch im ersten Halbjahr 2009 über die Mobilfunk-Provider erhältlich sein. Zu einem späteren Zeitpunkt ist dann auch die Vermarktung über den Channel angedacht.

Pimp my Modem

Eines der ersten HSPA+-Modems hat Sierra Wireless vorgestellt.
Eines der ersten HSPA+-Modems hat Sierra Wireless vorgestellt.
Foto: Sierra Wireless

Ein andere Strategie als Option fährt der kanadische Hersteller Sierra Wireless als Antwort auf die chinesischen Herausforderer: Statt auf zusätzliche Software setzen die Kanadier, die derzeit ebenfalls eine große Nachfrage nach Sticks feststellen, auf eine Personalisierung des USB-Stick. Nach dem die Consumer bereits mit "Pimp my Computer" ihre PCs optisch veredelten und teilweise dafür viel Geld ausgaben, sollen sie demnächst Datensticks kaufen, die mit Lichteffekten aufwarten. Das Thema Individualisierung geht der Hersteller zudem durch auswechselbare Oberflächen an. Ähnlich wie bei Handys mit wechselbarer Gehäuseschale, kann so das Aussehen des Sticks verändert werden. Nach Aussagen von Joachim Dressler, Business Development Director bei Sierra Wireless, eröffnet dies für die Mobilfunk-Carrier zwei Optionen: Entweder sie nutzen den Platz für ein verstärktes Branding ihrer eigenen Marke oder sie generieren darüber zusätzlichen Umsatz, in dem sie etwa individuelle Oberflächen verkaufen oder diesen Raum an Dritte als Werbefläche vermarkten. Skeptiker, die an dieser Geschäftsidee zweifeln hält Dressler entgegen, dass sich ja beispielsweise auch Notebooks oder Handys mit Schmucksteinen gut verkaufen. Wie Option kann auch der User bei Sierra eine MicroSD-Karte als zusätzlichen Speicher nutzen. Allerdings liefern die Kanadier dazu kein virtuelles System mit Software mit. Auch in Sachen Treiber geht man bei Sierra Wireless einen anderen Weg: Zwar spart sich auch hier der User künftig die zusätzliche Treiberinstallation, doch dies kommt daher, das Windows 7 künftig bereits die entsprechenden Software-Interfaces für die Sierra-Produkte an Bord hat.

Des Weiteren versucht die Firma stärker zwischen Consumer- und Business-Markt zu differenzieren. So werden die Consumer-Modelle teilweise in der Geschwindigkeit limitiert. Bei den Modems für den professionellen Bereich gibt Sierra dagegen richtig Gas. So hat das Unternehmen mit den Geräten "USB 306" und "USB 307" zwei Produkte vorgestellt, die HSPA+ unterstützen.