Collaborative Coding

Tools für die Remote-Programmierarbeit

13.04.2020
Von  und
Serdar Yegulalp ist als Autor bei der InfoWorld tätig und betreibt unter anderem den InfoWorld Tech Watch news analysis blog.


Florian beschäftigt sich mit vielen Themen rund um Technologie und Management. Daneben betätigt er sich auch in sozialen Netzen.
Sie wollen gemeinschaftlich programmieren trotz Remote-Zwang? Mit diesen Collaborative Coding Tools kein Problem.

In einem Softwareprojekt zu kollaborieren geht meist mit der Nutzung von Tools wie Git einher - und zieht eine Schleife von Modifikationen und Abstimmungsarbeit nach sich, an deren Ende das fertige Produkt - hoffentlich - in einer einheitlichen Code-Basis vorliegt.

Programmieren geht inzwischen auch remote ziemlich gut - nicht nur in Pandemie-Zeiten. Wir zeigen Ihnen ausgewählte Collaborative Coding Tools.
Programmieren geht inzwischen auch remote ziemlich gut - nicht nur in Pandemie-Zeiten. Wir zeigen Ihnen ausgewählte Collaborative Coding Tools.
Foto: Monstar Studio - shutterstock.com

Im Laufe der letzten Jahre hat Echtzeit-Collaboration an Programmcode allerdings deutlich an Praktikabilität gewonnen. Natürlich sollte der fertige Quellcode am Ende weiterhin abgenommen werden, aber die Möglichkeit, den Kollegen bei ihrer Arbeit über die Schulter zu sehen, ermöglicht Lernen und Austausch auch über die Distanz und erleichtert die Entwicklungsarbeit unter Zeitdruck.

Wir stellen Ihnen sieben Collaborative Coding Tools vor, die gemeinschaftliches Remote-Programmieren in Echtzeit ermöglichen. Das funktioniert entweder über dedizierte Web Services oder per Add-on für Ihren Code Editor.

AWS Cloud9

Cloud9 stellt eine Entwicklungsumgebung per Browser bereit, die circa 40 verschiedene Programmiersprachen unterstützt. Mit Hilfe von "Shared Environments" können mehrere Softwareentwickler in Echtzeit am selben Projekt in der Cloud arbeiten. Über visuelle Markierungen wird dabei kenntlich gemacht, wer welche Zeilen geschrieben hat - auch ein Chat ist innerhalb der IDE verfügbar. Projekt-Admins können die Beteiligten mit verschiedenen Rechten ausstatten (read/write oder read-only). Einen "follow my lead"-Modus bietet AWS Cloud9 allerdings nicht.

Preis: bei jeder EC2-Instanz inklusive

Codeanywhere

Dieses Collaborative Coding Tool wird konsequent als "Code on the Go"-Umgebung vermarktet. Der Editor steht über Browser, Tablets und Smartphones zur Verfügung, unterstützt 75 Programmiersprachen und bietet für das Gros der Coding-Sprachen auch Cloud-basierte Entwicklungsumgebungen. Zu Codeanywhere gehören aber auch einige Echtzeit-Codesharing- und Collaboration Features. Projekte lassen sich entweder einfach per Link teilen oder auch in Echtzeit gemeinsam im selben Editor bearbeiten. Darüber hinaus bietet das Remote Coding Tool bei Bedarf auch verschlüsselten Zugriff auf Projekte (per SSH).

Preis: kostenlos für sieben Tage - danach ab 3 Dollar monatlich

CodeSandbox Live

CodeSandbox stellt eine Online-Entwicklungsumgebung für die schnelle Entwicklung von Web-Applikationen zur Verfügung. Diese Apps können auf JavaScript, TypeScript oder auch Frameworks wie React, Angular und Vue basieren. Im Live-Modus lassen sich Kollegen einladen, um gleichzeitig am selben Projekt zu arbeiten. Dateien können in Echtzeit bearbeitet werden und auch eine Chat-Funktion zum gegenseitigen Austausch ist integriert. Der "classroom mode" ermöglicht, bestimmte Teilnehmer als Zuschauer einzuladen.

Preis: kostenlose Version mit eingeschränkten Funktionen verfügbar - für 9 Dollar monatlich ohne Einschränkungen

Codeshare

Der Minimalismus-King unter den Collaborative Coding Tools ist Codeshare. Die App liefert dennoch jede Menge Nutzwert für Softwareentwickler, die nicht mehr brauchen als einen Code Editor im Stil von Pastebin. Um mit anderen Developern zusammenzuarbeiten, setzen Sie einfach eine Codeshare-Instanz auf und teilen den Link. Programm-Code, der im Editor erstellt wird, lässt sich mit einem Klick herunterladen, jede Instanz läuft automatisch nach 24 Stunden aus. Eine Videochat-Funktion ist ebenfalls integriert.

Preis: kostenlos

Floobits

Kollaboratives Programmieren in Echtzeit und Chat-Optionen bietet auch Floobits - entweder per Browser oder als Addon für verschiedene Editoren wie Sublime Text, Atom, Neovim, Emacs und IntelliJ IDEA. Visual Studio Code wird allerdings nicht unterstützt. Der Floobits Service ermöglicht mehreren Nutzern (auch mehr als zwei), gleichzeitig zusammenzuarbeiten. Die Rechtevergabe ist dabei sehr granular (no access, read, write, adminitrate) gestaltet. Mit dem Collaborative Coding Tool lassen sich öffentliche und private Workspaces einrichten, Terminals gemeinsam nutzen und Verzeichnisse ohne Beteiligung eines Editors synchronisieren. Für Video- und Text-Chats kommen WebRTC und IRC zum Einsatz.

Preis: kostenlos für bis zu fünf öffentliche Workspaces, privater Workspace kostenlos für eine Woche - uneingeschränkt ab 15 Dollar monatlich

Teletype for Atom

Der Code Editor Atom ist ein Produkt von GitHub und verfügt über eine ausufernde Add-on-Bibliothek. Mit Teletype wird Atom zum Collaborative Coding Tool. Sie können andere Entwickler zu aktiven Tabs in Ihrer Atom-Instanz einladen und in Echtzeit gemeinsam programmieren. Die Zusammenarbeit läuft dabei stets auf Peer-to-Peer-Basis über das WebRTC-Protokoll. Der Nachteil: Teletype bietet keine Features für fortgeschrittene Nutzer, wie etwa eine granulare Rechtevergabe.

Preis: kostenlos

Visual Studio Live Share

Falls Sie oder Ihre Kollegen bereits Visual Studio (Code) nutzen, integriert Microsofts Visual Studio Live Share Collaborative Coding in diese Entwicklungsumgebungen. Projekte können im "read only"- oder "live editing"-Modus geteilt werden, auch Terminals, Debugging Sessions oder Editor-Fenster sind "share-bar". Darüber hinaus steht auch eine Funktion zur Verfügung, um die Schritte einzelner Kollegen in Echtzeit mitzuverfolgen. Sogar laufende Web Application Server können mit anderen Nutzern geteilt werden. Nutzer, die weder Visual Studio noch Visual Studio Code nutzen, können sich per Browser einklinken.

Preis: kostenlos

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel unserer US-Schwesterpublikation InfoWorld.