SOA 2.0 - zu schnell für die Anwender?

27.06.2006
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Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.

SOA in der Finanzbranche

Ziel des SOA-Vorhaben sei es einerseits gewesen, Produkte schneller auf den Markt zu bringen, verschiedene Vertriebskanäle zu bedienen und Kosten zu senken. Andererseits wollten die Verantwortlichen Investitionen in die bewährte Legacy-Software schützen. Unter diesen Prämissen entstand eine Kombination aus gekapselten Services der Altsysteme und neu entwickelten Komponenten. Die so entstandenen rund 70 Business Services würden mehrfach von bis zu vier Anwendungen genutzt, so IT-Managerin Antonia Casamassima. Das Governance-Problem wollen die Italiener mit zwei Gremien in den Griff bekommen: einem Analysis-Pool, in dem ausschließlich Buiness-Analysten sitzen, und einem SOA-Management-Pool. Letzterer kümmert sich beispielsweise um die Verwaltung der Services Registry, so Casamassima. Erfolgsentscheidend sei auch gewesen, dass das Softwareentwicklungs-Team von der Verwaltungseinheit getrennt arbeite.

Governance braucht Disziplin

"Beim Thema Governance geht es um Disziplin", kommentierte Gartner-Analyst Massimo Pezzini. "Es kann keine völlige Freiheit für Softwareentwickler geben." Andernfalls drohe eine Art Wildwest-SOA, die niemand mehr kontrollieren könne. Nach seiner Einschätzung wird bis zum Jahr 2010 nur ein Viertel der Betriebe die technischen und organisatorischen Fähigkeiten besitzen, um eine unternehmensweite SOA aufzubauen. Die Vorstellung einer einzigen großen SOA hält er ohnehin für unrealistisch: In der "Real World SOA" der Zukunft interagierten mehrere SOA-Inseln über ein gemeinsames Enterprise Backplane.