SOA 2.0 - zu schnell für die Anwender?

27.06.2006
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Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.

"Mangelnde Governance ist der Hauptgrund für Fehler in SOA-Projekten", fasste Malinverno seine Erfahrungen aus Beratungsgesprächen zusammen. Ohne Governance sei die vielzitierte Wiederverwendbarkeit (Reuse) von in Software gegosssenen Business-Services nicht zu erreichen. Ohne Reuse wiederum blieben die eigentlichen SOA-Vorteile wie Flexibilität, Agilität und Kostenreduzierung aus. Malinvernos Kollege Michael Barnes verwies in diesem Zusammenhang auf eine ganze Reihe von Problemen, die erst nach dem Aufbau einer SOA zutage träten. So bereite es häufig Schwierigkeiten, die im Unternehmen verstreuten Softwareservices zu finden und Duplikate zu vermeiden. Ohne eine ausgefeilte Versionskontrolle der Komponenten könnten schnell "Legacy SOA Systems" entstehen. Zudem stellten sich in SOA-Projekten auch klassische IT-Governance-Probleme: Wem gehört eine Transaktion oder ein entsprechender Service? Wer ist für deren Funktionsfähigkeit - Stichwort Quality of Service (QoS) - verantwortlich? Zu den zahlreichen Hürden zählt Barnes auch die unzureichende Kompetenz vieler Mitarbeiter in Sachen Integration.

SOA Competence Center

Unternehmen mit größer angelegten SOA-Plänen sollten derartige Probleme auf zwei Wegen angehen, empfehlen die Gartner-Experten. Zum einen gelte es, die Verwaltung über dedizierte Organisationen wie ein Integration Center oder ein SOA Competence Center zu institutionalisieren. Zum anderen erforderten SOA-Projekte, wenn sie sich auf mehr als einige wenige Services ausdehnten, Governance-Tools in Form einer zentralen Registry. Nach Einschätzung von Gartner-Analyst Frank Kenney bilden solche Tools den Kern einer jeden SOA-Installation: "Ohne Registry wird die SOA scheitern." IT-Hersteller hätten diesen Bedarf erkannt und präsentierten mittlerweile eine breite Palette von "Independent" Registries. Damit entstehe ein neuer Markt, in dem sich kleine Spezialanbieter wie Infravio, Flashline oder Systinet ebenso Chancen ausrechneten wie die Branchengrößen.

Wie sich umfangreiche SOA-Projekte organisatorisch stemmen lassen, veranschaulichte der italienische Autofinanzierer Fiatsava. Als Spinoff des Fiat-Konzerns nutzt das Unternehmen Cobol-Awendungen für seine Kernprozesse, insgesamt rund 3,4 Millionen Codezeilen.