Mentale Gesundheit

So funktioniert Homeoffice für alle

08.02.2021
Von   IDG ExpertenNetzwerk
Martin Daniel ist Community Manager und HR Specialist bei Peakon.
Homeoffice und Kurzarbeit in Zeiten von Corona: Viele arbeiten in ihrem Job viel zu lang. Diese 7 Tipps fördern die Leistung und mentale Gesundheit.
Aufgepasst - Burnout-Gefahr! Homeworker und deren Arbeitgeber sollten die Intensität der geistigen Arbeit im Homeoffice nicht unterschätzen. Bewusste Pausen, ein klare Trennung von Arbeit und Privatleben sowie die Kontrolle des Arbeitspensums sind wichtig, um die mentale Gesundheit und Produktivität nicht zu gefährden.
Aufgepasst - Burnout-Gefahr! Homeworker und deren Arbeitgeber sollten die Intensität der geistigen Arbeit im Homeoffice nicht unterschätzen. Bewusste Pausen, ein klare Trennung von Arbeit und Privatleben sowie die Kontrolle des Arbeitspensums sind wichtig, um die mentale Gesundheit und Produktivität nicht zu gefährden.
Foto: Freebird7977 - shutterstock.com

Durch den zweiten Lockdown sind erneut viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zum Arbeiten im Homeoffice und zur Kurzarbeit gezwungen. Bereits vor der Pandemie arbeiteten Angestellte im Schnitt elf Stunden pro Woche mehr, da sie via Smartphone und Laptop ständig erreichbar waren. Dabei glaubten Ökonomen lange Zeit noch, die Digitalisierung würde zu mehr Freizeit führen. Tatsache ist jedoch: 40 oder mehr Arbeitsstunden funktionieren bereits kaum bei körperlicher Arbeit - für 40 Stunden geistige Arbeit sind Menschen erst recht nicht geschaffen.

Besonders erschreckend ist, dass bei einer Befragung in den Vereinigten Staaten von Amerika 69 Prozent der Arbeitnehmerschaft, die aufgrund der COVID-19-Pandemie im Homeoffice arbeiten müssen, über Burnout-Symptome klagten. Wenn sich Privat- und Berufsleben also stärker überschneiden, müssen mentale Gesundheit und Wohlbefinden für Arbeitgeber zur Priorität werden. Untermauert wird dies durch eine Schätzung der WHO aus dem Jahr 2017, die zu dem Ergebnis kommt, dass der Weltwirtschaft durch Depressionen und Angstzustände jährlich eine Billion Dollar verloren gehen. Das bedeutet im Umkehrschluss: Unternehmen sind langfristig produktiver, wenn sie die mentale Gesundheit ihrer Belegschaft fördern.

Gerade jetzt ist es also für Arbeitgeber wichtiger denn je, am Puls ihrer Belegschaft zu bleiben und genau hinzuhören, was die Wünsche und Bedürfnisse eines jeden Einzelnen sind. In einer Auswertungen von zehn Millionen Datenpunkten fanden wir heraus, dass Beschäftigte weltweit das Gefühl haben, ihre Arbeitgeber kümmern sich seit der Corona-Pandemie mehr um ihr geistiges Wohlbefinden.

Homeoffice-Gesundheit: So bleibt der Burnout aus

Basierend auf der Datenauswertung lassen sich nützliche Tipps ableiten, was Arbeitgeber und Angestellte tun können, um im Lockdown weiter motiviert zu bleiben.

1. Arbeitspensum im Blick behalten

Arbeitgeber sollten jetzt besonders die Wahrnehmung ihrer Mitarbeiter in Bezug auf ihr Arbeitspensum im Blick behalten. Nicht alle haben den Mut zu sagen, überfordert zu sein. Regelmäßige Einzelgespräche, in denen sich auf vertrauter Ebene nach dem Wohlbefinden und der Auslastung erkundigt werden kann, sind jetzt entscheidend. Das ist entweder im persönlichen Videogespräch oder über digitale Werkzeuge möglich. Hier können vor allem Feedback-Tools helfen, womit Angestellte idealerweise einmal in der Woche anonym Feedback geben können.

2. Zusätzliche Benefits für Angestellte anbieten

Gerade jetzt sollten Unternehmen darauf achten, dass die Benefits stimmen. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel, die Urlaubstage, die Mitarbeitern gesetzlich zustehen, zu erhöhen, sofern sich das einrichten lässt. So haben Angestellte als Ausgleich mehr Zeit für sich oder ihre Familie. Angefallene Überstunden eignen sich zudem, um nun für die Freizeit genutzt zu werden.

Zusätzlich sollten Betriebe das Homeoffice ihrer Angestellten mit entsprechenden Büromöbeln und IT ausstatten, damit die Arbeit von zu Hause produktiv bleibt. So zeigen Arbeitgeber, dass ihnen die Bedürfnisse ihrer Belegschaft am Herzen liegen. Und damit der gemeinsame Teamlunch nicht wegfallen muss, können sie auch ab und zu Kochboxen mit Zutaten für eine gesunde Mahlzeit nach Hause schicken, damit Angestellte einfach mal digital gemeinsam Mittagspause machen können.

3. Homeoffice vom Privatleben trennen

Beschäftigte sollten darauf achten, dass der Arbeitsbereich vom häuslichen Alltag abgegrenzt wird und der Arbeitsplatz nicht dort ist, wo auch der Feierabend verbracht wird. Der Computer sollte also, wenn möglich, in einen separaten Raum platziert werden, um zur Ruhe zu kommen. Dadurch gelingt es leichter, in den Feierabendmodus zu wechseln. Und auch das Mittagessen sollte nicht vor dem Laptop eingenommen, sondern bewusst vom Arbeitsplatz abgegrenzt werden.

4. Bewusste Pausen einlegen

Die Mittagspause oder den Feierabend sollten Angestellte für einen Gang an die frischen Luft nutzen, um gedanklich von der Arbeit abzuschalten. Dafür können sie ihren Kollegen über die Statusanzeige in Chat-Programmen signalisieren, dass sie gerade zu Tisch oder in einer Pause sind. Es wäre auch möglich, mit Emojis kleine Codes vereinbaren: Ein Pizza-Emoji hinter dem eigenen Account-Namen steht für die Mittagspause, ein Computer-Emoji für die Arbeitsphase.

5. Feierabend ist Feierabend

Direkt nach Arbeitsende sollte der Computer ausgeschaltet werden, auch das Smartphone kann nach der Arbeit für eine gewisse Zeit auf Flugmodus gestellt werden, um einen bewussten Übergang von Arbeit und Feierabend sicherzustellen. Beschäftigte können auch hier ihren Kollegen über die Statusanzeige oder mit Emojis signalisieren, dass sie im wohlverdienten Feierabend sind. Manchmal kann es auch schon helfen, von den Arbeitsklamotten in eine Jogginghose zu wechseln, um geistig mit dem Arbeitstag abzuschließen.

6. Erwartungen anpassen

Sowohl als Chef als auch als Angestellter heißt es, Erwartungen an die neuen Umstände anzugleichen, Verständnis und Empathie zu zeigen, eigene Grenzen kennenzulernen und zu setzen - "business as usual" ist derzeit kaum möglich. Arbeitgeber, aber auch Angestellte sollten klare und faire Ziele vereinbaren. Hierfür hilft eine strukturierte Liste zu allen Arbeitsaufträgen, die priorisiert werden. Wenn es leichter ist, die Arbeit zu erledigen, nachdem die Kinder ins Bett gegangen sind, dann sollten Angestellte die Möglichkeit haben, die Arbeitszeiten an ihre Bedürfnisse und Lebensumstände anzupassen.

7. Kein schlechtes Gewissen, wenn nicht alles geschafft wurde

An manchen Tagen ist man produktiver als an anderen. Daher sollten sich Angestellte auf die wichtigen Projekte konzentrieren, wenn sie einen Tag mit wenigen Unterbrechungen haben. Kleinere Aufgaben sollten auf Tage mit weniger Konzentrationslast aufgeschoben werden, sofern möglich. Mitarbeiter sollten auch immer die Möglichkeit haben, ihre Kollegen anzusprechen und um Rat oder Unterstützung bitten zu können - denn jeder kennt solche Tage oder Aufgaben, in denen einfach der Wurm drin ist und nichts zu laufen scheint. Empathie und Verständnis ist also gerade jetzt das Gebot der Stunde - das sollte sich auch in der Unternehmenskultur niederschlagen, damit sich die gesamte Belegschaft gehört und inkludiert fühlt.

Mentale Gesundheit: Remote-Mitarbeitermotivation

Die Work Life Balance war bereits vor der Pandemie ein entscheidender Faktor für den Unternehmenserfolg, denn nur zufriedene Mitarbeiter, die engagiert im Job sind, führen langfristig zu glücklichen Kunden. Die Pandemie hat uns vor allem gelehrt, dass Mitarbeitermotivation über die vier Wände eines Büros hinausgehen kann und die richtige Work Life Balance gerade jetzt wichtiger denn je ist, um das mentale Wohlbefinden im Gleichgewicht zu halten.

Die letzten Monate waren auch ein enormer Test für die Belastbarkeit von Angestellten, die mit einem erhöhten Risiko an Isolation und Stress zu kämpfen hatten. Nun sollten Unternehmen alles daran setzen, diese Motivation weiterhin aufrechtzuerhalten und zu fördern. Dazu sind regelmäßige Mitarbeiterbefragungen ein unerlässliches Tool, um die Wünsche und Bedürfnisse der eigenen Belegschaft immer im Blick zu behalten.