Mitarbeitermotivation

Warum sinnstiftende Führung so wichtig ist

Kommentar  02.07.2020
Von   IDG ExpertenNetzwerk
Rolf Dindorf ist als Führungskräfteberater auf die Unterstützung des öffentlichen Dienstes und angelehnter Dienstleistungsbranchen spezialisiert. Schon seit über 15 Jahren unterstützt er seine Kunden bei der strategischen Personalarbeit.
Mitarbeitermotivation ist gerade in wirtschaftlich instabilen Zeiten ein Topthema. Lesen Sie hier, warum eine sinnstiftende Führungstrategie ein Muss sein sollte.
Führungskräfte sollten einen sinnstiftenden Führungsstil pflegen, um das Potenzial ihrer Mitarbeiter zu entfesseln.
Führungskräfte sollten einen sinnstiftenden Führungsstil pflegen, um das Potenzial ihrer Mitarbeiter zu entfesseln.
Foto: Jirsak - shutterstock.com

Mitarbeitermotivation bedeutet nicht nur, materielle Anreize für erbrachte Leistungen in Aussicht zu stellen. Es geht vielmehr um die Stärkung der Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns oder um es mit Friedrich Nietzsche zu sagen: "Wer ein Warum hat zu leben, erträgt fast jedes Wie." Tatsache ist, dass Mitarbeiter Dienst nach Vorschrift leisten, weil sich ihnen der Sinn der Tätigkeit nicht erschließt. Eine langfristige Produktivität und Zufriedenheit der Beschäftigten fußt hingegen auf starker intrinsischer Motivation.

Warum Mitarbeiter an ihre Grenzen stoßen

Demotivation führt zu verringertem Engagement und Qualitätsverlusten. Darüber hinaus leidet die Stimmung im Team. Dennoch wird der sinnstiftende Führungsstil seit Jahrzehnten im Hinblick auf Mitarbeitermotivation und Leistung unterschätzt. Je unübersichtlicher und komplexer die Welt wird, desto elementarer ist die Bedeutung des Sinns für das Engagement der Menschen. "Der Wille zum Sinn bestimmt unser Leben! Wer Menschen motivieren will und Leistung fordert, muss Sinnmöglichkeiten bieten", bringt Viktor Frankl, Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse, die wesentliche Erkenntnis auf den Punkt.

Auf den ersten Blick scheint es sich nur um eine ethische Duftnote zu handeln. In unserer kühlen, technokratischen Führungskultur fristen Fragen nach der Sinnhaftigkeit ein Schattendasein. Doch bei näherem Hinsehen wird klar, dass mehr dahinter steckt. Viele Beschäftigte fragen sich nach der Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit in der VUCA-Welt. Die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter stößt an ihre Grenzen, weil das begrenzte Selbstbild ausgereizt ist und einer Vergrößerung bedarf. Das funktioniert aber nicht mehr ausreichend über den Willen und die Anstrengung, sondern braucht eine Veränderung innerer Ansichten. Die Anordnung, dass wir etwas schaffen sollen, sorgt nicht automatisch für die Umsetzung.

Mitarbeiterengagement sinnvoll stärken

Die folgenden Tipps geben Führungskräfte Anregungen zur Bewahrung und Steigerung des Engagements ihrer Beschäftigten:

  • Was ist der Sinn des eigenen Unternehmens und warum gibt es den Betrieb? Auf diese Fragen eine befriedigende Antworte zu geben, schafft Sinnhaftigkeit bei allen Beschäftigten. Beispiel: Gemeinwohl ist ein zentraler Wert öffentlicher Einrichtungen.

  • Damit Mitarbeiter bis in die Haarspitzen motiviert sind, müssen Führungskräfte darauf achten, dass ihnen der Sinn nicht genommen wird. Da Sinn eine subjektive Einstellung ist, kann eine Führungskraft ihn nicht direkt übertragen. Ein Vorgesetzter kann aber sehr wohl direkt dazu beitragen, eine Tätigkeit als nicht mehr erfüllend oder sinnlos zu erleben.

  • "Sinn ist immer subjektiv, er entsteht aus unseren Beziehungen zu anderen Menschen, zu bestimmten Dingen, zu unserem Tun", sagt Reinhold Messner. Daher ist es Aufgabe der Führungskraft, Mitarbeiter dabei zu helfen, Sinn zu finden. Die Identifikation mit der Tätigkeit wird dadurch gestärkt.

  • Wer Mitarbeitermotivation möchte, muss Sinn stiften. Dieser Grundsatz darf aber nicht nur für einzelne Führungskräfte im Unternehmen gelten. In der DNA des Betriebs ist dieser Ansatz auf jeder Organisationsebene zu verankern.

  • Selbstbestimmung und Autonomie sind zentrale Faktoren für intrinsische Motivation.

Damit Mitarbeiter die Herausforderungen der Zukunft wie Digitalisierung oder demographischer Wandel mit Energie und Kreativität angehen, bedarf es einer Unternehmenskultur, die neben Sinn auch die fachliche und persönliche Weiterentwicklung durch zeitgemäße Weiterbildungskonzepte berücksichtigt. Agilität und Flexibilität lassen sich nur durch die Fähigkeit zur Selbstführung erreichen. Die Schlüsselkompetenzen dazu müssen konsequent vermittelt werden. In Zeiten von COVID-19 sind Beschäftigte besonders verunsichert. Damit Führungskräfte ausreichend Wasser unter dem Kiel haben und über motivierte Mitarbeiter verfügen, ist der sinnstiftende Führungsstil ein hilfreiches Mittel. Sinn führt. (pg/fm)