Ratgeber Karriere

Personalwesen der Daimler AG arbeitet mit Graphtechnologie

Smarte Datenbank erleichtert Human Resource Management

Dirk Möller ist Area Director of Sales CEMEA bei Neo4j. Er ist seit über 20 Jahren in der IT-Branche tätig. Dank leitender Positionen bei Unternehmen wie Symantec, MongoDB und Couchbase entwickelte er detailliertes Fachwissen im Bereich NoSQL und Graphdatenbanken.
Ob Recruiting, Arbeitszeitmodelle, Identity- und Access Management oder Employee Branding – HR-Prozesse brauchen ein effektives Datenmanagement, um mit der Digitalisierung der Arbeitswelt Schritt zu halten. Nur wer schnell auf Mitarbeiterinformationen zugreifen kann, verliert innerhalb komplexer Unternehmensstrukturen nicht den Überblick. Daimler setzt für seine neue HR-Plattform deshalb auf Graphtechnologie.
  • Die Graphdatenbank ermöglicht HR-Mitarbeitern bei Daimler einen tieferen Einblick in die unterschiedlichen Strukturebenen.
  • Graphtechnologie hat sich in den letzten Jahren für "Connected Data" als Alternative zu NoSQL-Datenbanken etabliert.
  • Graphdatenbanken eignen sich besonders gut, stark vernetzte und unstrukturierte Informationen anschaulich darzustellen.

Das flexible Abbilden von Personalstrukturen bereitet deutschen Großkonzernen häufig Kopfzerbrechen. Beispielsweise beschäftigen globale Unternehmen Mitarbeiter an mehreren Standorten weltweit. Diese arbeiten in interdisziplinären Teams, organisieren sich in hierarchiefreien Schwärmen, sind Mitglieder in Projektteams oder vorübergehend in Elternzeit und auf bestimmte Zeit nicht verfügbar. Außerdem müssen externe Mitarbeiter wie Zeitarbeiter, Dienstleister und Partner in die Unternehmensorganisation eingebunden werden. Die Tatsache, dass klassische Strukturen zunehmend von flachen Hierarchien abgelöst werden, verleiht den internen Strukturen in großen Organisationen ferner zusätzliche Komplexität.

Anwender können sich im Graphen von Knoten zu Knoten fortbewegen und das Hierarchienetzwerk schnell traversieren. So lassen sich für jeden Mitarbeiter Sparten, Standorte und Positionen rasch abfragen.
Anwender können sich im Graphen von Knoten zu Knoten fortbewegen und das Hierarchienetzwerk schnell traversieren. So lassen sich für jeden Mitarbeiter Sparten, Standorte und Positionen rasch abfragen.
Foto: ra2studio - shutterstock.com

Das Personalwesen ist jedoch auf klare Strukturen angewiesen, um Reporting-Prozesse, Berechtigungen und Aufgaben sowie Rollenverteilung reibungslos managen zu können. Hier zeigt sich schnell: Ein übergeordnetes Human Resources Management, das den Überblick über komplexe Personalstrukturen behält und trotzdem einen flexiblen Rahmen für Anpassungen schafft, ist unabdingbar. Voraussetzung dafür ist eine smarte Datenbanklösung mit schnellem Datenmanagement.

Graphtechnologie für Connected Data

Graphtechnologie hat sich in den letzten Jahren für "Connected Data" als Alternative zu NoSQL-Datenbanken etabliert. Graphdatenbanken eignen sich besonders gut, stark vernetzte und unstrukturierte Informationen anschaulich darzustellen. Sie bilden sowohl einzelne Daten als auch die Beziehungen zwischen den Daten realitätsnah ab. Komplexe Informationen zwischen Mitarbeitern, Abteilungen, Standorten, Fortbildungsmaßnahmen, Skills und Teams können so in Echtzeit abgefragt werden.

Flexibles Abbilden von Personalstrukturen mithilfe von Graphdatenbanken
Flexibles Abbilden von Personalstrukturen mithilfe von Graphdatenbanken
Foto: Neo4j

Ein Graph setzt sich aus Knoten wie zum Beispiel "Mitarbeiter" oder "Expertise" sowie den Verbindungen zwischen ihnen zusammen (zum Beispiel "tätig", "berichtet an", "nimmt teil"). Beiden kann eine beliebige Anzahl von qualitativen oder quantitativen Eigenschaften zugewiesen werden, wie beispielsweise die Beschäftigungsdauer oder der Personalschlüssel. Von jedem beliebigen Knoten aus lassen sich Verbindungen nachverfolgen und das komplette Umfeld einsehen.

Innovative Lösung bei Daimler

Daimler stand vor der Herausforderung, sein globales Unternehmensnetzwerk mit rund 250.000 Mitarbeitern besser zu managen. Die neue HR-Plattform sollte einen detaillierten Einblick in die Strukturen des Konzerns ermöglichen. Zunächst wurden dafür drei zentrale Anforderungen formuliert.

• Frontend: regelmäßige Änderungen in Personalstrukturen (z. B. Neueinstellung, Beförderung, Projektteams) benutzerfreundlich und transparent an neue Gegebenheiten anpassen.

• Backend: Personalstrukturen übereinander abbilden, um einen Gesamtüberblick oder neue Perspektiven auf Daten zu erhalten sowie neue Zusammenhänge aufzudecken.

• Bei Strukturänderungen im Unternehmen die Datenintegrität und -qualität beizubehalten, das heißt entsprechende Funktionen und Informationen direkt mit dem entsprechenden Datensatz zu verknüpfen.

Flexible Anpassungen im Datenmodell

Um diese Anforderungen zu erfüllen, nutzt Daimler für seine HR-Plattform die Graphdatenbank "Neo4j". In der neuen Anwendung "StructureCube" sind die Sparten "Cars", "Vans" und "Trucks" als sogenannte Top-Knoten im Graphen abgelegt. Jeder Sparte sind Unterberichte, Zwischensummen und Berichtselemente angefügt. So entsteht ein komplexes Netzwerk an Daten und Datenbeziehungen, das sich dennoch navigieren lässt und in Echtzeit genaue Einblicke über Zusammenhänge liefert, wie zum Beispiel die Teamzugehörigkeit.

Anwender können sich im Graphen von Knoten zu Knoten fortbewegen und das Hierarchienetzwerk schnell traversieren. So lassen sich für jeden Mitarbeiter Sparten, Standorte und Positionen rasch abfragen. Eine Breadcrumb Navigation erleichtert zudem die Orientierung im Graphen, so dass Anwender einfach zum Ausgangspunkt (zum Beispiel Projekt, Sparte, Team) zurückkehren können.

Die Knoten lassen sich bei einer Umstrukturierung des Unternehmens leicht verschieben und neuausrichten, ohne das gesamte Datenmodell ändern zu müssen und ohne Einbußen für Datenintegrität und -qualität. Datenzweige (zum Beispiel Teams oder Abteilungen) wie auch einzelne Knoten (Mitarbeiter) können in einer Taskleiste zur weiteren Bearbeitung aufgenommen oder in ein persönliches Clipboard abgelegt werden, um sie an eine andere Stelle zu verschieben.

Knoten-Level variierbar

Die Graphdatenbank ermöglicht HR-Mitarbeitern bei Daimler einen tieferen Einblick in die unterschiedlichen Strukturebenen. Oftmals werden interessante Aspekte erst durch die Analyse von Beziehungen auf zweiter und dritter Ebene sichtbar. Im Graphen können Anwender über das Knoten-Level tiefer in die Datenstruktur einsteigen und so neue Einblicke in Datenbeziehungen erhalten, die auf den ersten Blick nicht offensichtlich sind.

Die Daimler Neo4j-Anwendung ermöglicht es, bis zu drei Knotenebenen unterhalb vom Level-1-Knoten abzufragen. Vereinfacht ausgedrückt: So kann beispielsweise der Vorgesetzte des Vorgesetzten sowie dessen Vorgesetzter ermittelt werden. Über Filter können diese Ergebnisse wiederum auf die relevanten Informationen reduziert werden, um schnellstmöglich den gewünschten Ansprechpartner zu finden.

Die StructureCube ist die erste Applikation bei Daimler die auf Neo4j basiert. Weitere ergänzende Funktionen sind geplant, um zum Beispiel HR-Strukturen mithilfe von Split-Screens zu vergleichen.

Graphbasiertes Identity - und Access Management

Dabei beschränkt sich der Einsatz von Graphtechnologie in Unternehmen längst nicht nur auf HRM. Graphbasierende Systeme finden sich unter anderem beim Stammdatenmanagement, in Content-Management-Systemen oder Knowledge-Graphen. Im Identity und Access Management (IAM) ermöglichen Graphdatenbanken, die Benutzerrechte jedes einzelnen Mitarbeiters in Echtzeit abzurufen und nur berechtigten Mitarbeitern unmittelbar Zugriff auf die Informationen zu erlauben. Herkömmliche Methoden, wie zeitintensive Cache-Berechtigungen, erübrigen sich. So kann die Datenregulierung flexible gemanagt und sensible Informationen anhand des effektiven Identifizierungsprozesses nachhaltig geschützt werden.

Gerade diese Agilität von IAM-Konzepten rückt für Unternehmen immer stärker in den Mittelpunkt. Flexible Arbeitsmodelle und Home Office erfordern Fernzugriff auf Unternehmensressourcen, wobei der Zugang über Cloud, Smartphone & Co. die Messlatte für Sicherheit und Datenschutz deutlich höher legen. Zunehmend dynamischere Unternehmensstrukturen und flache Hierarchien verschärfen die Situation, insbesondere da die Vergabe von Berechtigungen nicht länger nur von der Position eines Mitarbeiters, sondern vielmehr von seiner spezifischen Rolle in einem Projekt abhängt.

Gleichzeitig führen Unternehmen in immer kürzeren Abständen neue Softwarelösungen für unterschiedliche Business-Prozesse ein. Dabei gilt als Voraussetzung, sich überschneidende Berechtigungsregeln systemübergreifend zu verwalten und zum Beispiel regelkonforme Zugriffe von Sonderfällen zu unterscheiden. Wer hier Berechtigungskonzepte schnell, flexibel und einfach anpassen und erweitern kann, beschleunigt Workflows und erhöht die Sicherheit.