Keine Talente, keine Weiterbildung

Schneckentempo bei der digitalen Transformation

31.01.2022
Von 
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Die digitale Transformation stockt einerseits aufgrund des Mangels an Digital-Talenten, andererseits beklagen Mitarbeiter das Weiterbildungsengagement ihrer Arbeitgeber.
Digital-Talente sind ein rares Gut.
Digital-Talente sind ein rares Gut.
Foto: eamesBot - shutterstock.com

Unternehmen fehlt aufgrund von Einstellungsschwierigkeiten neuer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die Möglichkeit, jene Talente zu erreichen, die sie für die Umsetzung digitaler Initiativen benötigen, so das Ergebnis einer Umfrage des Marktforschungsunternehmen Ipsos im Auftrag des Portals Udacity. Dafür wurden rund 2.000 Führungskräfte und mehr als 4.000 Mitarbeiter in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA befragt und diese Ergebnisse im Talent Transformation Global Impact Report veröffentlicht.

"Unternehmen können ihre Ziele nicht erreichen, weil es vielen Mitarbeitern an den nötigen digitalen Fähigkeiten mangelt", sagt Gabe Dalporto, CEO von Udacity. "Auf der anderen Seite wollen die Mitarbeiter ihre Weiterbildung nicht einfach nur hinter sich bringen, sondern wirklich lernen und verstehen." Arbeitgeber und Mitarbeiter seien sich der Notwendigkeit von Fortbildungsinitiativen einig, doch leider greifen die derzeitigen Lern- und Entwicklungsinitiativen zu kurz.

Die Studie kommt zu folgenden Kernergebnissen:

  • Die digitale Transformation gerät ins Stocken, weil es an arbeitsfähigen Digital-Talenten mangelt. 59 Prozent der Arbeitgeber gaben nämlich an, dass der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern mittelgroße oder große Auswirkungen auf ihr Unternehmen hat; in Deutschland liegt dieser Anteil sogar noch etwas höher als in den USA und Großbritannien. Darüber hinaus gaben 50 Prozent der Arbeitgeber an, dass Initiativen zur digitalen Transformation aufgrund mangelnder Akzeptanz oder mangelnden Engagements der Mitarbeiter gebremst würden. Dazu passt eine weitere Zahl: So gaben 44 Prozent der befragten Arbeitgeber an, dass die Mitarbeiterfluktuation das Erreichen der Unternehmensziele behindert.

  • Arbeitgeber haben falsche Vorstellungen über die Effektivität der bestehenden Lern- und Entwicklungsprogramme. Und es gibt eine Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung der Unternehmen und ihrer Beschäftigten hinsichtlich der Effektivität der Trainingsangebote. Von den Arbeitgebern stufte die Mehrheit (80 Prozent) diese zumindest als mäßig erfolgreich ein. Von den Arbeitnehmern, die Zugang zu Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten haben, gab hingegen weniger als die Hälfte an, dass sie mit den erhaltenen Weiterbildungen vollkommen oder sehr zufrieden sind (45 Prozent).

  • Jüngere Beschäftigte erwarten von ihren Arbeitgebern, dass sie für Initiativen zur Talentförderung bezahlen. In allen befragten Ländern ist eine Mehrheit der jungen Menschen zwischen 18 und 49 Jahren der Meinung, dass ihre Arbeitgeber in ihre Zukunft investieren sollten, indem sie Qualifizierungsmaßnahmen anbieten. Besonders in Deutschland hegen 69 Prozent der 18- bis 29-Jährigen diese Erwartungen.

Udacity und Ipsos haben zwischen dem 29. August und dem 26. September 2021 zwei Online-Umfragen durchgeführt. Die beiden Umfragen wurden definiert als:

  • eine Stichprobe aus 2.008 erwerbstätigen Erwachsenen, die in Führungspositionen oder höher arbeiten. Die Befragten stammen über verschiedene Branchen hinweg aus den USA (502), Großbritannien (502), Frankreich (502) und Deutschland (502).

  • eine Stichprobe von 4.006 Erwachsenen der Allgemeinbevölkerung ab 18 Jahren - mit national repräsentativen Unterstichproben in den USA (1.002), Großbritannien (1.004), Frankreich (1.000) und Deutschland (1.000).

Den vollständigen Bericht auf Englisch finden Sie hier.