Rhetorik 2.0

Präsentieren mit dem iPad

15.03.2012
Von Evelyn Keßler
Wer mit Tablets referiert und präsentiert, findet bei vielen Zuhörern besser Gehör. Dessen ist sich Rhetoriktrainer Peter Flume sicher. Er hat die wichtigsten Tipps und Apps für Referenten mit iPad und Co. zusammengestellt.
Peter Flume, Rhetoriktrainer: "Tablet-Anwendungen bei Vorträgen sind sehr hilfreich - aber der Inhalt muß auch stimmen."
Peter Flume, Rhetoriktrainer: "Tablet-Anwendungen bei Vorträgen sind sehr hilfreich - aber der Inhalt muß auch stimmen."
Foto: Privat

"Sie halten auch bei komplexen Themen oder als siebter Redner viel leichter Kontakt zu Ihren Zuhörern, wenn Sie sich frei im Raum bewegen," impft der Nürtinger Rhetoriktrainer Peter Flume häufig Rednern ein. In seinen Seminaren verbietet der 46-Jährige seinen Zuhörern regelrecht, ständig zum Laptop zu laufen, um die Folienabfolge zu kontrollieren oder den Zuhörern gar den Rücken zuzuwenden, damit sie die gerade projizierte Folie sehen. Statt dessen genüge ein kurzer Blick auf Smartphone oder Tablet, um zu sehen, welche Folie als nächstes kommt. Dieser kleine Vorsprung verschaffe dem Redner Sicherheit. Mehr noch: Der Einsatz der modernen Technik erhöht die Wirkungskompetenz des Referenten als avantgardistisch und progressiv.

Und wer nicht so gewandt in der Technik ist, dem sei gesagt, die Tablet-Rechner im Magazin-Format werden mit Betriebssystemen für Smartphones betrieben. Egal ob sie mit Apples iOS, Googles Android oder Windows laufen - mit Apps können sie zu wahren Präsentations-Tausendsassas aufgerüstet werden, die noch mehr ermöglichen als ungebundenes Vortragen. Flume gibt folgende Tipps:

Ihre Meinung ist gefragt!

Vorbereitete Folien flexibel steuern: Präsentationen kommen besser an, wenn Sie auf die Bedürfnisse der Zuhörer eingehen. Allerdings setzt das einen flexiblen Umgang mit den vorbereiteten Folien voraus. So lassen sich mit der App i-Clickr PowerPoint Remote (iOS, Android, Windows mobile phone) sowohl PowerPoint als auch Keynote auf einem Windows Laptop oder MacBook fernsteuern. Dabei sieht der Referent seine Foliennotizen, so dass er Zugriff auf zusätzliche Informationen hat, die er für Rückfragen des Publikums möglicherweise benötigt, aber nicht auf die Folie bringen wollte. Schließlich ermöglicht es die App, mit einem Fingerstreichen eine Übersicht über alle Folien auf das Tablet zu holen, und einzelne gezielt anzuwählen.

Die App erlaubt, die Folien so zu organisieren und zu kontrollieren, dass der Referent den roten Faden seiner Präsentation beibehält, aber weniger wichtige Folien überspringt, während er andere gezielt vorzieht und so dem Verlauf der Veranstaltung entsprechend auf seine Zuhörer eingeht. Das Publikum merkt nichts davon, dass der Redner Folien überspringt - anders als wenn er Schritt für Schritt durch Folien klickt, womöglich noch mit dem Hinweis "diese Folie überspringe ich jetzt."

Die direkte Verbindung von ipad und Beamer ermöglicht interessante non-lineare Präsentationen.
Die direkte Verbindung von ipad und Beamer ermöglicht interessante non-lineare Präsentationen.
Foto: Peter Flume

Mit unterschiedlichen Medien nonlinear präsentieren: Neben der Fernsteuerung von Präsentationen, die auf einem Notebook laufen, kann das iPad direkt mit dem Beamer verbunden werden. Daraus ergibt sich eine interessante Möglichkeit, non-linear zu präsentieren. Die derzeit nur für das iPad erhältliche App nonlinear erlaubt es dem Redner, verschiedene Medien wie Film, Foto, PDF-Dokumente, PowerPoint oder Keynote-Folien sowie Websites zu laden, wie auf einem Leuchttisch zu sortieren und - je nach Bedarf - das passende Medium abzurufen. Somit integriert der Vortragende unterschiedlichste Medienwelten, sein Beitrag wird bunter und leichter hör- und verstehbar.

Teleprompter zum Spicken: Ablesen statt auswendig lernen. Ein Teleprompter erleichert Rednern die Arbeit und verschafft Sicherheit. Teleprompter oder Easy Prompter unterstützen Redner mit einem Android-Tablet, Telepromt+ oder Prompter Pal Präsentationen mit dem iPad. "Ein Prompter erleichtert Reden deutlich, da der Sprecher bei guter Platzierung des Telepromters seinen Text ablesen kann und dennoch Kontakt mit seinem Publikum hält. Er ist aber kein Allheilmittel", schärft Flume ein. Bevor man ihn einsetzt, sollte man mit dem Prompter üben, um heraus zu bekommen, mit welcher Schriftgröße und welcher automatischen Scrollgeschwindigkeit man persönlich zurechtkommt. Wer an alles denkt, wählt eine Software aus, die eine externe Fernsteuerung des Teleprompters zulässt. So kann bei Teleprompt+ das iPad als Teleprompter eingesetzt werden und das iPhone als Fernsteuerung. Bei einer Zwischenfrage des Publikums lässt sich das automatische Scrolling einfach anhalten.

Tablet statt Flip-Chart oder Whiteboard: Die Möglichkeit, handschriftliche Notizen zu machen, ist ein Merkmal von Tablets. Apps helfen dabei, diese per Beamer an die Wand zu werfen - das spart das Flip-Chart. Dabei haben die Referenten die Möglichkeit, auf unterschiedliche Farben zurückzugreifen. "Ihnen wird dabei niemals die Farbe ausgehen, wie dies bei klassischen Flip-Chart-Markern häufig der Fall ist", merkt Flume an. Außerdem lassen sich Aufzeichnungen speichern, abrufen und ausdrucken. Die Investition in teure Technik ist überflüssig. Referenten benötigen nur Beamer und Tablet. Eine App hierfür ist etwa Jot! Whiteboard in Verbindung mit dem Notebook oder Wifi Wireless Whiteboard for iPad.

Beim Vortrag die Zeit managen: Die einfachste und häufigste technische Anwendung ist die Uhr. Ist die passende App auf dem Tablet gestartet, liefert sie dem Referenten stets einen Überblick über die noch verbleibende Redezeit. Der Discourse - Redezeitmanager (iOS) oder Speaker Timer (Android) unterstützen den Redner auch farblich über seine verbleibende Redezeit.

Das Tablet oder Smartphone ersetzt Karteikarten: Eine ganz simple Anwendung für Redner sind Apps, die Karteikarten simulieren wie Flash Cards Study Helper (Android) oder Cue Cards (iOS). Anstelle von handgeschriebenen und somit oft unlesbaren Karteikarten tippt der Redner sein Manuskript und überträgt es aufs Smartphone. Dieses kann er nun wie eine Karteikarte verwenden, der Kartenwechsel erfolgt mit Wischgesten.

Flumes Fazit: So hilfreich Tablet-Anwendungen beim Vortragen sind - sie ersparen dem Referenten nicht, sein Kommunikationsziel festzulegen, Fakten und Argumente zu recherchieren und gewisse sprachliche und körpersprachliche Show-Effekte einzubauen, die seine Zuhörer bei Laune halten oder gar begeistern. Denn ohne Inhalt taugt die beste Technik nichts. "Künftig werden Zuhörer häufiger Redner erleben, die mit Smartphone oder Tablet präsentieren. Dennoch, nur die Technik alleine macht noch keinen guten Redner", stellt Kommunikationsspezialist Flume klar.