Neue Version

Nach der Akku-Panne: Ältere iPhones brauchen iOS Light

Kommentar  25.01.2018
Von Halyna Kubiv
Der Fortschritt kann auch seine dunklen Seiten haben: Ältere Generationen bleiben benachteiligt.

Mittlerweile haben sich die Wellen um die Akku-Panne in den iPhones ab der sechsten Generation gelegt: Apple hat eine Entschuldigung veröffentlicht, was die erste öffentliche Entschuldigung seit dem misslungenen Karten-Update im Jahr 2012 war. Gleich danach gab es weltweite Rabatte auf den Batterie-Tausch, bis Ende 2018 kostet ein neuer Akku inklusive Einbau 29 Euro. Und heute bringt Apple eine Vorschau auf iOS 11.3 – die neue Version wird eine Akku-Verwaltung bringen und den Nutzer benachrichtigen, wenn der Akku gewartet werden soll. Alles gut also?

iPhone 6 ist das bestverkaufte Smartphone nach zehn Monaten in Folge.
iPhone 6 ist das bestverkaufte Smartphone nach zehn Monaten in Folge.
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Nun, es ist zwar völlig richtig, dass Lithium-Ionen-Akkus altern. Dabei lässt ihre Fähigkeit nach, ganz schnell viel Energie zu liefern, wenn CPU und folglich das System sie benötigen. Wenn eine solche (alte, kalte oder niedrig geladene) Batterie Strom für komplexe Prozesse liefern soll, fällt dabei die Spannung. Eine Mindestspannung wird jedoch für die Basis-Komponente des iPhones wie Speicher, Stromkreise und Batterie selbst benötigt.

Nicht nur der Akku ist das Problem

Damit sie nicht beschädigt werden, schaltet sich das System vorsichtshalber ab, wenn es merkt, dass die Mindestspannung auf ein gefährlich niedriges Niveau fällt. So weit, so kompliziert. Dieser Ausflug in die technischen Support-Dokumente von Apple ist jedoch notwendig um zu verstehen, dass nicht nur der Akku ein Problem ist, sondern auch das Betriebssystem selbst, also iOS. Denn für irgendetwas wird ja die Akku-Energie ja benötigt...

Hier muss man beachten, dass die AX-Chips von Apple einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht haben. Nicht umsonst hat Phil Schiller auf der Bühne des Steve Jobs Theater im September 2017 betont, der A11 Bionic Chip erreiche bereits das Leistungs-Niveau eines Laptops, unabhängige Benchmarks, auch unser Test, bestätigen dies. Logischerweise wollen die Software-Entwickler bei Apple diese Möglichkeiten komplett ausschöpfen, so ist ARKit für erweiterte Realität entstanden, unterschiedliche Prozesse laufen im Hintergrund und liefern Daten für bessere Fotosuche, smarte Emoji-Vorschläge, Gesichtserkennung und vieles mehr.

Dabei aber wird offensichtlich, das ein leistungsfähiges System für leistungsfähige Chips sich nicht so richtig mit älteren Chips bzw. Geräten verträgt. In unserem Vergleichsvideo wollten wir herausfinden, wie schnell das gleiche iOS auf unterschiedlichen Geräten ist. Für sechs identische Aufgaben braucht ein iPhone 6 33 Sekunden, ein iPhone SE rund 28 Sekunden, ein iPhone X rund 20 Sekunden.

Zwar ist das Ergebnis wenig verwunderlich, hat doch das iPhone 6 mit dem A8 Chip zwei Kerne mit der Taktung von 1,4 GHz und ein Gigabyte Arbeisspeicher, ein iPhone SE dagegen – A9 Chip mit zwei Kernen und der 1,85 GHz Taktung und zwei Gigabyte Arbeitsspeicher, ein iPhone X – A11 Bionic mit sechs Kernen, bis zu 2,39 GHz Taktung und 3 GB RAM. Hier wird aber deutlich, dass sich das aktuelle iOS selbst bei Grundaufgaben wie Webseiten-Rendern eher an neueren Geräten orientiert.

Wenn die Vorgängergenerationen aus den letzten Jahren unterstützt werden, geschieht dies wohl eher nebenbei. Hier geraten die Nutzer von einem iPhone 6 oder gar 5 in die Zwickmühle: Abgesehen vom Akku und zufälligen Beschädigungen sind Apple-Geräte im Vergleich besonders langlebig, unser Redaktions-iPad der ersten Generation funktioniert wie am ersten Tag, allerdings mit iOS 5, unser erstes iPhone 4 ist an einen Familienmitglied verschenkt worden und bis jetzt im Gebrauch, das iPad Mini der zweiten Generation erledigt seit vier Jahren fleißig seine Dienste. Auch bei uns auf der Seite sind rund 15 Prozent der mobilen Nutzer mit älteren Geräten unterwegs.

Und je größere Schritte Apple in Sachen Chip-Entwicklung macht, desto mehr Spuren hinterlässt dies am iOS: Opulente Features wie Animoji sind definitiv lustig, kommen aber nur den iPhone-X-Inhabern zu Nutze. Es gibt aber genau so viele, wenn nicht mehr Inhaber älterer Geräte, die von Apples Entwicklern eher stiefmütterlich behandelt werden.

Hier wäre Mut zur Lücke angebracht – Warum also nicht als Grundlage für alle Geräte ein Kern-iOS entwickeln, ausgiebig auf allen Geräten testen und dann auf Grund dessen neue Funktionen hinzufügen? Apple hat iOS bereits in eine iPhone- und eine iPad-Variante aufgesplittet. Der nächste logische Schritt ist nicht weit entfernt – eine Art iOS Light mit gestopften Sicherheitslücken, zuverlässigem Browser, Mail-Client und Messenger und auf allen Geräten funktionsfähig, alles weitere kommt quasi "on top" und nur für die Geräte, deren Hardware dies auch bewältigen kann. (Macwelt)