Evolution ja, Revolution nein

LTE – die Zukunft des Mobilfunks?

12.11.2009
Von 


Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.

Ein reines Carrier-Thema

"Bei LTE handelt es sich um ein reines Carrier-Thema" Klaus von den Hoff, TK-Experte bei der Strategieberatung Arthur D. Little..
"Bei LTE handelt es sich um ein reines Carrier-Thema" Klaus von den Hoff, TK-Experte bei der Strategieberatung Arthur D. Little..

Doch während das Thema von den Marketing-Abteilungen der Anbieter heiß gekocht wird, mahnen erste Branchenexperten zur Besonnenheit. "Ein Punkt muss klar sein", warnt Klaus von den Hoff, TK-Experte bei der Strategieberatung Arthur D. Little. "Bei LTE handelt es sich um ein reines Carrier-Thema. Grundsätzlich neue Dienste werden wir durch LTE nicht sehen. Es geht um mehr Kapazität, höhere Breitbandgeschwindigkeiten, bessere Funkabdeckung in Gebäuden und das zu günstigeren Kosten."

Die Notwendigkeit dafür liegt auf der Hand: Die zunehmende Nutzung von Smartphones, Netbooks und PCs mit Datenkarten sowie die zahlreichen Digital Natives, die von unterwegs bloggen oder Bilder und Videos ins Netz stellen, haben dazu geführt, dass der mobile Traffic insbesondere in den Ballungsgebieten explodiert. Die Netzbetreiber fürchten bereits, dass die Kapazitätsgrenzen ihrer HSDPA-Netze spätestens im Jahr 2012 erreicht sind. Schon jetzt registriere Vodafone Deutschland pro Woche über 300 Terabyte Traffic in seinem 3G-Netz, berichtet von den Hoff. Angesichts der vielen Ankündigungen neuer Geräte und Anwendungen werde die Datenmenge weiter stark zunehmen.

Das Ausreizen der bestehenden Technik, im Carrier-Deutsch "Sweating the assets" genannt, dürfte nur begrenzt helfen, den drohenden Netzkollaps abzuwenden. Möglichkeiten, diesen hinauszuzögern, wären

  • eine Priorisierung bestimmter Traffic-Ströme gegen Aufpreis, was zur Förderung einer "Netzelite" führen würde;

  • das Aufstellen von Femtocells in Ballungsgebieten;

  • die zusätzliche Nutzung des 900-Megahertz-Bands für 3/4G (Refarming).

Aber auch mit der Migration auf die bereits verfügbare Technik HSPA+ (Evolved HSPA) mit einer theoretischen Bandbreite von bis zu 28,8 Mbit/s, wie sie O2 Deutschland noch in diesem Jahr vornimmt, verschaffen sich die Netzbetreiber nur mittelfristig Luft. Trotz des deutlich gestiegenen Durchsatzes wird die Netzkapazität lediglich um 20 Prozent erhöht. Hinzu kommt, dass dem Provider hier kein Software-Update beim Mobilfunksender genügt, sondern neue Hardware angeschafft werden muss. Längerfristig fahren die Netzbetreiber mit LTE besser, da die Technik mehr Bandbreite ermöglicht und die bereitgestellten Kapazitäten besser ausnutzt. Damit ist ein preiswerterer Betrieb der Infrastruktur möglich.