PC & Peripherie

Laptop clever aufrüsten - so machen Sie es richtig

Stefan Schasche ist seit 15 Jahren im IT-Bereich als Redakteur, Projektleiter und Autor tätig und kennt sich mit aktueller Hardware ebenso aus wie mit Betriebssystemen oder digitalen Werbeformen. Als Blattmacher war er für verschiedene Zeitschriften aus dem IT-Bereich redaktionell verantwortlich und betreute in diesem Umfeld Autoren auf allen Kontinenten.
Schwerpunkte? Keine - er interessiert sich vielmehr für (fast) alles, was mit IT, PC, Smartphone und Elektronik zu tun hat. Dabei geht es aber meist nicht um die Technik nur um der Technik willen, vielmehr stehen Nutzen und sinnvolle Anwendung im Vordergrund.
Ältere Notebooks können nicht mit aktuellen Laptops mithalten: Schrottreif sind sie deswegen aber noch lange nicht. So bringen Sie sie mit wenig Geld wieder auf Vordermann.

So alle zwei bis drei Jahre brauchen Sie ein neues Notebook. Sagen die Hardware-Hersteller. Doch das gilt höchstens für Profi-Spieler, die immer den schnellsten und besten Rechner wollen, der gerade für Geld zu haben ist. Wenn Sie das Notebook eher für Office-Aufgaben, zum Surfen im Internet und zum Bearbeiten von Fotos einsetzen, benötigen Sie keinen Formel-1-Renner. Gönnen Sie Ihrem alten Notebook lieber eine Frischzellenkur!

So bringen Sie Ihren alten Laptop für kleines Geld in Form.
So bringen Sie Ihren alten Laptop für kleines Geld in Form.
Foto: Golubovy - shutterstock.com

Mit ein wenig Zeit und Geld bringen Sie nahezu jedes ältere Notebook garantiert in Top-Form. Wir zeigen, wie Sie mit wenigen Handgriffen schnellere Komponenten ins Notebook einbauen, wie Sie es reinigen und wie Sie bei der Akkulaufzeit alles aus Ihrem Laptop herausholen.

Bevor es losgeht: Das brauchen Sie zum Aufrüsten

Das Tool SIW liefert alle nötigen Infos zu Ihrem Notebook-Speicher. Die letzte Zeile zeigt die Latenzzeiten des Speichers bei der Taktrate 333 MHz an. Diese Ziffernfolge sollte auch der neue Speicherriegel tragen.
Das Tool SIW liefert alle nötigen Infos zu Ihrem Notebook-Speicher. Die letzte Zeile zeigt die Latenzzeiten des Speichers bei der Taktrate 333 MHz an. Diese Ziffernfolge sollte auch der neue Speicherriegel tragen.

Anleitungen zum Öffnen des Notebook-Gehäuses stehen häufig im Handbuch, auf der Webseite des Herstellers oder im Internet unter insidemylaptop.com oder repair4laptop.org . Zusätzlich lohnt eine Suche bei Youtube: Dort finden Sie zahllose Do-it-Yourself-Beschreibungen zum Öffnen von Notebook-Gehäusen. Grundsätzlich müssen Sie bei allen Aus- und Umbaumaßnahmen Netzstecker und Akku entfernen. Zudem sollten Sie ein Erdungsarmband tragen, um Beschädigungen der Elektronik zu vermeiden. Erdungsarmbänder sind für nur wenige Euro im Versandhandel erhältlich. Ansonsten brauchen Sie je nach Umbaumaßnahme noch einen kleinen normalen Schraubenzieher, zwei kleine Kreuzschlitzschraubenzieher unterschiedlicher Größe und in Sonderfällen noch einen Torx-Schraubenzieher. Außerdem sollten Sie wissen, welche Komponenten in Ihrem Notebook stecken: Das sagt Ihnen ebenfalls das Handbuch, der Windows-Geräte-Manager oder ein Tool wie etwa Aida oder SIW.

Schritt 1: SSD statt Festplatte

Machen wir es anhand eines günstigen Notebooks ganz konkret. Unser 15-Zoll-Gerät HP 250 G2 kostete vor zwei Jahren rund 300 Euro, das Arbeiten ist aber oft quälend langsam. Was also tun? Zum Ausrangieren wäre es zu schade, zumal ein neues Gerät in Kinderhänden immer ein Risiko darstellt. Doch lohnt es, noch Geld in den Rechner zu stecken, und wenn ja, wieviel und an welcher Stelle? In Frage kommen im Wesentlichen zwei Bauteile, nämlich Festplatte und Hauptspeicher: Das bringt am meisten.

Beginnen wir mit der Festplatte. Günstige SSDs mit 250 GByte Speicherplatz findet man auf Billiger.de schon ab 60 Euro. Der Aufwand für den Ausbau des alten und Wiedereinbau des neuen Datenträgers lässt sich nur konkret zum jeweiligen Notebook beantworten. In vielen Fällen genügt es, eine Klappe auf der Geräteunterseite zu öffnen, die mit einer oder mehreren Schrauben festgehalten ist. Ist das Kunststoffteil entfernt, wird die HDD sichtbar. Sie ist mit zwei oder vier Schrauben fixiert. Nachdem diese gelöst sind, zieht man den Datenträger vom SATA-Stecker ab und geht beim Anstecken und Einbauen der SSD in umgekehrter Reihenfolge vor - alles natürlich, nachdem der Rechner zuvor vom Stromnetz getrennt und der Akku herausgenommen wurde.

In unserem Fall ist es etwas komplizierter, weil unter der Bodenklappe nur der Hauptspeicher sitzt. Um die Festplatte zu erreichen, muss man den gesamten Notebookboden abschrauben und dann von oben die Tastatur abnehmen. Am einfachsten ist es, im Web oder auf Youtube nach Anleitungen für den eigenen PC zu suchen. Beim HP 250 G2 erklärt ein Video , wie man alle Schrauben und drei Kabel löst. Da kann man kaum etwas falsch machen, der rund 20-minütige Aus-und Einbau lohnt sich wirklich.

Sofern der Hersteller seiner SSD ein Programm zum Klonen des gesamten Datenträgers beilegt oder zum Download anbietet, verwenden Sie dieses. Ansonsten erledigt Minitool Partition Wizard Free das Gleiche, indem Sie dem Assistenten "Migrate OS to SSD/HD Wizard" folgen. Weil Sie beim Notebook intern nicht gleichzeitig den alten und den neuen Datenträger direkt anschließen können, benötigten Sie zum externen Anschließen noch einen USB-SATA-Adapter. Dieser kostet zwischen fünf und 20 Euro beispielsweise bei Ebay.

Eine Alternative zum Auswechseln der bisherigen HDD ist der zusätzliche SSD-Einbau über ein sogenanntes HDD-Caddy. Darunter versteht man einen Hardware-Adapter, der außen die Form und Abmessungen des eingesteckten optischen Laufwerks, innen aber einen SATA-Steckplatz für die SSD aufweist. Universelle SATA-SSD-Caddys gibt es im Internet schon ab fünf Euro , exakt zum jeweiligen Notebook passende kosten etwas mehr.

Schritt 2: Arbeitsspeicher erweitern

Der Geschwindigkeitsunterschied zwischen HDD und SSD in der Praxis ist wirklich bemerkenswert. Die zweite effiziente Komponente zum Beschleunigen des Notebooks ist der Hauptspeicher - vor allem, wenn bisher nur zwei GByte RAM verbaut sind. Ein 4-GByte-Riegel des verbreiteten Arbeitsspeichers DDR3 SO DIMM kostet aktuell rund 30 Euro. Neuer oder zusätzlicher RAM lässt sich in aller Regel binnen ein oder zwei Minuten ins Notebook einbauen: wieder die Klappe öffnen und dann nach dem Lösen der Haltespangen gegebenenfalls den bisherigen Speicherriegel herausnehmen und den neuen einsetzen. Das ist wirklich sehr einfach! Mit dem Programm Aida 32 (beziehungsweise Aida 64) prüfen Sie über "Motherboard -> Chipsatz", wieviel RAM Ihr Notebook maximal verträgt. Möglich sind meist mindestens acht GByte. Genaue Infos zur Art, Menge und Belegung des eingebauten Speichers liefert Rammon. Wichtig ist zudem, ob noch ein RAM-Speicherplatz frei ist oder ob der vorhandene Riegel gegen einen größeren ausgetauscht werden muss. Ist noch Platz da, zeigt Rammon den Eintrag "Not populated".

Zwar sorgt auch das Aufrüsten von vier auf acht GByte für mehr Speed, noch größer ist der Unterschied, wenn Sie von zwei auf vier (oder acht) GByte erweitern. Prüfen Sie über die Tastenkombination Win-Pause, ob Ihr Windows in der 32-oder der 64-Bit-Variante läuft. Für die Nutzung von vier oder mehr GByte sollten Sie ein 64-Bit-Windows verwenden. Die 32-Bit-Version kann nur gut drei GByte RAM adressieren. Für den Wechsel auf 64 Bit müssen Sie das Betriebssystem neu installieren; die 64-Bit-Version laden Sie über das Media Creation Tool, eine Neuaktivierung ist bei Windows 10 nicht erforderlich.

Remix OS: Android auf dem Desktop

Noch läuft das auf dem Android-x86 Project basierende Remix OS als Beta-Version. Das Desktop-Android lässt sich aber gefahrlos ausprobieren, weil man beim Booten zwischen Windows und der Alternative wechseln kann. Da Android die Hardware-Ressourcen weniger beansprucht als das Microsoft-Betriebssystem, eignet es sich gut für ältere oder leistungsschwache Rechner – egal, ob mit Touch-oder klassischer Maus-und Tastaturbedienung. Die Installation ist einfach, die Ersteinrichtung dauert ein paar Minuten, läuft aber automatisch. Die Oberfläche wirkt zunächst etwas ungewohnt, auch der Playstore fehlt noch in der ersten Beta-Version; er kann aber leicht nachinstalliert werden. Besitzer eines Smartphones auf Google-Basis kommen mit Remix OS schnell klar. Erstes Fazit: Eine interessante Alternative mit Potenzial.