Mitarbeiterunzufriedenheit

Jeder Zweite sieht im aktuellen Job keine Zukunft

01.09.2022
Von 
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Jeder zweite Beschäftigte in Deutschland sieht im aktuellen Unternehmen keine Zukunft für die eigene Karriere. In anderen Ländern sind die Mitarbeiter wesentlich zufriedener.
Überraschend viele Beschäftigte sind der Meinung, dass ihre Karrieremöglichkeiten im eigenen Unternehmen eher beschränkt sind.
Überraschend viele Beschäftigte sind der Meinung, dass ihre Karrieremöglichkeiten im eigenen Unternehmen eher beschränkt sind.
Foto: eamesBot - shutterstock.com

Weniger als die Hälfte der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Deutschland glaubt, dass sie ihr persönliches (49 Prozent) und karrieretechnisches (44 Prozent) Potenzial in ihrem Unternehmen ausschöpfen können. Hinzu kommt, dass nur 58 Prozent der Beschäftigten finden, dass sich das Unternehmen für ihr Wohlbefinden interessiert.

In Europa hingegen sind es durchschnittlich 68 Prozent und weltweit sogar 79 Prozent. Das gleiche Bild zeigt sich auch beim Thema Work-Life Balance, mit welcher nur 63 Prozent der deutsche Mitarbeiter zufrieden sind, jedoch 66 Prozent und 72 Prozent im europäischen und weltweiten Vergleich. Das geht aus der Benchmark-Datenbank von Mercer hervor, die sich auf die Erkenntnisse von fast 100.000 Beschäftigten aus über 80 Unternehmen in Deutschland, 1,3 Millionen aus über 170 Unternehmen in Europa und 7,7 Millionen aus über 600 Unternehmen weltweit, stützt.

Faktoren wie Wohlbefinden und Karriereaussichten beeinflussen das Mitarbeiterengagement enorm. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und der Vielzahl offener Stellen auf dem deutschen Arbeitsmarkt sollten Unternehmen daher diese Faktoren deutlich stärker in ihren Fokus rücken. "Mitarbeiterengagement ist eine Win-Win-Situation für Mitarbeiter und Arbeitgeber. Mitarbeitende wollen sich einbringen, weil sie sich für ihre Arbeit und den Erfolg des Unternehmens interessieren und auch Spaß bei der Arbeit haben wollen", erklärt Jens Ballendowitsch, Head of Employee Experience, Mercer DACH.

Kritik an deutschen Managern

Die Studiendaten deuten darauf hin, dass deutsche Unternehmen aus Sicht ihrer Mitarbeitenden weniger Veränderungen in Gang setzen, um zukünftig wettbewerbsfähig zu sein (57 Prozent) als im europäischen (61 Prozent) und weltweiten Vergleich (70 Prozent). Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Frage zur Effektivität des Managements: Nur 49 Prozent empfinden die Geschäftsleitung, also das Top-Management in deutschen Unternehmen, als effektiv - im Vergleich zu 54 Prozent in Europa und 64 Prozent weltweit.

Auffallend hoch wird der wertschätzende Umgang in deutschen Unternehmen eingestuft. 87 Prozent der Mitarbeiter berichten, dass ihre Führungskraft mit ihnen respektvoll umgeht und auf ihre Sorgen und Vorschläge eingeht. 84 Prozent der befragten Beschäftigten geben an, dass es in ihrem Arbeitsumfeld keine Belästigung oder Diskriminierung gibt, Personen mit verschiedenen Hintergründen erfolgreich sein können (80 Prozent) und alle Mitarbeiter fair behandelt werden, unabhängig etwa von Geschlecht, Alter und Hautfarbe (84 Prozent). "Nicht nur in Zeiten einer Pandemie und des Fachkräftemangels sollten Unternehmen ihre Mitarbeiter in den Fokus rücken, um auch in Zukunft als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben", so Ballendowitsch.

Im Rahmen von Mitarbeiterbefragungen erhebt Mercer regelmäßig Meinungen und Stimmungen von Mitarbeitern aus 15 Branchen, acht Regionen und 59 Ländern zu zahlreichen arbeitsbezogenen Aspekten und Themen. Die aktuellen Ergebnisse für Deutschland stammen von mehr als 100.000 Beschäftigten aus über 80 Unternehmen in Deutschland. Mercers normative Benchmarkdatenbank basiert auf einem Fünf-Jahres-Durchschnitt, das heißt, die hier zitierten Daten für das Jahr 2022 basieren auf dem Durchschnitt der Jahre 2017-2021.