Ivanti-Studie

Jeder fünfte Büroarbeiter ist ein Quiet Quitter

24.05.2023
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Florian Maier beschäftigt sich mit vielen Themen rund um Technologie und Management. Daneben betätigt er sich auch in sozialen Netzen.
Eine aktuelle Studie zeichnet ein verhängnisvolles Bild der schönen, neuen, hybriden Arbeitswelt. Ganz besonders aus deutscher Sicht.
Bürozwang und mangelnde Selbstbestimmung sorgen dafür, dass (nicht nur) in deutschen Büros die innere Leere Einzug hält.
Bürozwang und mangelnde Selbstbestimmung sorgen dafür, dass (nicht nur) in deutschen Büros die innere Leere Einzug hält.
Foto: Kjetil Kolbjornsrud - shutterstock.com

Wer hybrid arbeiten möchte, braucht dazu nicht nur die richtigen Tools, sondern auch die richtige Kultur und Führungskräfte mit entsprechendem Mindset. Wie die hybride Arbeitsrealität derzeit aussieht, hat der US-Softwareanbieter Ivanti im Rahmen seines "2023 Everywhere Work Report" untersucht. Dazu hat das Unternehmen weltweit 8.400 Büro- beziehungsweise Wissensarbeiter, IT-Experten und C-Level-Führungskräfte befragt - davon 1.300 in Deutschland.

Die Ergebnisse sind - besonders aus deutscher Perspektive - erschreckend und verdeutlichen, dass zwischen den Wünschen der Mitarbeiter (insbesondere der jüngeren) und den von den Arbeitgebern geschaffenen Realitäten eklatante Lücken klaffen:

  • 71 Prozent der hierzulande befragten Arbeitnehmer wünschen sich eine hybride Arbeitsumgebung, die sie selbstbestimmt wählen können.

  • Allerdings bekommen nur 46 Prozent der Befragten tatsächlich die Möglichkeit dazu, das umzusetzen.

  • 42 Prozent der deutschen Führungskräfte bestehen darauf, dass ihre Angestellten mindestens drei bis vier Tage im Büro anwesend sind.

"Vollzeit im Büro" ist für die Mehrheit der Befragten die ungeliebte Realität.
"Vollzeit im Büro" ist für die Mehrheit der Befragten die ungeliebte Realität.
Foto: Ivanti

Jeder zweite IT'ler hat schon aufgegeben

Dabei wirken sich Bürozwang und mangelnde Selbstbestimmung nicht unbedingt positiv auf die Angestellten aus - im Gegenteil: Die Einschränkungen durch die Arbeitgeber führen laut den Studienautoren zu Unzufriedenheit, Burnout und Quiet Quitting - insbesondere bei jüngeren Mitarbeitern. Weltweit bekennt sich demnach jeder dritte Wissensarbeiter unter 40 dazu, ein Quiet Quitter zu sein. Doch auch in deutschen Offices ist der Frust groß:

  • 19 Prozent - respektive jeder fünfte deutsche Büroangestellte - macht nur noch Dienst nach Vorschrift.

  • In deutschen IT-Abteilungen sind sogar bereits 60 Prozent der Befragten dem Quiet-Quitting-Trend verfallen.

  • 43 Prozent der Befragten geben "mangelnde Motivation" als wesentlichen Grund für ihre stille Kündigung an.

Auf dem Feld der Mitarbeitermotivation gibt es deutlichen Nachholbedarf.
Auf dem Feld der Mitarbeitermotivation gibt es deutlichen Nachholbedarf.
Foto: Ivanti

Das hat auch Auswirkungen auf die Geschäftsergebnisse:

  • 24 Prozent der deutschen Führungskräfte berichten nach der Rückkehr in die Büros von rückläufigen Umsätzen,

  • 22 Prozent von sinkenden Verkaufszahlen und

  • 17 Prozent von einer negativen Entwicklung beim Aktienkurs ihres Unternehmens.

"Wenn es um die Gestaltung des Arbeitsplatzes geht, riskieren Führungskräfte, die keine Flexibilität anbieten, dass ihr Team weniger engagiert und produktiv arbeitet", kommentiert Alexander Neff, Vice President EMEA Central von Ivanti, die Ergebnisse. Er fügt hinzu: "Die besten Fachkräfte zu gewinnen und zu halten, hat für alle Führungskräfte oberste Priorität. Tatsächlich werden Unternehmen, die eine 'Everywhere Work'-Mentalität mit entsprechendem Tech-Stack leben und fördern, nachhaltige Wettbewerbsvorteile realisieren. Die Art, wie und wo Mitarbeiter ihre Arbeit erledigen wollen, hat sich grundlegend verändert, und es ist für Führungskräfte unerlässlich, kulturelle und technische Barrieren zu überwinden, um das zu ermöglichen."

Das scheint deutschen Führungskräften laut der Studie allerdings besonders schwer zu fallen: So empfindet jeder fünfte (23 Prozent) befragte deutsche Manager Hybrid Work als "No-Go".