Die Zukunft liegt in unseren Daten

Internet of Things - die Welt wird digital

02.08.2019
Von   
Matthias Schorer ist Lead Business Development Manager IoT EMEA beim Virtualisierungs- und Cloud-Anbieter VMware.
Verbraucher erhoffen sich durch neue Technologien wie dem Internet der Dinge bessere Karrierechancen, allerdings wissen fast die Hälfte nicht, was sich hinter neuen Technologien überhaupt verbirgt. Oft überwiegt die Angst vor Datenverlusten und Hackerangriffen, besonders wenn unsere Daten die Grundlage für IoT und neue Technologien wie Connected Cars und Smart Cities bilden.

Das Internet der Dinge (IoT) wird für Unternehmen immer relevanter – der Markt entwickelt sich rasant. Dadurch steigen allerdings auch die von Unternehmen produzierten Datenmengen enorm. Klassische physische Rechenzentren gelangen an ihre Grenzen – sowohl die Cloud als auch die Datenverarbeitung am Netzwerkrand beziehungsweise Edge wird immer wichtiger.

Während manche Menschen in der Digitalisierung eine Chance sehen, stehen andere den Entwicklungen skeptisch gegenüber.
Während manche Menschen in der Digitalisierung eine Chance sehen, stehen andere den Entwicklungen skeptisch gegenüber.
Foto: metamorworks - shutterstock.com

Trendthema IoT?

Laut einer aktuellen IDG-Studie halten 78 Prozent der Unternehmen das Internet der Dinge für wichtig bis sehr wichtig. Aber inwieweit nutzen Unternehmen IoT in der Praxis? Die Zahl der Unternehmen, die IoT-Projekte umgesetzt haben, hat sich im vergangenen Jahr verdoppelt. Das Unternehmen Lyreco beispielsweise, das Kunden mit Kaffeemaschinen und -kapseln beliefert, hat ein entsprechendes IoT-Projekt realisiert. Es ermöglicht dem Unternehmen, den Betrieb der Kaffeemaschinen und den Verbrauch der Kapseln in Echtzeit zu überwachen. Dadurch weiß das Unternehmen, zu welchem Zeitpunkt der Kunde mit weiteren Kapseln beliefert werden sollte und kann so schnellstmöglich reagieren.

Connected Cars für mehr Sicherheit im Straßenverkehr

Neben den IoT-Schwerpunktthemen Industrie 4.0, Logistik und Smart Home stehen unter anderem selbstfahrende Autos im Fokus. Autonome Fahrzeuge produzieren Unmengen an Daten, die über Sensoren miteinander „kommunizieren“. Neben der benötigten Hardware, also dem „Blech drumherum“, bildet die Software das Herzstück dieser Connected Cars. Die Software lernt – ähnlich wie der Mensch – bei jeder Fahrt dazu. Vorreiter ist hier das Unternehmen Tesla rund um Gründer Elon Musk. Das Ziel für alle zukünftigen autonomen Fahrzeuge muss sein, dass sie mithilfe von Schwarmintelligenz untereinander kommunizieren, sowie über Sensoren mit ihrer Umgebung, wie zum Beispiel Ampeln oder Baustellen.

Sensoren am Fahrzeug erfassen und analysieren schon heute die Wetter- und Lichtverhältnisse, Nässe, Schnee oder andere Umweltfaktoren und Eingriffe des Fahrers. Sie lernen also ständig dazu. Wenn eine Ampel rot ist, weiß das Auto, dass es abbremsen muss und kann so frühzeitig reagieren. Die Sensorik ist essenziell, aber erst durch die Interaktion mit der Umgebung werden alle Vorteile ausgeschöpft. Dadurch ergibt sich besonders für Einsatzfahrzeuge von Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst ein enormer Vorteil: Um schnellstmöglich und vor allem sicher ans Ziel zu kommen, kann das Fahrzeug anhand der Fahrstrecke die Ampeln entsprechend automatisiert und rechtzeitig auf grün umschalten. Je mehr Daten diese Fahrzeuge sammeln und untereinander austauschen, desto intelligenter wird das Gesamtsystem. Wären nur noch autonome Fahrzeuge im Straßenverkehr unterwegs, könnte die Unfallrate auf ein Minimum reduziert werden.

Um dies zu gewährleisten, müssen aber die Menschen der Technologie positiv gegenüberstehen und offen dafür sein. Entscheidende Faktoren sind hier Vertrauen, Transparenz und eine Nachvollziehbarkeit der Vorgänge, die die Interaktion der selbstfahrenden Autos mit der Umgebung betreffen. Die Menschen müssen Vertrauen in die Technik haben. Auf der anderen Seite muss die Technik nachvollziehbar sein, das heißt, jeder muss einsehen können, wer theoretisch den Verkehr zu seinen Gunsten „manipuliert“ hat. Dadurch soll es vor allem Hackern schwer gemacht werden, das System anzugreifen. Ideal dafür geeignet ist die Blockchain-Technologie, die als dezentrale Datenbank, die chronologisch und linear erweitert werden kann, große Datenmengen im IoT schützen kann. So kann Transparenz gewährleistet und das Vertrauen der Nutzer in IoT gestärkt werden.

Lesetipp: Cyber-Angriffe in der Automobilindustrie

Ein weiterer entscheidender Faktor bei selbstfahrenden Autos ist der Kontext und die Umgebung, in der sich das Auto befindet. Die Fahrzeuge müssen erfassen, wo sie sich befinden und sich flexibel an die dort geltenden Bestimmungen anpassen. Beispielsweise gelten in verschiedenen Regionen Europas immer noch unterschiedliche Verkehrsregeln, die das Fahrzeug kennen muss.
Nehmen wir als Beispiel den Kreisverkehr: In Österreich gilt rechts vor links. In Frankreich hingegen haben die Fahrzeuge, die in den Kreisverkehr einfahren wollen, Vorfahrt. In Deutschland, der Schweiz, Polen und Portugal hat der Verkehr im Kreisel Vorfahrt. Deshalb nützt es nichts, ein autonomes Fahrzeug nur im eigenen Land anzulernen. Es muss seine Informationen mit allen anderen Fahrzeugen austauschen – und zwar herstellerübergreifend.

Schnelles Netzwerk für schnelle Daten

Auch der neue Mobilfunkstandard 5G spielt im Rahmen des Internet der Dinge eine große Rolle. 5G bietet enorme Datenübertragungsraten und bildet so in Zukunft die Grundlage der Datenverarbeitung zwischen IoT-Devices. Der Technologiepionier Samsung beispielsweise plant, 22 Millionen Dollar in neue Technologien wie 5G, KI und IoT zu investieren. Auch Vodafone setzt auf den neuen Mobilfunkstandard und arbeitet daran, Düsseldorf und Frankfurt am Main zu den ersten Gigabit-Städten Deutschlands zu machen.

Industrial Internet of Things (IIoT)

Besonderer Fokus liegt laut Gartner auf dem Industrial Internet of Things (IIoT). Wir befinden uns derzeit in der Hochphase der digitalen Transformation. Reibungsverluste sollen abgebaut werden – Firmen werden zu superfluiden Unternehmen. Im Zentrum von IIoT steht die Optimierung der Unternehmensabläufe in den verschiedenen Geschäftsbereichen, um Wettbewerbsvorteile zu erreichen und die Effizienz zu steigern.

IIoT in Deutschland - eco und ADL
IIoT in Deutschland - eco und ADL
Foto: eco/ADL

Unternehmen haben allerdings oftmals Schwierigkeiten bei der Implementierung von IoT-Projekten – mögliche Hindernisse sind dabei unter anderem Sicherheitsbedenken, Komplexität und Heterogenität innerhalb der IT- und IoT-Infrastruktur sowie die Auswahl des Anbieters. Hier lohnt sich nicht nur ein Blick auf die vordergründig attraktiven Themen wie Schnelligkeit, gute Integration und einfache Bedienoberfläche, sondern auch vereinfachtes, zentrales Management der IoT-/Edge-Geräte. Wie wichtig dies ist, zeigt ein aktuelles Beispiel bei der NASA. Hier konnte ein Hacker über den Einplatinencomputer RaspberryPi mehr als 500 Megabyte an brisanten Daten vom Netz der NASA absaugen. Durch den unbedarften beziehungsweise ungemanagten Einsatz von IoT-Geräten kann es zu einem massiven Daten- und Kontrollverlust kommen.

Unwissenheit über neue Technologien

Wie relevant neue Technologien wie das Internet der Dinge aktuell für Verbraucher und Unternehmen sind, zeigt eine aktuelle Studie von VMware unter 2000 deutschen Verbrauchern. 38 Prozent der Befragten erhoffen sich durch neue Technologien bessere Karrierechancen. Trotzdem wissen viele Konsumenten – nämlich 42 Prozent – nicht, was genau sich hinter neuen Technologien wie IoT oder Blockchain verbirgt. Zudem sorgen sich Verbraucher um die Sicherheit: 66 Prozent der Befragten wissen nicht genau, wer auf persönliche Daten zugreifen kann. Besonders im Rahmen des Internet der Dinge und aufgrund der Vielfalt an Devices befürchten 59 Prozent, dass ihre Endgeräte überwacht und Aktivitäten aufgezeichnet werden.

Je nach Branche steigt die Unsicherheit über neue Technologien: Während die Verbraucher gerne bereit sind, über IoT Informationen zu bestimmten Produkten abzugreifen oder das Verkehrsaufkommen zu überwachen, schrecken sie vor Finanzangelegenheiten eher zurück. Nur sieben Prozent der Befragten würden ihrer Bank Daten zu finanziellen Ausgaben überlassen.

Smart Cities – wenn Städte digital werden

Auf Basis des Internet der Dinge sollen in Zukunft auch immer mehr Smart Cities entstehen – die Stadt Toronto in Kanada zeigt, wie es funktionieren kann. Der Stadtteil Quayside wird digital: Dank Wetteranalysen in Echtzeit können sich die Bewohner rechtzeitig auf sich ändernde Wetterbedingungen einstellen und so Energie sparen. Grundsätzlich spielt in Quayside Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle. Solche Smart Cities basieren – wie sollte es nicht anders sein – auf Daten. Diese spiegeln die Verhaltensweisen der Bewohner wider und ermöglichen es, den Stadtteil zu 100 Prozent auf deren Bedürfnisse auszurichten und dementsprechend zu optimieren.

Grundlage für solche Smart Cities ist nicht nur das Sammeln, sondern vor allem die Analyse der entsprechenden Daten. Nur dann können Unternehmen und Kunden vom Internet der Dinge profitierten und sich so auf dem Markt einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. In diesem Zusammenhang spielen Big Data Analytics und Künstliche Intelligenz eine große Rolle. Die Kommunikation der Komponenten untereinander erfordert eine Analyse der Daten in Echtzeit, sodass diese direkt miteinander kommunizieren können und auch voneinander lernen.

In Zukunft wird die Welt Daten-basiert sein. Nicht umsonst werden sie auch als das Erdöl der Zukunft bezeichnet. Daten bieten ein riesiges Potenzial, um uns Menschen das Leben so einfach und bequem wie möglich zu gestalten. Es ist essenziell, den Menschen die Angst vor der Weiterverwendung ihrer Daten zu nehmen.
Stattdessen sind Regierung und Unternehmen in der Pflicht, die Bevölkerung über Chancen und auch Risiken der Datennutzung aufzuklären. Sie müssen in der Lage sein, Vertrauen aufzubauen und den Einsatz neuer Technologien transparent aufzuzeigen. Somit bieten neue Technologien wie das Internet der Dinge umfassende Möglichkeiten, von denen sowohl Unternehmen als auch Verbraucher profitieren.