Wie Aconso rekrutiert

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22.08.2019
Von 
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Im Wettbewerb mit Konzernen und Startups um IT-Berater und Entwickler muss ein Mittelständler besonders kreativ sein – erst recht in München. Aconso-Vorstand Martin Grentzer hat für sein Unternehmen ein paar Antworten gefunden.

Martin Grentzer hat schon Vieles erlebt in den Vorstellungsgesprächen mit Bewerbern. Aber dass sich einer nach der Life-life-Balance erkundigt, hat den Vorstand des mittelständischen Softwarehauses Aconso dann doch im ersten Moment erstaunt. An die Forderung nach der Work-Life-Balance hatte er sich schon längst gewöhnt - so tickt sie halt, die Generation Y. Es stellte sich dann heraus, dass der Kandidat damit betonen wollte, dass die Arbeit unbedingt Spaß machen sollte, so dass es ihm nicht wichtig sei Beruf und Freizeit zu trennen, da es eh zusammenwachse.

Aconso-Geschäftsführer Martin Grentzer (rechts) erläutert CW-Redakteur Hans Königes seine Recruitingstrategie als mittelständisches Softwarehaus im Haifischbecken München.
Aconso-Geschäftsführer Martin Grentzer (rechts) erläutert CW-Redakteur Hans Königes seine Recruitingstrategie als mittelständisches Softwarehaus im Haifischbecken München.

Grentzer und seine Mitarbeiter entwickeln Software für Mitarbeiter, Führungskräfte und schließlich für Personaler, also kennt er sich in diesem Geschäft bestens aus, hat auch eine klare Meinung zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz im HR-(Human Resources-)Bereich. "Solange wir den Fachkräftemangel haben und keine Hunderte von Bewerbungen erhalten, wird sich KI bei der persönlichen Ansprache - also dem persönlichen Werben um den Kandidaten - im Bereich Recruiting nicht durchsetzen", ist der Münchner Manager überzeugt. Sehr wohl sieht er für KI gute Chancen in der Personalarbeit, wenn es um People Analytics geht -, dass ein Arbeitgeber also bestens darüber Bescheid wissen sollte, wen er in seinem Unternehmen beschäftigt, welche Mitarbeiter mit welchem Know-how er benötigt und wie man am besten die Fluktuation vorhersagen kann, um rechtzeitig gegensteuern zu können.

Um sich als Mittelständler mit rund 100 Mitarbeitern im Haifischbecken München zu behaupten, bedarf es kreativer Lösungen, wie Grentzer weiß. "Wir wachsen stark und könnten ruhig nochmals 20 Mitarbeiter mehr verkraften", berichtet er. Der Aconso-Vorstand setzt im Recruiting, also speziell in der Active-Sourcing-Arbeit, auf das persönliche Gespräch. Es sei sehr wohl ein Unterschied, wenn sich einfach nur das Unternehmen über einen Headhunter bei einem begehrten Kandidaten melde oder ein Mitarbeiter beziehungsweise der Aconso-Chef sein direktes Interesse an dieser Person zeige.

Gute Erfahrungen mit Recruiting-Veranstaltungen hat Grentzer mit dem Karrieretag der Familienunternehmen gemacht. Hier kämen die für ihn richtigen Bewerber, sprich die eher Bodenständigen, die wüssten, worauf sie sich in einem mittelständischen, Inhabergeführten Unternehmen einließen - keine Orientierung an großen Jobtiteln, wie in den Konzernen erwartet, aber auch nicht das extrem alternative Flair und die "Coolness" der Startups. Er hat schon einige Mitarbeiter aus Startups eingestellt, die sehr wohl in einer weniger großen Firma mit persönlicherem Umgang arbeiten wollten, die aber nicht die Chance und die Perspektive sahen, dass sich das kleine Unternehmen mal richtig gut entwickeln könne. Und weil man in München sowohl mit Dax-Konzernen aber auch mit den Googles und Microsofts dieser Welt um IT-Profis konkurriere, habe man ein zusätzliches Büros in Bielefeld und Berlin eröffnet - und das mit gutem Erfolg, wie Grentzer stolz erwähnt. In der Hauptstadt setze man dabei auf eine kreative Lösung, sprich, die Entwickler sind in einem Coworking-Space untergebracht, wo sie sich sehr wohl fühlten, weil sie das lockere Miteinander schätzen und auch in den Genuss von allen möglichen Services kämen wie Wäschedienst, Frisör, Feierabendbier und auch den Austausch mit anderen IT-Experten genießen.

Aconso Vorstand Martin Grentzer setzt im Recruiting auf das persönliche Gespräch. Es sei sehr wohl ein Unterschied, wenn sich einfach nur das Unternehmen über einen Headhunter bei einem begehrten Kandidaten melde oder ein Mitarbeiter beziehungsweise der Aconso-Chef sein direktes Interesse an dieser Person zeige.
Aconso Vorstand Martin Grentzer setzt im Recruiting auf das persönliche Gespräch. Es sei sehr wohl ein Unterschied, wenn sich einfach nur das Unternehmen über einen Headhunter bei einem begehrten Kandidaten melde oder ein Mitarbeiter beziehungsweise der Aconso-Chef sein direktes Interesse an dieser Person zeige.
Foto: Andrey_Popov - shutterstock.com

Und natürlich darf der Good-feel-Charakter auch an anderen Standorten nicht fehlen - das weiß Grentzer. Sprich, kostenloses Obst und Getränke, Fitness-Zuschuss, Massagen, Zuschuss zur Altersvorsorge, verschiedene Feierlichkeiten - Oktoberfest ist Pflicht, da man das Büro gleich in der Nachbarschaft hat - unkomplizierter und viel Kontakt der Belegschaft zur Führung - auch in institutionalisierten Veranstaltungen. So findet ab sofort jeden Donnerstag im Monat ein informelles Treffen der Belegschaft statt, um auch auf diese Weise den Kontakt zwischen Chefetage und Mitarbeiter zu beleben. Was in letzter Zeit sehr gut angekommen sei - das Jobfahrrad. In der Berliner Niederlassung und in München ist das der aktuelle Hit.