IBM steigt bei OpenOffice.org ein

10.09.2007
Nach Jahren der OpenOffice-Nutzung entschließt sich die IBM, aktiv zur Entwicklung der quelloffenen Büro-Suite beizutragen. Das Unternehmen spendet vorhandenen Code und beschäftigt 35 Programmierer, die zukünftig die Software um neue Funktionen erweitern sollen.

In der offiziellen Pressemitteilung kündigt die IBM ihren Beitritt zum OpenOffice.org-Projekt an und gibt bekannt, dass sie sowohl vorhandene Erweiterungen für das Office-Paket stiften als auch die zukünftige Entwicklung unterstützen werde. Die Aussendung schwelgt in der üblichen Marketing-Euphorie und zitiert eine Reihe von Beteiligten, die sich begeistert über das Engagement der IBM äußern. Dabei geht dem endlich vollzogenen Beitritt von Big Blue zu OpenOffice eine lange Auseinandersetzung mit Sun voraus.

Foto: OpenOffice

Die IBM nutzte die freien Office-Anwendungen seit Jahren in seiner mittlerweile eingestellten "Workplace"-Produktreihe und integrierte sie nun auch in Notes/Domino 8 – allerdings ohne auch nur den Namen OpenOffice zu verwenden. Die Rede war bis dato immer nur von den "Productivity Tools". Sun erboste an IBMs Vorgehen vor allem, dass die Armonker keinen Beitrag zur Entwicklung von OpenOffice leisteten und intern programmierte Erweiterungen nicht an das Projekt zurückgaben. Sun beschäftigt über hundert Programmierer für das Projekt, die vorwiegend am ehemaligen Firmensitz der übernommenen Star Division in Hamburg arbeiten.

Von neuen Funktionen abgeschnitten

Nach dem erfolglosen Drängen von Sun, dass sich die IBM an OpenOffice beteiligen möge, stellte das Projekt die Version 2.0 unter die restriktive GNU Public Licence (LGPL). Sie zwingt dazu, Erweiterungen von OpenOffice unter der gleichen Lizenz an das Projekt zurückzugeben. Die früheren Ausführungen unterlagen der relativ liberalen Sun Industry Standard Source License (SISSL), die IBMs Vorgehen erlaubte. Offiziell begründete Sun seine Maßnahme als Lizenzvereinfachung. Die meisten Beobachter gingen indes davon aus, dass sie sich gegen die IBM richtete.

Die in Lotus Notes 8 eingebetteten Productivity Tools beruhen auf einer alten Version von OpenOffice.
Die in Lotus Notes 8 eingebetteten Productivity Tools beruhen auf einer alten Version von OpenOffice.

Big Blue verharrte seitdem auf der Codebasis von OpenOffice 1.x, die sie um eigene Komponenten erweiterte. Außerdem integrieren die Armonker das Büro-Paket in das Eclipse-Client-Framework, auf dem sowohl Workplace als auch Notes 8 beruhen. Suns Simon Phipps sprach daher von einer IBM-spezifischen Abspaltung von OpenOffice. Das Unternehmen war aufgrund dieser Entscheidung allerdings von den Fortschritten des Open-Source-Projekts abgeschnitten, so dass es etwa die Dateifilter für das mit der Version 2.0 eingeführte Open Document Format (ODF) selbst entwickeln musste.

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