SOA in der Praxis

Hersteller lassen den Mittelstand im Stich

24.02.2009
Von 
Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.
Kleine und mittlere Unternehmen mit SOA-Ambitionen erhalten von den Anbietern zu wenig Unterstützung. Dabei könnten sie von dem Konzept nachhaltig profitieren, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Das Deutsche Institut für kleine und mittlere Unternehmen e.V. (DIKMU) stellt Softwareherstellern und Beratern im SOA-Markt ein schlechtes Zeugnis aus. Obwohl gerade auch der Mittelstand mit Service-orieontierten Architekturen (SOA) viele Probleme angehen könne, hielten sich die maßgeblichen Player mit brauchbaren Angeboten und Informationen vornehm zurück, bemängelt die Organisation in einer aktuellen Studie. Die Recherche habe gezeigt, dass die Angebote "noch recht allgemein, mitunter rudimentär und erweiterungsfähig" seien. Die Anbieter versuchten, Interessenten mit ihren Informationen nur "anzufüttern", um möglichst schnell ins persönliche Gespräch zu kommen. Trotzdem gelinge es ihnen oft nicht, die Vorteile einer SOA überzeugend darzulegen.

Auch die von etlichen SOA-Protagonisten offerierten Entscheidungshilfen und Tools kommen in der Untersuchung schlecht weg. So gäben verbreitete Maturity- oder Readiness-Tests eine Scheingenauigkeit und -kompetenz vor. Ebenso sei die Validität des RoI-Modells (RoI = Return on Investment) anzuzweifeln, wenn die Rentabilität von Investitionen nur anhand von einfachen Fragen bestimmt werden solle. Zudem sprächen die Anbieter in erster Linie größere Unternehmen und Fachpersonal an, setzten also technisches Fachwissen voraus, so die Autoren: "In diesem Sinne wird auch mehr das technisch Mögliche als das kaufmännisch Sinnvolle gepriesen." Beides - Fachwissen voraussetzen und die Technik preisen - sei aber ungeeignet, um Mittelständler von den Vorzügen der SOA zu überzeugen (siehe auch: Was vom SOA-Hype übrig bleibt).

Verbände helfen kaum weiter

Die diversen Branchen und Arbeitgeberverbände hülfen kleinen und mittleren Unternehmen kaum weiter, kritisieren die Interessenvertreter. Von den angesprochenen 36 Verbänden böten 25 keine Informationen zu SOA an. In den meisten Verbänden sei der Begriff SOA gar nicht bekannt. Nennenswerte Informationen und Hilfen offerieren demnach lediglich vier Organisationen. Zu ihnen zählen der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), der Arbeitgeberverband deutscher Immobilienwirtschaft (AGV) und der Gesamtverband der metallindustriellen Arbeitgeberverbände. Kaum überraschend werten die Studienautoren den Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) als aktivsten Verband in Sachen SOA.