Ratgeber Strukturierte Verkabelung

Flexibel dank fester Struktur

24.04.2009
Von 
Jürgen Hill ist Chefreporter Future Technologies. Thematisch befasst sich der studierte Diplom-Journalist und Informatiker derzeit mit aktuellen IT-Trendthemen wie KI, Quantencomputing, Digital Twins, IoT, Digitalisierung etc. Zudem verfügt er über einen langjährigen Background im Bereich Communications mit all seinen Facetten (TK, Mobile, LAN, WAN). 

Ein Netz für alles

Die Umsetzung dieses Stufenkonzepts ist begleitet von der Forderung nach einem universellen, hersteller-, dienst- und protokollneutralen Verkabelungssystem für alle Sprach- und Datendienste. Dieses System muss nicht nur zukunftssicher, sondern auch wartungsfreundlich und betriebssicher sein. Die strukturierte Verkabelung lässt dabei auf den einzelnen Ebenen unterschiedliche Kabelarten zu. So schlägt der EIA/TIA 568 Commercial Building Wiring Standard vier grundsätzliche Kabeltypen für den Tertiärbereich vor: Koaxial, Shielded Twisted Pair (STP), Unshielded Twisted Pair (UTP) und Glasfaser.

Neue Anwendungen stellen in puncto Bandbreite und Übertragungsqualität erhöhte Anforderungen an die Netze. Effizienz, Zuverlässigkeit und Flexibilität hängen dabei vor allem von der Qualität der Verkabelungsinfrastruktur ab, die mit der aktuellen Entwicklung der LAN-Technologie Schritt halten muss. Da die Installation eines Daten- und TK-Netzes im Unternehmen erhebliche Investitionen bedeutet, sollte bei der Auswahl der zugrunde liegenden Technik auf eine sehr langfristige Investitionssicherheit geachtet werden, denn ein Netz wird heute in der Regel für zehn bis 15 Jahre installiert, während die Endgeräte nach vier Jahren abgeschrieben sind. Deshalb sorgt die Frage, ob für die Anbindung der einzelnen Arbeitsplätze Kupfer- oder Glasfasertechnologie zum Einsatz kommen soll, immer wieder für Kontroversen.

Der primäre Bereich

Im Primärbereich, also der Vernetzung von Gebäuden untereinander, die oft auch als Campusvernetzung bezeichnet wird, hat sich die Glasfaser als De-facto Standard durchgesetzt. Für die optische Faser sprechen unter anderem ihr hohes Leistungspotenzial sowie ihre unproblematische elektromagnetische Verträglichkeit (EMV). Zudem hat die Vernetzung per Glasfaser einen nützlichen Nebeneffekt: die galvanische Trennung der Inhouse-Verkabelungen, so dass nicht für einen Potenzialausgleich zwischen den Gebäuden gesorgt werden muss.

In der Regel werden dabei Multimode-Fasern verwendet. Sind Entfernungen von mehr als 2000 Metern zu überbrücken oder auf einzelnen Strecken besonders hohe Datenmengen zu erwarten, empfehlen sich Singlemode-Fasern. Ferner hat sich in der Praxis folgende Faustregel bewährt: Um für künftige Anforderungen gerüstet zu sein, sollte eine 50-prozentige Reserve mitverlegt werden. Werden also zum Beispiel heute zehn Fasern benötigt, sind fünf weitere zusätzlich zu verlegen.