Ratgeber Strukturierte Verkabelung

Flexibel dank fester Struktur

24.04.2009
Von 
Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 

Geschirmt oder ungeschirmt

Um die Frage, ob geschirmte oder ungeschirmte Kabel zu verwenden sind, tobt ein Glaubenskrieg. Dabei sind die im Markt kursierenden Pro- und Kontra-Argumente mit Vorsicht zu genießen, denn Anbieter wie Telegärtner, Dätwyler oder Systimax argumentieren nicht ganz uneigennützig, um die Vorzüge ihrer jeweiligen Systemlösung zu unterstreichen. Unstrittig bietet eine geschirmte Verkabelung den besten Ab- und Einstrahlschutz, was angesichts der immer höheren Frequenzbereiche nicht zu unterschätzen ist.

Kabelarten

Kategorie

Frequenz

Einsatz

Cat 1

Bis 100 Kilohertz

Sprachübertragung per Telefon

Cat 2

Bis 1,5 Megahertz

Häufig ISDN-Hausverkabelung

Cat 3

16 Megahertz

10BaseT, 10-Mbit/s-Ethernet

Cat 4

20 Megahertz

Außerhalb der USA praktisch nicht verwendet, bis 20 Mbit/s

Cat 5

100 Megahertz

Für Fast und Gigabit Ethernet geeignet

Cat 5e

100 Megahertz

Kabel teilweise bis 350 MHz spezifiziert, genauer definiert als Cat 5, geeignet für Gigabit Ethernet

Cat 6

250 Megahertz

Multimedia- und ATM-Netze, geeignet für 10-Gigabit-Ethernet

Cat 7

600 Megahertz

10-Gigabit-Ethernet, die weit verbreiteten RJ-45Stecker erfüllen nicht die Cat-7-Anforderungen. Spezialstecker notwendig

Cat 8

1200 Megahertz

Unter anderem für ATM-Netze

Vor Störquellen schützen

Ebenso stimmt aber auch, dass eine ungeschirmte Verkabelung den heutigen Anforderungen genügt. Letztlich sollte der Anwender seine Entscheidung von der konkreten Situation vor Ort abhängig machen - stören Starkstromquellen, Elektromotoren oder andere hochfrequente Quellen? Des Weiteren sollte der Entscheider eine Binsenweisheit unter Praktikern berücksichtigen: "Eine schlampig ausgeführte Abschirmung ist störanfälliger als eine normale Verkabelung."

Um die eingangs angesprochene Flexibilität einer strukturierten Verkabelung zu realisieren, sind Patchpanels wichtig. In ihnen enden die Verlegekabel, die zu einzelnen Arbeitsplätzen oder Etagen führen. Auf der Frontseite können über klassische Ethernet-Ports die einzelnen Anschlüsse per Patchkabel mit Switches, Routern und anderen Geräten verbunden werden. Auf diese Weise muss etwa beim Umzug eines Mitarbeiters nur ein PatchKabel umgesteckt werden, und sein Arbeitsplatz ist wieder dem gleichen Netzsegment zugeordnet.

In ihrer klassischen Form sind Patchpanels passive Netzkomponenten ohne eigene Intelligenz. Ein Qualitätskriterium beim Kauf ist die Zahl der garantierten Steckvorgänge, denn beim Steckvorgang leiden die Kontakte. Einige Anbieter sind deshalb dazu übergegangen, hier eigene Steckverbindungen zu verwenden, um eine höhere Zahl an Umsteckvorgängen zu garantieren. Entscheidet sich ein Anwender für ein solches Panel, dann trifft er häufig eine Systementscheidung, da je nach Ausführung teilweise das gleiche System bis zur Dose am Arbeitsplatz gefordert wird. Ein anderer Ansatz sind Patchpanels mit eigener Intelligenz. Bei diesen Modellen muss nicht mehr vor Ort umgesteckt werden, sondern dies kann zentral aus der Ferne über eine Management-Konsole bewältigt werden. Allerdings steigt damit die Komplexität des Netzes, und der Anwender bekommt es anders als bei der rein mechanischen Variante mit einer neuen Fehlerquelle zu tun.