DSL: Die Formel 1 für den Internet-Zugang?

13.05.2002
Von 
Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - In nur zwei Jahren eroberte sich DSL seinen Platz als Synonym für Breitbanddienste zur Datenübertragung. Die verschiedenen DSL-Varianten scheinen Standleitungen oder Verfahren wie Frame Relay endgültig abzulösen.

"Schneller Surfen", "Mit Highspeed ins Internet": Kaum ein Stand der Netzwerkbranche, der auf der diesjährigen CeBIT nicht das Thema DSL (Digital Subscriber Line) aufgriff. Auslöser der DSL-Euphorie auf Seiten der Hardwarehersteller war die Telekom, die zum 1. Januar 2002 mit UR-2 einen nationalen Standard aus der Taufe hob, der die internationale Norm Annex B, diese spezifiziert die Realisierung von DSL über ISDN, ergänzt. Das Problem mit der bisherigen Annex-B-Spezifikation war, dass sie zu viele Spielräume für Interpretationen zuließ. In der Praxis hatte dies zur Konsequenz , dass das DSL-Modem beim Endanwender und das Equipment in der Vermittlungsstelle ein proprietäres Gespann bildeten.

Seit die Telekom diesen Misstand mit UR-2 beendete, herrscht Goldgräberstimmung. Egal ob Hermstedt, AVM, Eicon Networks, Bintech oder andere - kaum ein Hardwarehersteller, der nicht entsprechende Geräte anbietet. Das gleiche Bild zeigt sich auf Seiten der Internet-Service-Provider und Carrier: DSL-Angebote gehören heute zum guten Ton.

Das breite Bekenntnis zu DSL markiert einen vorläufigen Höhepunkt des Booms. Innerhalb von nur zwei Jahren entwickelte sich die Technologie, die dem von vielen bereits abgeschriebenen Kupferkabel zu einem zweiten Frühling verhalf, zum Millionenseller. So besitzen heute etwa zwei Prozent der deutschen Haushalte DSL, auch als "Standleitung des kleinen Mannes" bekannt. Dieser Anteil soll bis 2005 auf rund 17 Prozent steigen. Mit nochmals zwei Millionen DSL-Kunden rechnet in den nächsten zwölf bis 18 Monaten etwa Jörg Hermstedt, Gründer und CEO der Hermstedt AG.

Die Telekom selbst hat mittelfristig das ambitionierte Ziel von etwa acht Millionen DSL-Anschlüssen ins Auge gefasst. Über das Privatkundensegment hinaus eroberte sich DSL zudem einen festen Platz in der Unternehmensinfrastruktur als schnellere und kostengünstigere Alternative zu Standleitungen oder etwa Frame Relay. In Kombination mit Virtual Private Networks (VPNs) hat sich das Verfahren seinen Platz bei der Standortvernetzung von Unternehmenszentralen mit Zweigstellen erobert.

Den besonderen Charme dieser Technologie, die in Konkurrenz zu anderen Zugangsverfahren wie Powerline, Cable-TV oder Wireless Local Loop (WLL) steht, macht die Tatsache aus, dass hier das alte Kupfer-Telefonkabel weiterverwendet wird. In den Vermittlungstellen sind lediglich DSLAMs (Digital Subscriber Line Access Multiplexer) und Access-Konzentratoren notwendig, um den Datenstrom vom Telefonverkehr zu trennen. Auf der Anwenderseite erfordert das Verfahren einen Splitter zum Trennen von Telefonsignalen und Datenverkehr sowie ein DSL-Modem.