Storage-Kosten senken

Drei Techniken für effizientere Speicher

04.05.2009
Von 
Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP; Betreuung von News und Titel-Strecken in der Print-Ausgabe der COMPUTERWOCHE.

2. Thin Provisioning lastet Speicher besser aus

Mit Hilfe von Thin Provisioning sollen Anwender die Kapazität ihrer Speichersysteme effizienter auslasten können. Nicht nur Speichersysteme, auch Energie und Stellfläche ließen sich einsparen.

Richten Storage-Administratoren Speicherressourcen auf klassische Weise ein, werden oft große Teile der vorhandenen Kapazitäten verschwendet. Im Zuge eines solchen "Hard Provisioning", das auch als "Fat Provisioning" oder "Exact Provisioning" bezeichnet wird, weisen die Speicherverantwortlichen Anwendern oder Anwendungen dediziert bestimmte Ressourcen zu. Mit diesem Vorgang - dedicate on allocation - ist die so zugeteilte Speicherkapazität fest geblockt und steht anderen Anwendern oder Anwendungen nicht zur Verfügung. Darüber hinaus lässt sich der allokierte Speicher nur aufwändig modifizieren. Wird mehr Storage benötigt, müssen alle Daten zunächst auf ein anderes Medium übertragen, die entsprechende Logical Unit Number (LUN) gelöscht und neu eingerichtet werden. Um dafür gewappnet zu sein und aufwändigen Storage-Modifikationen zu entgehen, bemessen die Administratoren den Speicher meist sehr großzügig. Die Folge:

  • Große Teile der eingekauften Speicherressourcen liegen ungenutzt brach.

  • Experten sprechen von einer durchschnittlichen Auslastungsrate vieler Storage-Systeme von gerade einmal 25 Prozent.

Diese Verschwendung soll sich durch Thin Provisioning verhindern lassen. Dabei wird der Anwendung mehr Speicher vorgegaukelt, als das System in Wirklichkeit dafür reserviert hat. Der Platz wird aber erst dann tatsächlich belegt, wenn die Anwendung Daten auf das Medium schreibt. Benötigt diese mehr Speicher, bedient sich das System automatisch aus einem freien Speicher-Pool und weist mehr Kapazitäten zu. Wann dies passieren soll, kann der Administrator über einen bestimmten Schwellenwert festlegen. Darüber hinaus müssen sich die Verantwortlichen nicht mehr um den Speicherbedarf einzelner Anwender und Anwendungen kümmern, sondern nur noch die Gesamtkapazität des Systems im Auge behalten. Erst wenn der freie Speicherplatz unter einen bestimmten Pegel zusammenschmilzt, gilt es zusätzliche Ressourcen einzukaufen. Das Speichersystem schlägt automatisch Alarm, wenn dies der Fall ist, und benachrichtigt die Verantwortlichen.

Damit erleichtert Thin Provisioning die Administration der Storage-Umgebungen: zum einen durch die automatisierte Speicherzuteilung, zum zweiten dadurch, dass von Haus aus weniger Kapazitäten benötigt werden. Letzteres hat außerdem zur Folge, dass der Energiebedarf sinkt und die Unternehmen weniger Stellplatz in ihren Rechenzentren benötigen. Darüber hinaus sparen die IT-Verantwortlichen beim Einkauf, da sie keinen Speicher mehr auf Vorrat einzukaufen brauchen, sondern erst dann Ressourcen beschaffen müssen, wenn diese wirklich benötigt werden. Gerade angesichts der drastisch fallenden Preise für Harddisks kann dieser Faktor das Budget deutlich entlasten.

Markus Schneider, FTS: "Thin Provisioning kommt zunehmend auch auf mittelgroßen und kleineren Storage-Systemen zum Einsatz."
Markus Schneider, FTS: "Thin Provisioning kommt zunehmend auch auf mittelgroßen und kleineren Storage-Systemen zum Einsatz."
Foto: Fujitsu

Den Speicherexperten zufolge eignet sich Thin Provisioning allerdings nicht für jedes Unternehmen. "Je kleiner der Gesamtspeicherplatz ist und je weniger Systeme angeschlossen werden, umso weniger sinnvoll ist Thin Provisioning", sagt EMC-Manager Kotro. Zwar gebe es einen Trend, dass Thin Provisioning zunehmend auch auf kleineren Systemen eingesetzt werde, ergänzt Schneider von Fujitsu. Der Nutzen der Methode sei allerdings umso größer, je mehr Applikationen und Server auf ein Storage-System konsolidiert sind, bestätigt er seinen Kollegen von EMC. Dagegen rechnet Netapp-Manager Wüst damit, dass sich Thin Provisioning auf lange Sicht auch in den Midrange- und Einstiegsspeichern durchsetzen wird.