Die meisten Entwickler können nicht programmieren

31.07.2002
Von Harry Sneed
Die Mehrzahl der Programmierer ist überflüssig. Sie fahren im Windschatten der wenigen echten Entwickler. Nicht das Team erbringt die Leistung, sondern ein oder zwei Mitglieder.

In der Regel werden 75 Prozent der Teamleistung von 25 Prozent der Mitglieder erbracht. So gesehen kann man die Forderung nach mehr Softwareentwicklern nicht ernst nehmen. Das Problem ist nicht eines der Quantität, sondern der Qualität. Nur wenige Menschen können wirklich programmieren. Die meisten, die in der Entwicklung tätig sind, werden von den wenigen, die es wirklich können, mitgeschleppt. Es gehört eben mehr dazu, als eine Programmiersprache zu beherrschen.

Echte Entwickler müssen Probleme verstehen und sich dafür mehrere abstrakte Lösungen ausdenken. Aus den möglichen Alternativen wählen sie die aus, die am besten zu der jeweiligen Situation passt. Schließlich müssen Entwickler die Beharrlichkeit haben, das Ergebnis in aller Ausführlichkeit auszutesten. Dazu gehören neben Kreativität und Disziplin auch Ausdauer, Entschlossenheit und Aufmerksamkeit für Details. Dass nur wenige Spezialisten diese Eigenschaften besitzen, belegen zahlreiche Studien und die Programmierpraxis.

Harry Sneed in Aktion.
Harry Sneed in Aktion.

Dem einen fehlt es an Abstraktionsvermögen, dem anderen an Entschlusskraft, dem dritten an Kreativität, dem vierten an Disziplin und an der nötigen Konzentration auf Details. Hier spielen nicht nur geistige, sondern auch psychische und gar physische Faktoren eine Rolle.

Nach 35 Jahren Berufserfahrung in der Softwareentwicklung als Programmierer und in leitenden Funktionen in den USA, Deutschland, Ungarn und Österreich stelle ich fest, dass in allen Projekten, an denen ich beteiligt war, immer nur eine oder zwei Personen die Hauptlast der Entwicklung getragen haben. Die anderen haben zum Endergebnis kaum etwas beigesteuert, und es wäre oft besser gewesen, sie gar nicht dabeigehabt zu haben.

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