Astell & Kern AK70 MK2 im Test

Der beste Audioplayer seiner Klasse?

Theo schreibt als freier Autor für unsere US-Schwesterpublikation Tech Hive. Er ist passionierter Audiophiler und Heimkino-Enthusiast.
Audiophile haben gehobene Ansprüche in Sachen Akustikqualität. Wir sagen Ihnen, ob der AK70 Mark 2 von Astell & Kern diese erfüllen kann.

Die südkoreanische Elektronik-Schmiede Astell & Kern hat sich seit ihrer Gründung im Jahr 2013 einen Namen unter Sound-Connaisseuren gemacht - nicht nur der Ästhetik seiner Produkte, sondern auch deren Qualität wegen.

Der Mediaplayer AK70 konnte unsere Kollegen von Tech Hive bereits Anfang 2017 in seiner ursprünglichen Version (Mark 1) begeistern. Das Gesamtpaket aus gediegenem Tech-Chic, kompakter Baugröße und überragender Audioqualität war nahezu uneingeschränkt empfehlenswert. Nun legt Astell & Kern mit dem Nachfolger AK70 Mark 2 nach. Der ist noch einmal ein Stück teurer, wurde dafür aber in vielen Bereichen weiterentwickelt und optimiert. Sagen die Koreaner. Wir stellen das Versprechen im Test auf die Probe.

Astell & Kern legt bei seinem portablen Mediaplayer AK70 nach. Wir sagen Ihnen, was die Mark-2-Variante besser kann.
Astell & Kern legt bei seinem portablen Mediaplayer AK70 nach. Wir sagen Ihnen, was die Mark-2-Variante besser kann.
Foto: Astell & Kern

Astell & Kern AK70: MK1 vs. MK2

Im Vergleich zu seinem Vorgänger hat sich an der Außenhaut des portablen Mediaplayers von Astell & Kern wenig getan. Im direkten Vergleich ist das Gehäuse der Mark-2-Variante ein wenig dicker und breiter, besitzt aber die gleiche Höhe wie Mark 1. Das sich daraus ergebende Abmessungsverhältnis von 6,3cm x 9,7 cm x 1,4cm (BxHxT) garantiert immer noch maximale Mobilität - das Gewicht von knapp 150 Gramm ebenfalls. Das Gehäuse des Audioplayers besteht auch in zweiter Generation komplett aus Aluminium, ist nun aber deutlich weniger anfällig für Fingerabdrücke. Zur Wahl stehen auch zwei neue Farbvarianten: "cadet blue" und "black". Ersteres schmückt unser Rezensionsexemplar des Astell & Kern AK70 Mark 2. Die Rückseite des Geräts ist mit einem Glasfinish versehen.

Auf der Vorderseite thronen das (im Vergleich zum Vorgänger unveränderte) Farbdisplay und die Bedienknöpfe des Audioplayers. Letztere sind am AK70 Mark 2 zwar nur leicht größer ausgefallen, der Unterschied ist allerdings riesig. Im Test sorgte insbesondere der vergrößerte Lautstärkeregler des AK70 MK2 für ein wesentlich verbessertes Nutzungserlebnis. Die Bedienung fühlt sich natürlicher an als noch beim Vorgänger - das ganze Gerät liegt in der MK2-Variante einfach noch besser in der Hand. Der neue Lautstärkeregler verfügt außerdem über eine neue Oberflächenstruktur.

Die inneren Werte des AK70 Mark 2

Weitere Optimierungen zeigen sich beim Blick in das Innenleben des Astell & Kern AK70 MK2: Hier werkeln nun zwei Digital-Analog-Umwandler (DAU/DAC) vom Typ Cirrus Logic CS4398 - einer pro Kanal. Der AK70 Mark 1 konnte nur mit einem DAC aufwarten.

Interessant wird es für Audio- und Musik-Freaks, wenn es um die Spezifikationen geht. Und auch hier enttäuscht der Mediaplayer von Astell & Kern kaum. Signale mit 24-bit und 192 kHz werden Bit für Bit wiedergegeben - 32-bit Audio wird mit einem sample-rate converter bearbeitet. Eine 32-bit/384kHz-Datei wird so beispielsweise auf 24-bit und 192 kHz komprimiert, ein 32-bit/352 kHz-File auf 24-bit und 176 kHz. DSD 64/128-Files werden ebenfalls unterstützt. So wie die folgenden Dateiformate:

  • FLAC

  • ALAC

  • WAV

  • APE

  • AIFF

  • DFF

  • DSF

  • OGG

  • AAC

  • MP3

Kopiergeschützte AAC-Dateien (wie zum Beispiel Downloads von Apple Music oder Audible) werden hingegen nicht unterstützt. Ebenso wenig wie der MQA-Codec - ein dicker Minuspunkt im Test des AK70 Mark 2. Auf Nachfrage teilte Astell & Kern mit, dass man zwar über MQA-Support nachdenke, es aber noch keine konkreten Pläne gebe. Höchstwahrscheinlich ist eine Nachbesserung an dieser Stelle auch über ein Firmware Update möglich.

Empfehlenswert ist in jedem Fall, den Astell & Kern AK70 MK2 mit Dateien in der bestmöglichen Qualität zu füttern, denn der digitale Audioplayer zerrt die akustische Wahrheit ans Licht: Gute Aufnahmen in hoher Qualität klingen atemberaubend, während die Schwächen qualitativ untauglicher Musikdateien gnadenlos zur Schau gestellt werden.

Doch hier hören die Verbesserungen noch nicht auf: Dank eines weiter gestiegenen Power-Outputs unterstützt der AK70 MK2 nun ein noch breiteres Kopfhörer-Portfolio. Auch der integrierte Akku ist im Vergleich zur MK1-Variante gewachsen (2500 statt 2200 mAh). Mehr Laufzeit gibt es aber trotzdem nicht, schließlich muss das DAC-Duo auch versorgt werden. Bei normaler Nutzung dürfen Sie eine Laufzeit von vier bis sechs Stunden erwarten. Dass Bluetooth-4.0- und 802.11-Wifi-Adapter beim AK70 MK2 an Bord sind, erhöht die Funktionalität weiter, wirkt sich unter Umständen aber auch negativ auf die Lebensdauer des Akkus aus.

Sowohl der Datentransfer, als auch die Ladung der Batterie wird über den integrierten Micro-USB-Anschluss erledigt. Mac User brauchen das kostenlose Android Transfer Tool, bevor sie Dateien auf den Mediaplayer von Astell & Kern "schieben" können.

Interface-Freuden by Astell & Kern

Das Interface des AK70 MK2 ist das Selbe wie bei allen anderen Geräten aus dem Hause Astell & Kern, nämlich ein gelungenes Touch-Interface, das allerdings ab und an Eingabeverzögerungen aufweist. Nervig sind insbesondere die Sekunden, die vergehen, während man darauf wartet, dass ein Albumcover angezeigt wird - ein Problem, das alle Produkte von Astell & Kern betrifft.

Wenn Sie den AK70 Mark 2 von Astell & Kern zum ersten Mal in Ihren Händen halten und bei der Suche nach dem Einstellungsmenü aufgrund akuter Handbuch-Allergie verzweifeln: Das erreichen Sie über eine Wischbewegung von der Oberseite des Screens nach unten. Ein weiterer Grund, wieso dieser Fakt hier Erwähnung findet: Falls Sie mit dem Gedanken spielen, sich eine Leder-Schutzhülle von Astell & Kern kaufen zu wollen, sollten Sie sich darüber bewusst sein, dass diese Hülle die essenzielle Wischgeste erschweren kann.

Eine Suchfunktion bietet der AK70 MK2 natürlich ebenfalls, was hilfreich ist bei ausufernden Musik- und Media-Bibliotheken. Lediglich die Bedienung des Onscreen-Keyboards dürfte manchen großen Händen Schwierigkeiten bereiten.

Zu den virtuellen Buttons gesellen sich die bereits angesprochenen, physischen Bedienmöglichkeiten: auf der rechten Seite findet sich der analoge Lautstärkeregler, auf der linken sitzen drei kleine, wohlgeformte Buttons für die grundlegendsten Audioplayer-Funktionen (Wiedergabe/Pause, Vor- und Zurückspulen).

Netzwerk und Streaming mit dem AK70 MK2

Wenn Sie an dieser Stelle immer noch glauben, der AK70 MK2 von Astell & Kern wäre einfach nur ein qualitativ hochwertiger Musikplayer: Nein. Bei diesem Gerät handelt es sich um einen der vielseitigsten, digitalen Audioplayer, den man derzeit bekommen kann. Sie können den Mediaplayer beispielsweise an Ihren PC oder Mac anschließen und so die - typischerweise qualitativ miserable - Audioqualität ihres internen Kopfhörer-Verstärkers und/oder DACs umgehen. Im Test haben wir den AK70 Mark 2 an ein Macbook Pro angeschlossen und letzteres in den DAC-Modus versetzt - schon konnte man von Audioqualität sprechen.

Der AK70 Mk2 als USB DAC am Macbook Pro.
Der AK70 Mk2 als USB DAC am Macbook Pro.
Foto: Theo Nicolakis / IDG

In die andere Richtung funktioniert der AK70 MK2 natürlich ebenfalls: Schließen Sie den Mediaplayer einfach über ein entsprechendes USB-Kabel an Ihren Lautsprecher oder ein anderes Device an und er wird zum Fileserver. Audio-Experten werden sich zudem über die Möglichkeit freuen, DSD-Dateien über DoP wiederzugeben.

Der Astell & Kern AK70 Mark 2 verbindet sich mit jedem DLNA-Server - das Unternehmen stellt auch einen kostenlosen Mediaserver zur Verfügung, der auf Windows- und Mac-Systemen verfügbar ist. Im Test funktionierte das Streamen von Musikdateien jeglicher Art auf verschiedene Server ohne Probleme.

Die kostenlose AK Connect Smartphone App (für iOS und Android) schafft zudem eine nahtlose Verbindung zwischen Ihrem Telefon und dem AK70 MK2 und ermöglicht beispielsweise die Fernsteuerung des Audioplayers oder das Hin- und Herschieben von Inhalten. In einigen Bereichen ist die App zwar etwas schlampig gestaltet, insgesamt trägt sie aber weiteren Mehrwert ins Produkt. Kurzum: Der Astell & Kern AK70 Mark 2 geht als ausgewachsener, tragbarer Musikserver durch.

Wenn Sie sich jetzt fragen, ob wir die 64 Gigabyte internen Speicher übersehen haben: Natürlich nicht. Dieser ist allerdings dank eines microSD-Kartenslots erweiterbar. Wie uns Astell & Kern auf Nachfrage versicherte, werden auch die Sandisk-Karten der neuesten Generation unterstützt. Deren Fassungsvermögen liegt bei 400 GB. Auf seine Standhaftigkeit konnten wir dieses Versprechen leider nicht überprüfen, da uns zum Testzeitpunkt keine entsprechenden SD-Karten vorlagen.

Der Astell & Kern AK70 Mk2 in "action".
Der Astell & Kern AK70 Mk2 in "action".
Foto: Theo Nicolakis / IDG

Sonderpunkte hat der AK70 MK2 Mediaplayer für die Unterstützung des aptX HD-Standards verdient, der das Streaming von hochauflösenden Audioinhalten über Bluetooth ermöglicht. Diesen Standard unterstützen derzeit (Stand April 2018) nur sehr wenige Kopfhörer. Alternativ können Sie aber auch auf den XB10 Bluetooth Amplifier von Astell & Kern zurückgreifen.

Der native Support der Streaming Services von Groovers+ und Tidal dürfte für Audiophile ein weiteres, willkommenes Feature darstellen. Die Qualität der Tidal Streams zeigte sich im Test als exzellent.

Pflicht-Audioplayer Mark 2?

Im Test durfte sich der Astell & Kern AK70 Mark 2 im Zusammenspiel mit verschiedenen Over-Ear-Kopfhörern beweisen, darunter die Spitzenmodelle Focal Clear, Oppo PM2 und B&W P9 Signature. Die Mehrheit des verwendeten Quellmaterials bestand dabei aus hochwertigen FLAC- und ALAC-Dateien, sowie einer Handvoll AAC-Files zu Vergleichszwecken.

Der AK70 MK2 liefert ein sauberes, detailreiches, kontrolliertes und dynamisches Klangbild ab. Das hört sich ein bisschen so an, als ob Jemand plötzlich Ihre Musik von einer Art Schleier befreit. Die Präsenz und Gleichmäßigkeit aller akustischen Ebenen hat uns im Test beeindruckt. Auch bei hoher Lautstärke verzieht der Verstärker im Mediaplayer von Astell & Kern keine Miene.

Was bleibt noch zu sagen? Der AK70 Mark 2 von Astell & Kern mag kleinere Schwächen haben, liefert aber auf der wesentlichen Ebene konstante Höchstleistung: dem Klangbild. Die genannten Features ergeben in Kombination mit dem Preis von rund 700 Euro ein Paket, das Audiophile kaum ausschlagen können. Prädikat "unbedingt empfehlenswert" - zumindest für Audiophile. Oder solche die es werden wollen. (fm)

Dieser Beitrag basiert in Teilen auf einem Artikel unserer US-Schwesterpublikation Tech Hive.