MyIC Phone

Apps für das Desktop-Telefon

19.03.2011
Von Stefan Mutschler
Im Rahmen seiner "Application-Enablement-Strategie" will Alcatel-Lucent mit dem "MyIC Phone" weg vom altbackenen Business-Telefon. Die nächste Gerätegeneration soll sich an Smartphones orientieren - App-Store eingeschlossen.
Das "MyIC Phone" will Alcatel-Lucent weg vom Image des klassischen Telefonbauers - man propagiert das Smartphone am Arbeitsplatz.
Das "MyIC Phone" will Alcatel-Lucent weg vom Image des klassischen Telefonbauers - man propagiert das Smartphone am Arbeitsplatz.
Foto: Alcatel-Lucent

Fast hat es den Anschein, als fessele das Kabel, das hinten aus einem Tischtelefon herauskommt, das Gerät an ein früheres Zeitalter. In den letzten Jahren entwickelte sich dieser Gerätetyp im Vergleich zu seinen mobilen Geschwistern immer langsamer. Sowohl im Funktionsangebot als auch in der Bedienung liegen Welten zwischen den beiden Telefontypen. Und ganz falsch ist das Bild mit dem Kabel wohl auch deshalb nicht, weil dieses - mitunter nach mehreren Zwischenstationen - am anderen Ende in eine Telefonnebenstellenanlage (Private Branch Exchange = PBX) führt. Zwar haben sich auch Telefonanlagen, die für die Fähigkeiten der daran angeschlossenen Telefone weitgehend verantwortlich waren und zum Teil noch sind, in den vergangenen 20 Jahren beachtlich entwickelt Doch der Weg von einer absolut proprietären PBX auf Basis einer "Mainframe"-Architektur, noch dazu in der Größe einer Wohnzimmerschrankwand, hin zu einem offenen, auf Standards basierenden Client-Server-Computersystem war und ist weit und beschwerlich. Mobiltelefone mussten diesen Weg nicht gehen - sie konnten ohne die Last eines seit Alexander Graham Bell gewachsenen Erbes quasi die Abkürzung nehmen.

Interessant, dass nun ausgerechnet die Erben des - zumindest nach amerikanischer Lesart - Telefonerfinders die technische Kluft zwischen alter TK-Welt und neuem Mobilzeitalter schließen wollen. Die nach Bell benannten Bell-Laboratories gehören trotz turbulenter Phasen am Ende des vorigen Jahrhunderts auch heute noch zu den innovativsten Technologieschmieden der amerikanischen TK-Industrie - und zu Alcatel-Lucent. Inspiriert durch das Konzept und den Erfolg von Apples iPhone konzentrierten sich die Forscher und Entwickler bei Bell in den letzten Jahren darauf, die "Seile" endlich zu kappen und auch der traditionellen Welt der Tischtelefone ein modernes Konzept zu verpassen.

Was Open Touch bedeutet

Zur neuen Strategie gehört ein neues Branding: Der Begriff "OpenTouch", der nun für das Angebot an Contact-Centern (aus der Übernahme von Genesys), Kommunikations- und Netzinfrastruktur-Produkten von Alcatel-Lucent steht, soll die neue Offenheit signalisieren. "Wir wollen endgültig weg vom Image eines klassischen Telefonbauers - hin zu einer offenen TK-Welt", so René Princz-Schelter, Head of PreSales der Alcatel-Lucent Enterprise Market Group. Offen heißt in diesem Fall: strikte Nutzung von Standard-Internet-Protokollen wie IP und SIP. Diese beiden Protokolle bilden auch die technische Basis, über die UMTS-/LTE-Mobilfunk und Unternehmenstelefonie zusammenwachsen sollen. Vor allem LTE (Long Term Evolution), der derzeit in Deutschland im Aufbau befindliche Nachfolger von UMTS, baut als reiner Datendienst - Sprachübertragung ist ausschließlich über VoIP möglich - ebenfalls vollständig auf die-se Protokolle. Aktuelles Aushängeschild, in dem die neuen Strategien bereits weitgehend umgesetzt sind, ist das MyIC Phone. Das "Smartphone für den Arbeitsplatz", wie es in den Prospekten genannt wird, kommt als Highend-Multimedia-Terminal, das die Lücke zwischen hochverfügbarem Telefon und universell nutzbarem PC am Arbeitsplatz schließen soll.

Bloße Inhaltsanzeige war gestern

Die universelle Einsetzbarkeit bezieht das MyIC Phone aus seiner freien Programmierbarkeit. Ähnlich einem modernen Smartphone lassen sich nach Belieben Applika-tionen ("Apps") auf dem Gerät installieren. Im Unterschied zu den seit Jahren populären XML-fähigen Tischtelefonen, die Web-Inhalte lediglich anzeigen, geht es hier um "echte" Apps, die auch direkt auf dem Telefon ausgeführt werden. Und ebenfalls ähnlich einem Smartphone bildet ein LCD-Touchscreen das zentrale Medium für die Ein- und Ausgabe. Mit einer Sieben-Zoll-Diagonale ist dieser Bildschirm sogar deutlich größer als der von Smartphones (dort sind heute etwa 3,5 bis 4,3 Zoll üblich). Das öffnet auch Anwendungsbereiche, die auf dem Smartphone schlecht oder gar nicht realisierbar sind.Der Hersteller denkt hier speziell an Videos beziehungsweise Videoconferencing. Diese Technik soll, damit weniger gereist werden muss, künftig weit stärker in den Business-Alltag integriert werden als heute üblich.

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