IT-Trends von Crisp Research

2019 haben Firmen eine Digitalstrategie

19.12.2018
Von 
Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Welche IT-Trends zeichnen sich für 2019 ab? Die Analysten von Crisp Research glauben, dass die größten Fortschritte in den vier Bereichen Digitalstrategie, Datenverfügbarkeit, menschliche Interaktion und Technologie zu sehen sein werden.
Et kütt wie et kütt, sagt der Kölner. Wir wollten es genauer wissen und haben uns in Kassel umgehört: bei den Analysten von Crisp Research.
Et kütt wie et kütt, sagt der Kölner. Wir wollten es genauer wissen und haben uns in Kassel umgehört: bei den Analysten von Crisp Research.
Foto: frankie's - shutterstock.com

Die Technologie-Trends von Crisp Research konzentrieren sich auf vier Kräfte, die nach Meinung der Marktforscher die Digitalisierung voranbringen werden. Folgende Thesen stellen die Analysten in den Raum.

Die Digitalstrategie wird selbstverständlich

Neun von zehn Unternehmen haben bis Mitte 2019 zumindest die erste Version einer Digitalstrategie formuliert (hier als Beispiel die des Maschinenbauers Trumpf). Die Zeit der Experimente geht vorbei. Allerdings wird es noch bis 2020 dauern, ehe die Betriebe die richtige Balance zwischen einem "Fail-Fast-and-Cheap-Ansatz" und einem wirklich durchgeplanten Vorgehen gefunden haben. Generell mangele es den deutschen Firmen an guten Ideen, die dann auch noch zu langsam verfolgt würden.

Um die eigene Digitalstrategie umsetzen zu können, wird die Hälfte der Betriebe ihre Organisation ändern. Die Mehrheit dieser Gruppe beruft einen Chief Digital Officer (CDO). Mit digitalen Produkten erwirtschaften nur 15 Prozent der deutschen Unternehmen zusätzliche Umsätze. Diese Einnahmen bleiben weiterhin deutlich hinter denen mit traditionellen Produkten zurück. Aber den Digitalverantwortlichen wird es gelingen, den Nutzen der Digitalprodukte fürs Unternehmen nachzuweisen.

Digitalisierung bringt Umsatz, aber (noch) keinen Profit

Crisp-Analyst Stefan Ried schaut in die Zukunft.
Crisp-Analyst Stefan Ried schaut in die Zukunft.
Foto: Crisp Research

In den Bilanzen von 2019 werden digitale Umsätze in den meisten Fällen nicht profitabel sein. Das liegt auch daran, dass ihre Entwicklung und ihr Betrieb viel Geld verschlingt. Doch die Investitionen sind wettbewerbsrelevant, da klassische Produkte durch digitale Erweiterungen wertvoller werden und höhere Marktpreise erzielen.

Während die Architektur von Cloud-Native-Anwendungen bisher meist durch technische Anforderungen bestimmt wurde, dreht sich 2019 alles um neu entstehenden Ökosysteme. Ein Business Design, das Plattformgeschäfte oder eine sekundäre Datennutzung ermöglicht, wird die Software-Architekturen prägen. Smart Contracts zwischen Partnern nehmen starken Einfluss auf die entstehenden APIs.

Erfolgreich Fischen im Data Lake

Data Lakes und Technologien wie Hadoop für die Speicherung großer Datenmengen sind seit einigen Jahren verfügbar. 2019 geht es darum, die gesammelten Daten zu durchdringen. Persönliche Daten wie die DNA eines Patienten werden dazu benutzt, Medikamente individuell zu entwickeln und zu dosieren. Aus der Umwelt kommen mehr Daten als je zuvor. Sie können helfen, Extremsituationen vorherzusagen und im besten Fall zu vermeiden.

Bei den Connectivity-Optionen sehen wir nicht nur die ersten 5G-Netze, sondern auch Low-Power-Wide-Area-Netze wie LORAWAN, SIGFOX oder Narrow-Band-IoT. Sie sind im neuen Jahr endlich in einem großen Teil des Landes verfügbar. Bestimmte Dienste wie Software-Updates over the air in Fahrzeugen werden realistisch, auch wenn Deutschland in Sachen Internet-Konnektivität weiter Nachholbedarf hat.

Sie möchten mehr Prognosen zum ITK-Jahr 2019 lesen? Hier werden Sie fündig:

Strategie-Handbuch für CIOs

Der Preisverfall bei Hardware setzt sich - wenig überraschend - fort. Zuletzt vielen vor allem die Preise bei den schnell wachsenden Cloud-Hyperscalern, in privaten Rechenzentren und Edge-Infrastrukturen waren die Vorteile weniger spürbar. 2019 wird aber das Angebot an Edge-Hardware im IoT-Bereich stark ansteigen, weil Unternehmen ihre Industrie-4.0-Szenarien umsetzen wollen. Moore's Law bleibt gültig und wird dafür sorgen, dass immer mehr Daten zu immer kleineren Preisen bearbeitet werden können.

Cloud-Native-Anwendungen auf dem Vormarsch

Daten in großen Mengen werden in Public Clouds verfügbar gemacht. Die verwendeten Technologien haben wenig mit traditionellen Enterprise-Software-Stacks zu tun. Sie werden als Cloud-Native bezeichnet. Während viele Cloud-Native-Dienste - etwa die Container-Technik Kubernetes - 2018 auch bei den Hyperscalern noch wackelig lief, erreichen Cloud-Native-Compute- und -Storage-Dienste bei Amazon, Microsoft & Co., aber auch bei einigen lokalen Providern deutlich mehr operative Reife.

2019 wird das Jahr, indem die sekundäre Datennutzung aufkommt, auch wenn die Anwender erstmal skeptisch bleiben werden. Gemeint ist die Nutzung von Daten über den ursprünglichen Zweck hinaus. Ein Auto kann zum Beispiel die Entfernung zum vorausfahrenden Fahrzeug messen, um die eigene Geschwindigkeit zu regeln. Es kann die Daten aber gleichzeitig auch anonymisiert an Dritte weitergeben, damit sich Staus vermeiden lassen.

"Unified User Experience"

User Interfaces mit Sprach- oder Gestensteuerung verbessern sich ständig dank der großen Datenmengen und ihrer besseren Nutzung. Unternehmen werden im kommenden Jahr auf die Vernetzung solcher Interaktionskanäle setzen und eine "Unified User Experience" für Kunden und auch für Mitarbeiter entwickeln, die viele selbstlernende Funktionen mitbringen wird.

Nachdem viele Betriebe erst einmal einen Grundstock an Lösungen aufgebaut haben, entwickeln sich Vernetzung, Intelligenz und damit KI- und Bot-Funktionen zum zentralen Gestaltungselement. Über 60 Prozent der Firmen werden an vernetzten Arbeitsplatz- und Architekturkonzepten spinnen. Auch Mixed Reality, bislang noch kein großer Faktor in der digitalen Wertschöpfung, kommt 2019 einen entscheidenden Schritt voran. Hard- und Software stehen bereit, Augmented Reality wird sein Wertschöpfungspotenzial in der Forschung und im Industrieumfeld entfalten.

Beim autonomen Fahren wird das Autoland Deutschland 2019 nachlegen, weil die Technik Differenzierungspotenzial bietet. Die Fortschritte der Hersteller in Sachen selbstfahrender Autos werden mehr Beachtung finden, so dass Dieselgate allmählich aus den Schlagzeilen verschwinden sollte.

Was Datenschutz und IT-Sicherheit angeht, sind die User 2018 - auch durch die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) - sensibler geworden. Die Nutzer haben ein stärkeres Feingefühl für einen adäquaten Umgang mit Daten bekommen. Das zahlt sich für die Unternehmen aus, bedeutet aber auch, dass sie ihrerseits den Kunden und Anwendern Transparenz und Sorgfalt garantieren müssen.