Studie unter CEOs und Investoren

Zu wenig Cybersicherheit ist die größte Bedrohung für die Weltwirtschaft

03.10.2019
Von   IDG ExpertenNetzwerk


Marc Wilczek ist Autor zahlreicher Beiträge rund um die Themen digitale Transformation, Cloud Computing, Big Data und Security. Aktuell ist er Geschäftsführer beim IT-Sicherheitsanbieter Link11. Neben Managementstationen im Deutsche Telekom Konzern und bei CompuGroup Medical, leitete er zuvor unter anderem als Managing Director das Asiengeschäft beim IT-Sicherheitsexperten Sophos.
CEOs sehen lückenhafte Cybersicherheit als größtes Hemmnis für Wirtschaftswachstum.

Im Rahmen der CEO Imperative Study 2019 befragte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) weltweit 200 CEOs in Amerika, Europa, dem Mittleren Osten, Afrika und der Asien-Pazifik-Region. Ebenfalls befragt wurden 100 Investoren aus globalen Investmentgesellschaften, die mindestens 100 Milliarden Dollar an Vermögen verwalten.

Unzureichende IT-Sicherheit gehört für CEOs zu den größten Risiken für die Weltwirtschaft. Unternehmen sehen sich in der Verantwortung, dem entgegenzuwirken.
Unzureichende IT-Sicherheit gehört für CEOs zu den größten Risiken für die Weltwirtschaft. Unternehmen sehen sich in der Verantwortung, dem entgegenzuwirken.
Foto: sdecoret - shutterstock.com

Schlechte IT-Security ist die größte Bedrohung

Die Befragten nannten nationale und unternehmerische Lücken in der Cybersicherheit standortübergreifend als die größte Bedrohung für das Unternehmenswachstum und die Weltwirtschaft. Einkommensungleichheit und Arbeitsplatzverluste aufgrund des technologischen Wandels belegten die Plätze zwei und drei, gefolgt von ethischen Fragen bezüglich künstlicher Intelligenz und dem Klimawandel.

"Das zukünftige Unternehmenswachstum hängt vom Vertrauen ab, sei es zwischen Unternehmen und Kunden, zwischen Menschen und Technologie oder zwischen Management und Mitarbeitern. Das zunehmende Risiko von Cyberangriffen und das Fehlen des richtigen Gleichgewichts von digitalem und menschlichem Personal am Arbeitsplatz schadet dem Vertrauen in all diese kritischen Dimensionen", sagt Gil Forer, EY Global Markets Digital and Business Disruption Lead Partner.

Corporate Governance auf den Prüfstand

Die Liste der internen Herausforderungen beginnt ganz oben. Nur ein Drittel der Befragten (34 Prozent) glaubt, dass das aktuelle Corporate-Governance-Modell und die interne Rollenverteilung im Top-Management den Anforderungen und Möglichkeiten des nächsten Jahrzehnts gerecht werden. Viele Vorstände arbeiten bereits daran, dies zu ändern, indem sie neue Positionen wie den Chief Innovation Officer, den Chief Digital Officer (CDO) und den Chief Strategy Officer geschaffen haben.

Weitere Änderungen sind in Arbeit. Rund 72 Prozent der CEOs erwarten, dass sie neue Positionen hinzufügen oder die Ressort-Zuständigkeiten ändern werden. Das sagen auch 82 Prozent der Verwaltungs- und Aufsichtsräte.

Laut den CEOs sind die folgenden fünf neuen Ressorts am stärksten für das weitere Wachstum entscheidend:

  • Digitale Transformation (55 Prozent);

  • Innovation (53 Prozent);

  • Künstliche Intelligenz (43 Prozent);

  • Data Science (33 Prozent);

  • Verhaltensforschung (25 Prozent).

Engagement ist im Trend

Obwohl die Risiken sehr real sind, ergab die Studie, dass CEOs nicht beunruhigt sind. Sie sehen mehr Vorteile darin, Maßnahmen zu ergreifen, um die globalen Herausforderungen anzugehen und zu lösen. Die Hälfte der Top-Manager glaubt, dass die Unternehmen verpflichtet sind, ihren Teil dazu beizutragen, um für Abhilfe zu sorgen.

"Die größten Unternehmen der Welt müssen sich engagieren", sagt Bala Swaminathan, Asia Advisory Board Member der Westpac Banking Corporation. Es gehe nicht darum, ob das Unternehmen wächst oder nicht. Es gehe darum, ob das Unternehmen existiert oder nicht.

Zwei Drittel der befragten CEOs gaben an, dass sie wahrscheinlich öffentlich über die größten Probleme der Welt sprechen würden.

Laut dem EY-Bericht ist die Wirtschaft an einem Wendepunkt im unternehmerischen Handeln bei globalen Herausforderungen angelangt, der starke Auswirkungen haben wird. Die weltweit größten Unternehmen werden demnach eine Reihe von sinnvollen Maßnahmen ergreifen, um globale Herausforderungen wie Einkommensungleichheit, die Ethik der KI, Cybersicherheit und Klimawandel anzugehen.

Die meisten der befragten CEOs geben an, dass sie ihre Unternehmensmissionen anpassen, um der Ausrichtung auf gesellschaftliche Probleme mehr Gewicht zu verleihen. Die Entscheidungsgremien prüfen auch die Zusammenarbeit mit Regierungen oder Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Knapp die Hälfte der Befragten waren aktive Mitglieder von Industriekoalitionen oder hatten ein Leitwerk für die Unternehmensberichterstattung implementiert, welches über die puren Finanzkennzahlen hinausgeht.

Investoren wollen langfristiges Wachstum

In der Umfrage bewerteten Anleger es als sehr wichtig, dass CEOs globale Herausforderungen in Unternehmensmandate miteinbeziehen. Fast die Hälfte (43 Prozent) sagt, dass die oberste Priorität eines CEOs darin bestehen sollte, Corporate Governance, Leistungskennzahlen und Anreizsysteme mit Lösungen für die dringendsten Probleme der modernen Welt zu verknüpfen.

Mehr denn je achten Investoren darauf, wie Unternehmen auf globale Herausforderungen reagieren und inwieweit das Unternehmen tatsächlich Ressourcen für globale Problemlösungen einsetzt. 60 Prozent der Investoren setzen auf langfristige Investitionen in Unternehmen, die sich den globalen Herausforderungen stellen. Das tun sie selbst dann, wenn dies die kurzfristige Rendite belastet.

Diese Investorenperspektive wird weiter an Bedeutung gewinnen. Mit Blick auf die Zukunft sagen 83 Prozent der institutionellen Investoren, dass die Reaktionen großer Unternehmen auf globale Herausforderungen in den nächsten fünf Jahren eine noch größere Rolle bei ihren Investitionsentscheidungen spielen werden.

"Vorstände und Investoren erkennen an, dass sie - zusammen mit dem öffentlichen Sektor - eine Rolle spielen müssen, wenn es darum geht, soziale Herausforderungen zu lösen, die ihre Werte berühren, und ein integratives, nachhaltiges Wachstum anzustreben", sagte Carmine Di Sibio, Vorsitzender von EY, kürzlich in einer Pressemitteilung. "Es ist ermutigend, Anzeichen von Unterstützung durch die Investorengemeinschaft für eine langfristige Wertschöpfung zu sehen." (jd)