New Work: Hybrid, agil, partizipativ

Wie wir 2021 arbeiten werden

18.01.2021
Von 
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Die Zunahme der Mobilität am Arbeitsplatz führt zu einer Abnahme der Mobilität auf der Straße, der Schiene und in der Luft, sagt Jutta Rump, Professorin für internationales Personalmanagement. Ein Gespräch über New Normal in der Arbeitswelt.
"Partizipation und Demokratisierung sowie Transparenz sind Merkmale von Führung in New Work", sagt Jutta Rump, Professorin für internationales Personalmanagement und Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE) in Ludwigshafen.
"Partizipation und Demokratisierung sowie Transparenz sind Merkmale von Führung in New Work", sagt Jutta Rump, Professorin für internationales Personalmanagement und Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE) in Ludwigshafen.
Foto: Jutta Rump

Frau Rump, Sie leiten das Institut für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen. Welche Entwicklungen sehen Sie für 2021?

Jutta Rump: Die 'Neue Normalität' in der Arbeitswelt wird zum zentralen Themenfeld in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. New Work wird zu New Normal beziehungsweise New Work wird in New Normal einfließen, denn New Normal ist mehr als New Work.

Was verstehen Sie unter New Normal?

Jutta Rump: Aus meiner Perspektive beinhaltet im Moment New Normal: Die Arbeitswelt muss mit drei Arten der Transformation umgehen und sie mitgestalten: digitale Transformation - ökonomische Transformation - ökologische Transformation. In der Arbeitswelt muss mit drei limitierten Faktoren agiert werden:

  • Zeit als knappes Gut,

  • eingeschränkte finanzielle Möglichkeiten sowie

  • Fachkräftemangel.

Die Arbeitswelt wird mit drei Währungen konfrontiert sein: die Währung des Geldes, die Währung Zeit sowie Purpose als Währung. Die Arbeitswelt ist gekennzeichnet von Beschäftigungseffekten, die eine Polarisierung zeigen.

Müssen wir uns also auf einen großen Abbau von Arbeitsplätzen einstellen?

Jutta Rump: Auf der einen Seite werden die digitale, ökonomische und ökologische Transformation Personalanpassungsprozesse auslösen, auf der anderen Seite wird die Demografie in Kombination mit Digitalisierung und Nachhaltigkeitsstrategien zu Nachwuchs- und Fachkräfteengpässen führen. Nicht selten können diese unterschiedlichen Beschäftigungseffekte in ein und demselben Unternehmen stattfinden.

Wie wird sich das Arbeiten an sich verändern?

Jutta Rump: Agile Arbeits- und Organisationsformen gelten mehr und mehr als Antwort auf Komplexität, Dynamik und kontinuierlichen Innovationsdruck. Die Arbeitsorganisation wird dort, wo es möglich ist, durch hybride Arbeitsmodelle (flexible Arbeitszeiten, mobile Arbeitsorte) gekennzeichnet sein. Kommunikation und Kooperation wird eine Mischung aus stationär und virtuell sein. Durch die Zunahme virtueller Kommunikation und Kooperation werden sich die Geschäftsreisen reduzieren.

Die Zunahme der Mobilität am Arbeitsplatz führt zu einer Abnahme der Mobilität auf der Straße, der Schiene und in der Luft. Partizipation und Demokratisierung sowie Transparenz sind Merkmale von Führung in New Work. Im Rahmen von New Normal wird diese Entwicklung ergänzt um ein Spannungsfeld: Partizipation versus Krisenstab.

Was heißt das für die Berufseinsteiger und Young Professionals?

Jutta Rump: Nicht zuletzt hinterlässt die Corona-Krise insbesondere bei der jungen Generation Spuren. Sie wuchsen bis zur Corona-Krise in einer reichen Gesellschaft auf mit dem Bewusstsein, dass sie der gesuchte und geschätzte Nachwuchs sind. Mit der Corona-Krise hat sich für sie einiges verändert. Abschwung, Rezession, und keiner weiß, wie schnell die Unternehmen die roten Teppiche wieder ausrollen werden. Damit haben sie nicht gerechnet, umso schockierter reagiert die jüngere Generation auf die plötzliche, krisenbedingte Veränderung des Arbeitsmarktes, so meine Einschätzung im Zukunftsnavigator des Roman Herzog Instituts.

Welche Erkenntnisse ziehen Sie aus dem Corona-Jahr?

Jutta Rump: Wo ein Wille ist, ist ein Weg. Und: Veränderungen vollziehen sich dann konsequent, wenn externe Faktoren, in diesem Fall das Virus, zum Umdenken und Neuhandeln zwingt. Scheinbar braucht es externe Schocks.

Was hat Sie am meisten überrascht, was erfreut, enttäuscht?

Jutta Rump: Überrascht haben mich Ausmaß und Umfang der staatlichen Unterstützung. Erfreut haben mich Zusammenhalt, Tempo und Ausmaß der Veränderung. Enttäuscht hat mich, dass die Corona-Krise im Rahmen von Gender Balance wieder tradierte Muster gefördert und reinstalliert hat. Die drei H's (Homeoffice, Home Schooling, Haushalt) sind weiblich. Das trug dazu bei, dass Frauen nur bedingt sichtbar in der Krise sind. Sichtbarkeit in Krisensituationen ist jedoch ein zentraler Treiber für Karrieren.