Marketing für die eigene Persönlichkeit

Wie man selbst zur Marke wird

Thorsten Beckmann ist Geschäftsführer der internationalen Kommunikationsagentur achtung! GmbH mit Sitz in Hamburg. Der Autor repräsentiert eine moderne Business- und Entscheidungskultur.
Authentizität ist das Credo unserer Tage, insbesondere bei Führungskräften. Glaubwürdigkeit und Echtheit sind die Währung der Wahrnehmung. Wer seine Werte hochhält und seine Stärken lebt, schärft sein Profil – und ebnet den Weg zur Persönlichkeitsmarke.
  • Wer erfolgreich führen will, muss seine Persönlichkeit vermarkten.
  • Eigene Stärken müssen analysiert und hervorgehoben werden.
  • Eine Führungskraft zeichnet sich gegenüber dem Team durch Verlässlichkeit aus.

Woran erkennen Sie eine starke Marke? Am unverwechselbaren eigenen Stil. Sie verdankt ihre Stärke vor allem ihrer Authentizität und Glaubwürdigkeit, ihrer Kompetenz und Verlässlichkeit, ihrer Bereitschaft zur Veränderung, ohne den eigenen Stil dabei aufzugeben. Starke Marken sind Leuchttürme im Meer des steten Kommens und Gehens von Produkten. Sie sorgen für Orientierung im Rausch der Reize und stellen einen beständigen Nutzwert dar. Aber was für Produkte gilt, hat mittlerweile auch zunehmend für Menschen Relevanz. Wer andere von sich und seinen Anliegen überzeugen will, wer inspirierend und motivierend auf andere wirken möchte, - kurz, wer nach erfolgreicher Führung strebt, für den gilt: Vermarkte deine Persönlichkeit.

Steve Jobs hat es perfekt verstanden. Er war - und ist es eigentlich immer noch - das Gesicht der Marke Apple.
Steve Jobs hat es perfekt verstanden. Er war - und ist es eigentlich immer noch - das Gesicht der Marke Apple.
Foto: Bloomicon - shutterstock.com

Starker Eindruck = starke Aufmerksamkeit

Der Mensch ist und bleibt ein Wesen, das nach Orientierung strebt und Leitfiguren für sein Handeln sucht. Diese Leitfiguren müssen nicht nur sympathisch und kompetent in ihrem Fachgebiet sein, sondern auch überzeugend, mitreißend, leidenschaftlich und zugewandt, um Aufmerksamkeit und Zuspruch zu ernten. Je stärker der Eindruck ist, den man bei anderen hinterlässt, desto mehr darf man hoffen, dass die eigenen Anliegen zur Kenntnis genommen werden und man Gehör und bestenfalls sogar Gefolgschaft findet. Die eigene Performance kann dabei zielgerichtet gesteuert werden, indem man sich zu einer starken Persönlichkeit aufbaut. Mit anderen Worten: Indem Sie Ihre Person zur Marke werden lassen.

Konsequenz und Stärkenorientierung

Starke Marken knüpfen konsequent an dem an, was mit ihnen bereits gemeinhin verbunden wird. Sie müssen sich nicht neu erfinden, sondern sie entwickeln Vorhandenes weiter und setzen sich damit in einen zeitgemäßen Kontext. Durchaus überraschend, mitunter provokant, aber nie unglaubwürdig oder fern eigener Kompetenzen. Was bedeutet das für jeden persönlich? Stehen Sie zu dem, was Sie sind. Analysieren Sie Ihre Stärken und heben Sie diese hervor, bauen Sie sie aus, bringen Sie sich kontinuierlich in Zusammenhang mit diesen Stärken, wann immer sie im Job gebraucht werden. Entwickeln Sie sich auf diese Weise zum Garant für Ihre herausragenden Fähigkeiten - sei es Ihre Analyse, Ihre Entscheidungsstärke oder Ihre Ruhe. Es gilt, mit dem vorhandenen Bedürfnis Ihren Namen als Lösung zu verknüpfen.

Sich selbst treu bleiben

Eine starke Marke bleibt ihrem unverwechselbaren Stil treu. Nichts sorgt verlässlicher für Verluste an Vertrauen, Loyalität und Überzeugung als unstetes Hin- und Herspringen in Aussagen und Stil. Eine Führungskraft muss seinem Team vor allem eines schenken, damit es sich zu ihr bekennt: Verlässlichkeit. Für starke Persönlichkeitsmarken gilt das Gleiche wie für starke Produktmarken: Wer nichts an den Grundlagen verändert, die sein Dasein ausmachen, beweist ein Wertebewusstsein, dass gerade in Zeiten schnellen Wandels von hoher Bedeutung für eine positive Wahrnehmung ist. Mitarbeiter wollen sehen, dass ihre Chefs die von ihnen propagierten Werte und Philosophien leben und nicht nur predigen. Die persönliche Marke ist nichts anderes als die symbolische Verdichtung der Identität. Die gilt es, nicht zu verraten, sondern zu bewahren.

Sind Sie Ihre eigene Marke?
Sind Sie Ihre eigene Marke?
Foto: Siemens

Werte als Richtschnur des Handelns

Wer lebt, was ihm wichtig ist, gewinnt an Glaubwürdigkeit - Tag für Tag. Werte und Überzeugungen sind dabei die Richtschnur, der das Handeln und Verhalten folgen müssen. Das eigene Werteprofil dient als Kompass in der rauen See des steten Wandels. Dabei darf eine Führungskraft durchaus von der gängigen Route abweichen, solange sie dies selbstbewusst, überzeugend und nachvollziehbar tut und vertreten kann. Mancher Wert wie Pünktlichkeit oder Verbindlichkeit mag unpopulär sein, doch wenn er wichtig erscheint, sollte man ihn mit dem eigenen Tun unbedingt würdigen. Das schärft das Markenprofil. Es geht nicht darum, "everybody's darling", sondern vor allem "unique" zu sein. Manche Ecke oder Kante sorgt erst dafür, dass man sich wahrnehmbar von anderen abhebt. Diese Unterscheidung gilt es, im positiven Kontext auszubauen.

Emotionalisierung als Herzensöffner

Starke Marken treffen ins Herz der Konsumenten. Das Gleiche gilt für Persönlichkeitsmarken und ihre Mitmenschen. Für den Markenerfolg sind Emotionen der wichtigste Zugang zum Empfänger der Markenbotschaft. Man sollte also mit dem eigenen Agieren Werte ansprechen, die auch für andere wichtig sind und Sympathie erzeugen. Das Handeln muss andere emotional berühren. Positive Gefühle wie Freude, Zufriedenheit oder gar Begeisterung zu wecken, ist der direkte Weg zu Motivation, Vertrauen und Loyalität. Mit anderen Worten: Mit Ihren Überzeugungen erzeugen Sie mehr und mehr Markentreue. Eine starke Persönlichkeitsmarke vereint die Gefühlswelt ihrer Mitmenschen ebenso wie deren Erwartungen an Kompetenz und Verlässlichkeit der Marke. Das bedeutet, Sie sind für Ihre Umwelt Identifikations- und Wahrnehmungsanker.

Die digitale Seite der Persönlichkeit

Für jeden, der zu einer öffentlich wahrgenommenen Persönlichkeitsmarke werden will, geht kein Weg an den sozialen Netzwerken vorbei. Eine Social-Media-Präsenz ist genauso erforderlich wie die gezielte Steuerung der Aktivitäten bei Facebook, Twitter, Instagram & Co. Hier hat man jede Menge Chancen, das eigene Profil durch entsprechende Posts zu schärfen. Das ist gleichzeitig eine große Herausforderung: Es ist nicht immer leicht, Orientierung und Werte aus der meinungsfreudigen digitalen Community herauszufiltern, echte "Likes" von reflexartigen Klicks zu unterscheiden und das Ranking zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Aber gerade wenn man auch junge Zielgruppen erschließen will, kommt man um die digitale Unterstützung beim Aufbau der Marke nicht herum. (pg)