Academic Global VIP Summit

Wie kommen IoT und AR in den Hörsaal?

21.12.2018
Von 


Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Mit dem Internet of Things (IoT) und allgemein Industrie 4.0 sehen sich nicht nur Unternehmen aus den verschiedensten Branchen konfrontiert, auch Bildungseinrichtungen müssen sich damit beschäftigen, wie sie die neuen Technologien auf den Lehrplan bringen. Auf dem Academic Global VIP Summit schilderten internationale Vertreter ihre Probleme damit und tauschten Best Practices aus.

Strategien und Beispiele für den wertschöpferischen Einsatz von IoT und AR werden aktuell überall diskutiert, ob in der Fertigungsindustrie, dem Einzelhandel oder der Logistik. Nur bei den Fachkräften, die diese Strategien zeitnah und erfolgreich umsetzen sollen, fehlt oft das erforderliche Know-how. Geeignete Studien- und Ausbildungsprogramme gehören daher zügig auf den Lehrplan.

Wie kommen IoT und AR in den Hörsaal? In einer Podiumsdiskussion versuchten hochrangige internationale Vertreter aus Bildung und der Technologiebranche Antworten zu finden.
Wie kommen IoT und AR in den Hörsaal? In einer Podiumsdiskussion versuchten hochrangige internationale Vertreter aus Bildung und der Technologiebranche Antworten zu finden.
Foto: PTC

Einige Ansätze zur Lösung der Herausforderung, das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) und neue Technologien wie Augmented Reality (AR) in die Hörsäle zu bringen, lieferte der vom Hersteller PTC ausgerichtete Academic Global VIP Summit, zu dem sich zahlreiche internationale Vertreter von Hochschulen, Ausbildungseinrichtungen und Technologiefirmen im European 4.0 Transformation Center in Aachen trafen.

Die eintägige Veranstaltung beinhaltete neben Vorträgen von Experten und Professoren der RWTH Aachen und der Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) auch eine Podiumsdiskussion zum Thema "Wie kommen IoT und AR in den Hörsaal". Dabei versuchten hochrangige internationale Vertreter aus Bildung und der Technologiebranche, im Gespräch Ansätze für eine effektive Neuausrichtung und Ergänzung der aktuellen Lehrpläne und Inhalte zu finden, die den zukünftigen Technologie-Nachwuchs hervorbringen sollen.

"IoT und AR sind im privaten und geschäftlichen Alltag längst angekommen, im Bildungsbereich aber leider noch nicht", erklärte Prof. Dr. Reinhard Bernsteiner von dem Management Center Innsbruck und der University of Nebraska. "Es ist höchste Zeit, diese klaffende Lücke zu schließen." Bernsteiner ermunterte die anwesenden Dozenten dazu, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen. "Zunächst wissen wir nicht, wo wir anfangen sollen, sehen keine Möglichkeiten und kein Geld für Veränderungen", so Bernsteiner. Wenn man aber damit anfange, werde es einfacher.

Können Sie Augmented Reality?

Dieser Meinung schloss sich Dr. Benoit Eynard, Leiter der Bereiche Integrated Design und Advanced Manufacturing an der Technischen Universität Compiègne (UTC), an. So sei es sehr schwer für die Dozenten, Studenten im Curriculum den aktuellen Stand der Technik zu vermitteln, da sich während den drei Jahren Studienzeit viel in der Industrie ändere. Sein Institut habe aber aus der Not eine Tugend gemacht und biete Absolventen zur Auffrischung ein kostenloses Online Education Program an.

Dr. Jordan Cox, Leiter des Global Academic Program bei PTC und selbst langjähriger Dozent für Ingenieurswesen, teilte die Auffassung seiner Kollegen, dass Industrie und Universitäten einen komplett unterschiedlichen Zyklus hätten. Auch ihm sei es in seiner aktiven Zeit als Dozent schwergefallen, beim Lehrplan mit dem Technologievorsprung mitzuhalten. Die Kluft zwischen Theorie und Praxis sei von den Universitäten aber teilweise sogar gewünscht, so Cox. Viele Dozenten in den technischen Hochschulen würden immer noch den Standpunkt vertreten, dass die Technologie für die Tools zuständig sei. Er und seine Kollegen würden dagegen die Theorie einer digitalen Welt lehren, über die sich dann die Tools definieren.

Für Dr. Osamu Yoshie von der Waseda Universität in Japan ist eine Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie unverzichtbar.
Für Dr. Osamu Yoshie von der Waseda Universität in Japan ist eine Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie unverzichtbar.
Foto: PTC

Aus Sicht von Dr. Osamu Yoshie von der Waseda Universität in Japan ist genau das Gegenteil wichtig. Die Dozenten müssten einen Bezug zur realen Welt herstellen und den Studenten anhand von praktischen Problemstellungen vermitteln, wie das Gelernte zum Einsatz kommt, erklärte der Professor an der Graduate School of Information, Production and Systems. Um gute Beispiele zu erhalten, sei eine Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie unverzichtbar. Sein französischer Kollege Eynard veranschaulichte dies an einem Beispiel: In seinem Institut seien die Lehrinhalte nicht fix, sondern würden alle sechs Monate durch Input von außen verbessert. Ein anderes probates Mittel führte Cox aus dem Umfeld des PTC Academic Program an: Ein Konsortium aus Forschung und Industrie richtet ein praxisbezogenes Projekt ein, an dem sich dann die Studenten beteiligen können.

Was die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Bildungseinrichtungen angeht, vereinbarten die Hochschulvertreter, den internationalen Austausch künftig zu intensivieren und Best Practices für eine stärkere Einbeziehung der Praxis in den Unterricht miteinander zu teilen.