Führung

Was deutsche CIOs erfolgreich macht

20.09.2021
Von Wolfgang Herrmann

CIOs wollen Innovationen stärker vorantreiben

Wie erfolgreich ein CIO ist, hängt auch mit seiner Rolle im Unternehmen zusammen. Sie gibt Aufschluss über das Aufgabenspektrum und den Verantwortungsbereich. In den Interviews sollten die Befragten angeben, wieviel Zeit sie jeweils in verschiedenen Rollen verbracht haben und welche Verteilung sie in Zukunft anstreben. Zur Auswahl standen die Begriffe Technology Provider, Innovation Driver, Relationship Builder und Integration Advisor. Das Ergebnis: der aktuelle zeitliche Aufwand ist über alle vier Rollen nahezu gleich verteilt.

Heiko Weigelt, CIO der Funke Mediengruppe: "Der CIO muss in der heutigen Zeit auch Impulse für neue Geschäftsmodelle geben."
Heiko Weigelt, CIO der Funke Mediengruppe: "Der CIO muss in der heutigen Zeit auch Impulse für neue Geschäftsmodelle geben."
Foto: Funke Mediengruppe

Nach Einschätzung der CIOs wird sich das auch künftig nicht gravierend verändern. Nur beim Technology Provider ist eine Abnahme erkennbar, in die Rolle des Innovation Drivers wollen die Befragten indes mehr Zeit investieren. "Der CIO muss in der heutigen Zeit auch Impulse für neue Geschäftsmodelle geben", erklärt etwa Heiko Weigelt, CIO der Funke Mediengruppe.

Die größten Herausforderungen für den CIO

Um die unterschiedlichen Rollen wahrnehmen zu können, brauchen CIOs ein geeignetes Management-Umfeld. Zwar gehen fast alle Befragten von einer hohen Bedeutung der IT für den Erfolg ihres Unternehmens aus. Doch die Mehrheit stuft etwa die IT-Kompetenz der Geschäftsbereiche nur als moderat ein und wünscht sich offenbar mehr davon.

Das gilt auch für einen anderen Aspekt: Trotz der insgesamt hohen Bedeutung der IT sind noch längst nicht alle CIOs in die Entwicklung der Geschäftsstrategie eingebunden. Geht es um die operative Umsetzung der IT-Strategie, genießen sie dagegen hohe Freiheitsgrade. "Viele CIOs werden noch schlicht als oberste IT-Verantwortliche wahrgenommen", kommentiert Christian Graf, CIO beim Bauzulieferer Schüco. "Um nachhaltig einen Impact zu generieren, muss man als CIO jedoch die Transformation vom 'Technologie Caterer' hin zum 'Business Enabler' schaffen."

Zu den größten Herausforderungen zählt eine Mehrheit der CIOs die Personalentwicklung und -rekrutierung. Der CIO eines Mobilitätsdienstleister etwa hält es für entscheidend, Schlüsselkompetenzen künftig im eigenen Haus zu haben: "Es wird interessant sein zu sehen, ob man alle notwendigen Kompetenzen auf dem Markt findet oder selbst entwickeln muss." Um Fachkräfte zu gewinnen, wollen die CIOs insbesondere ein attraktives Arbeitsumfeld schaffen und innovative Arbeitsmodelle realisieren. Kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterzuentwickeln und zu halten, ist dabei eine zusätzliche Herausforderung. "Natürlich muss man Fähigkeiten neu ausbilden, aber man darf auch nicht die älteren Themen aus den Augen verlieren", sagt der CIO eines Versicherers dazu.

Mehr als die Hälfte der IT-Manager sieht es zudem als große Herausforderung, sich nicht als Kostenfaktor, sondern als "Innovation Enabler" zu positionieren. Dazu braucht es unter anderem eine "integrative und skalierbare IT-Architektur", die 45 Prozent der Befragten nennen. Viele CIOs wollen ferner die Geschwindigkeit und Flexibilität der IT-Organisation steigern.

Security: "Sudden Death" des CIO

Unabdingbar ist zudem eine sichere Systemlandschaft. 35 Prozent der CIOs sehen Kernherausforderungen im Bereich Information Security. Die Relevanz von Sicherheitsthemen nehme durch die Verknüpfung von neuen Plattformen weiter zu, erklärt etwa der CIO eines produzierenden Unternehmens. Und der IT-Chef eines Versicherers kommentiert, ein gravierender "Security Incident" könne zum "Sudden Death" als CIO führen. "Ein CIO hat viele Möglichkeiten zu scheitern. Wenn allerdings ein großer Hack reinkommt, dann ist man schnell weg."

Den Wertbeitrag der IT messbar zu machen, ist nach wie vor eine große Herausforderung für die IT-Organisationen, sagt Thomas Kleine-Möllhoff, IT-Chef für die DACH-Region bei Pfizer.
Den Wertbeitrag der IT messbar zu machen, ist nach wie vor eine große Herausforderung für die IT-Organisationen, sagt Thomas Kleine-Möllhoff, IT-Chef für die DACH-Region bei Pfizer.
Foto: Pfizer

Ein Drittel der Befragten will sich künftig auch intensiver mit dem Wertbeitrag der IT beschäftigen. Diesen messbar zu machen, sei "nach wie vor eine große Herausforderung für die IT-Organisationen", sagt Thomas Kleine-Möllhoff, IT-Chef für die DACH-Region bei Pfizer. Ein weiterer Aspekt: Obwohl die CIOs zum Teil mit steigenden Budgets rechnen, spielt Kosteneffizienz nach wie vor eine große Rolle. Der CIO eines Energieversorgers beschreibt seine Situation so: "Auf der einen Seite wächst der Kostendruck, auf der anderen Seite das Anforderungsspektrum."

Das wünschen sich deutsche CIOs

Um ihre Ziele besser erreichen zu können, wünschen sich die befragten CIOs auch Veränderungen in der Organisation ihrer Unternehmen. Viele möchten direkt im Einflussbereich des CEO verortet sein und möglichst der Geschäftsführung angehören. "Die Bedeutung der IT muss im gesamten Unternehmen erkannt und IT- sowie Digitalkompetenz weiter ausgebaut werden", fassen die Studienautoren zusammen. Dazu gehöre neben einem starken Einfluss der CIOs, dass die Fachbereiche vermehrt Verantwortung für IT-Themen übernähmen.