CIO des Jahres 2018

CIO des Jahres 2018 – Großunternehmen – Top 10

VW Financial Services CIO erschuf nachhaltige Datenplattform

15.11.2018
Von 
Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP; Betreuung von News und Titel-Strecken in der Print-Ausgabe der COMPUTERWOCHE.
Mit "Risk and Finance" führte Mario Daberkow eine zentrale Datenplattform ein, die den Mitarbeitern völlig neue Analyse-Horizonte eröffnet.
Großunternehmen Top 10: Mario Daberkow, Volkswagen Financial Services: "Ein CIO sollte niemals aufhören, sich in die Belange des Geschäfts einzubringen."
Großunternehmen Top 10: Mario Daberkow, Volkswagen Financial Services: "Ein CIO sollte niemals aufhören, sich in die Belange des Geschäfts einzubringen."
Foto: Volkswagen Financial Services

In einer dezentralen Firma wie Volkswagen Financial Services mutet das Projekt wie eine Herkules-Aufgabe an. Alle bilanziellen Einzelgeschäfte aus 24 Märkten mit 46 Gesellschaften und einem Bilanzvolumen von 150 Milliarden Euro mussten in einer Datenplattform zusammengebracht werden. Diese sollte dann für IT- und alle anderen Mitarbeiter Analysen und Auswertungen in Echtzeit erlauben.

Drei Jahre arbeiteten IT-Vorstand Mario Daberkow und 1.500 Mitarbeiter weltweit an dem Projekt "Risk and Finance" - der Startschuss fiel am 30. Juni 2015, das Ziel wurde am 30. Juni 2018 erreicht. Das Besondere dabei: Dem Team gelang es, das Projekt trotz aller Komplexität im Zeitplan und fast im Rahmen des geplanten Budgets abzuschließen - keine Selbstverständlichkeit.

Neben der guten Planung überzeugte die Jury der tech­nologische Ansatz Daberkows. Statt auf altbewährte klassische Techniken zu setzen, "kommen modernste inno­vative Technologiewerkzeuge zum Einsatz", verlautete ­aus dem Kreis der Juroren. Dreh- und Angelpunkt von Risk and Finance bildet ein globales Data Warehouse (DWH), das auf SAP-HANA- und Hadoop-Technik aufbaut.

Ein Cloud-basierter Plattformansatz erlaubt den Mitarbeitern, auf vorhandene Daten wie Fahrzeug- und Vertragsdaten zuzugreifen, aber auch eigene Daten mit wenig Unterstützung abzulegen und mit anderen dort ­liegenden Informationen zu verknüpfen und zu analy­sieren.

Lessons Learned

1. Internationale Projekte leben von Kommunikation.

2. Topmitarbeiter in technischen Disziplinen und Führungsrollen sind ein Kern-Erfolgsfaktor.

3. Datenqualität ist eine Kernherausforderung für jedes Unternehmen.

4. Moderne Technologien ermöglichen faszi­nierende Lösungen. Man lernt den Umgang und die Grenzen nur, wenn man sie aktiv einsetzt.

5. Großprojekte sind erfolgreich, wenn Fachseite und IT ohne Schuldzuweisungen gemeinsam an den Problemen arbeiten.

Besonderes Augenmerk legte Daberkow auf die Nachhaltigkeit seiner Datenplattform. Die angebotenen Daten werden in einem standardisierten Datenmodell abgelegt sowie kontinuierlich und automatisiert auf Qualität und Konsistenz geprüft. Zudem erlaubt das Modell mit rund 400 Datenpunkten sehr präzise Qualitätsalgorithmen.

Neben der Technik und Datensemantik drehte sich bei Risk and Finance vieles auch um Kultur und Organisation, beschreibt der CIO eine weitere Kernherausforderung. Es ging darum, Akzeptanz für eine zentrale technische Lösung zu schaffen. Gelungen ist dies durch eine zweigeteilte zentrale und dezentrale Projektorganisation, die auch die verschiedenen Länderorganisationen gleichberechtigt am Projekt beteiligte. Der Erfolg gibt Daberkow recht. "Zentralisierung durchgesetzt" - bringt es Juror ­Peter Jürging, CIO von Hoyer, auf den Punkt.