Microsoft machts spannend

Viel Lärm um Windows 11

22.06.2021
Von 
Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP; Betreuung von News und Titel-Strecken in der Print-Ausgabe der COMPUTERWOCHE.
Die weltweite IT-Gemeinde fiebert dem 24. Juni entgegen. Dann will Microsoft offenlegen, wie es mit dem Betriebssystem Windows weitergehen soll.
Der Hype um Windows 11 ist riesig. Microsoft hat das Seine dafür getan, die Spekulationen kräftig anzuheizen.
Der Hype um Windows 11 ist riesig. Microsoft hat das Seine dafür getan, die Spekulationen kräftig anzuheizen.
Foto: PC-Welt

Die Aufregung ist groß: Noch im Juni will Microsoft angeblich eine neue Windows-Generation ankündigen. Den Stein ins Rollen brachte Microsoft-CEO Satya Nadella selbst vor wenigen Wochen und befeuerte damit eine regelrechte Flut an Spekulationen rund um das kommende Microsoft-OS.

Was war passiert?

"Wir werden bald eines der bedeutendsten Updates für Windows des letzten Jahrzehnts vorstellen", sagte Nadella anlässlich der Entwicklerkonferenz Build. "Ich selbst habe es in den letzten Monaten schon ausprobiert und bin unglaublich aufgeregt, was die nächste Generation von Windows betrifft."

Der Microsoft-CEO versprach neue Möglichkeiten für Windows-Entwickler und Kreative. Sie würden eine innovative und offene Plattform erhalten, um Anwendungen zu entwickeln, zu vertreiben und zu monetarisieren. "Wir freuen uns darauf, sehr bald mehr zu verraten."

Microsoft-CEO Satya Nadella hat das neue Windows schon ausprobiert und ist - wie nicht anders zu erwarten - begeistert.
Microsoft-CEO Satya Nadella hat das neue Windows schon ausprobiert und ist - wie nicht anders zu erwarten - begeistert.
Foto: Microsoft

Das Finale - der 24. Juni 2021

Das war der Startschuss für heiße Diskussionen und wilde Spekulationen darüber, was Nadella damit gemeint haben könnte. Am 24. Juni will Microsoft den Schleier lüften und verraten, was es mit dem kommenden Windows - in der Branche hat man sich auf die Release-Bezeichnung Windows 11 geeinigt - auf sich hat.

Das Ganze wirkt jedenfalls wie eine gut vorbereitete Inszenierung: Die Andeutungen Nadellas, die Ankündigung des Grande Finale, auf das die weltweite IT-Gemeinde hin fiebern soll und - um die Spannung nochmal zu erhöhen - eine geleakte Entwicklerversion von Windows 11, die von Experten derzeit bis ins letzte Bit zerlegt und analysiert wird.

Zu ruhig rund um Windows 10?

Um Windows 10 war es in den zurückliegenden Jahren still geworden. Das Betriebssystem, das Microsoft 2014 vorgestellt und Ende Juli 2015 veröffentlicht hatte, wird nach Angaben des weltgrößten Softwarekonzerns von rund 1,3 Milliarden Anwendern weltweit genutzt. "Windows ist eine Selbstverständlichkeit", sagte Nadella kürzlich auf der Build-Konferenz.

Microsoft hatte mit Windows 10 einen neuen Weg eingeschlagen. Das OS werde das letzte Windows-Release nach dem klassischen Versionierungs-Modell sein, hatte es zur Veröffentlichung geheißen. Künftig werde es keine großen Upgrades mehr geben, die gerade in Anwenderunternehmen wegen des Aufwands und der Kosten gefürchtet waren. Stattdessen sollten Updates und neue Funktionen kontinuierlich in kleineren halbjährlich getakteten Releases ausgespielt werden.

Das funktioniert allem Anschein nach auch gut, zumal Microsoft seinen Kunden im Zweifel Aufschub gewährt und diese nicht zwingt, immer sofort das neueste Update zu installieren. Viele Unternehmen brauchen Zeit, um zu untersuchen, ob die Veränderungen des Betriebssystems Folgen für den Betrieb der darauf laufenden Applikationen haben. Gerade wenn viele miteinander verzahnte oder auch individuell entwickelte Anwendungen im Einsatz sind, ist es nach wie vor erforderlich, Updates vor dem Einspielen und der Produktivsetzung genau zu prüfen.

Dieses Prozedere hat sich in den zurückliegenden Jahren offensichtlich gut eingespielt. Es dauerte zwar seine Zeit, bis Windows 10 den beliebten Vorgänger Windows 7 in der Fläche ablösen konnte. Das Zwischen-Release Windows 8 konnte nie wirklich Fuß fassen. Doch wie Windows 7 läuft auch Windows 10 technisch stabil und konnte sich über die Jahre hinweg eine treue Fangemeinde unter den IT-Anwendern aufbauen.

Spekulationsobjekt Windows

Dennoch hatte es in den zurückliegenden Jahren immer wieder Spekulationen darüber gegeben, dass Microsoft an einer neuen Windows-Plattform arbeite. Modulationen des bekannten Windows-10-Themas wie beispielsweise Windows 10 Entry oder Windows 10S, das Microsoft bei mobilen Endgeräten ins Spiel bringen sollte, verklangen indes wieder schnell.

2018 sickerte durch, dass Microsoft unter dem Codenamen "Polaris" angeblich an einer völlig neuen OS-Generation arbeitet. Kern des neuen Windows sollte demzufolge die Universal Windows Platform (UWP) sein - eine schlanke Laufzeitumgebung für Anwendungen. Sie ermögliche die Entwicklung von Apps, die auf verschiedenen Formfaktoren laufen und sich automatisch an die jeweilige Bildschirmgröße anpassen sollen, hatte es damals geheißen. Dafür sollten elementare Systemkomponenten der klassischen x86-Architektur auf 32-Bit-Basis wegfallen, die aus Kompatibilitätsgründen seit der DOS-Steinzeit von Windows-Generation zu Windows-Generation mitgeschleppt wurden. In den folgenden Jahren war von Polaris jedoch nichts mehr zu hören.

Warum also die ganze Aufregung?

Zuletzt war bei Microsoft eher der Anschein erweckt worden, dass es ewig zu weitergehen könne mit Windows 10. Das System läuft stabil, die Updates fließen in schöner Regelmäßigkeit so dahin und Microsofts -Verantwortliche hatten ja auch gesagt, Windows 10 werde das letzte Windows sein. Kein Grund also, sich weiter mit dem OS zu beschäftigen.

Tatsächlich hatte Microsoft in seiner Roadmap aber schon von Anfang an festgelegt, dass der Support für Windows 10 am 14. Oktober 2025 auslaufen soll. Im Grunde ist es also dringend an der Zeit, dass der Softwarekonzern die Karten offenlegt, wie es mit Windows weitergehen soll. Gerade für Unternehmensanwender sind damit weiterhin viele Fragen verbunden.

Zum Beispiel die, wie der Umstieg auf das kommende Windows aussehen könnte: Wird es eher eine Art Update, wie es die Anwender zuletzt gewohnt waren, oder doch wieder eine größere Migration wie in alten Zeiten, die den Unternehmen einiges abverlangen würde? Die dürften sich zudem fragen, was das neue Windows kosten soll. Bei Windows 10 hatte sich Microsoft großzügig gezeigt und sein neues OS für Nutzer der Vorgängerversionen Windows 7 und 8 - ausgenommen Volumenlizenzen - kostenlos zur Verfügung gestellt. Wie das Lizenz- und Preismodell von Windows 11 aussehen wird, ist offen und wird vielleicht am 24. Juni geklärt.

Alles nur Marketing-Getöse?

Auf das Geld aus Windows-Verkäufen ist Microsoft jedenfalls nicht angewiesen - anders als in früheren Windows-Epochen. Heute verdient der Konzern sein Geld vor allem mit der Azure Cloud. Das bestimmt auch grundsätzlich die strategische Ausrichtung des Softwareherstellers. Es geht um die Plattform und das Ökosystem rund herum. Das hat Microsoft von Anbietern wie beispielsweise Apple gelernt.

Viel von der Aufregung der zurückliegenden Tage dürfte daher dem Marketing geschuldet sein. Das Balihoo hat zumindest eines erreicht: Das Thema Windows steht mal wieder in den Schlagzeilen und Microsofts Botschaft ist klar. Windows soll als Plattform gerade für Entwickler interessant bleiben. Weitere Details werden folgen - spätestens am 24. Juni.