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Streit um Sitefinder: Verisign verklagt ICANN

27.02.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Verisign hat vor dem für den Central District of California zuständigen Gericht Klage gegen die ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) eingereicht. Die Organisation überschreite ihre Kompetenzen und versuche unrechtmäßig, in die Geschäfte Verisigns einzugreifen, heißt es in der Begründung.

Die ICANN habe sich als Regulierer des Domain Name System (DNS) aufgespielt, obwohl der Organisation eigentlich nur eine technische Koordinierungsfunktion zustehe. In der Folge habe das Gremium die Entwicklung neuer Web-Dienste blockiert, wie zum Beispiel die Einrichtung von Wartelisten für abgelaufene Internet-Adressen, internationalisierte Domains und den Start des Weiterleitungsdienstes "SiteFinder".

Der Streit um Sitefinder ist im Herbst 2003 hochgekocht. Im September ging Verisign mit dem Dienst zunächst an den Start. Dabei werden falsch eingetippte Internet-Adressen abgefangen an ein Portal weitergeleitet, das in Frage kommende Websites auflistet.

Es kam jedoch schnell Kritik bei der Online-Community auf, da Sitefinder Probleme bei verschiedenen Internet-Techniken wie zum Beispiel Spam-Filtern verursachte. Die Internet Society (ISOC) rügte, dass der Dienst gegen fundamentale architektonische Prinzipien des Internet verstoße (Computerwoche.de berichtete). Verisign handelte sich zudem einige Klagen wegen angeblich wettbewerbswidriger Geschäftspraktiken ein, unter anderem vom Betreiber der Suchmaschine Netster.com (Computerwoche.de berichtete).

Schließlich nahm Verisign, auch zuständig für die Verwaltung der Top Level Domains (TLDs) ".com" und ".net", Sitefinder wieder vom Netz, nachdem ICANN-Geschäftsführer Paul Twomey indirekt mit dem Entzug der Registry-Lizenz drohte (Computerwoche.de berichtete).

Verisign strebe nicht die Auflösung der ICANN an, sondern erhoffe sich durch den Prozess eine klare Definition der Kompetenzen des Gremiums, sagte Tom Galvin, Vice President of Government Relations bei Verisign. Außerdem will das Unternehmen ein Verfahren zur Einführung neuer Web-Dienste festgelegt wissen. Anbieter, die in die Weiterentwicklung des Internet investieren wollen, brauchen diesbezüglich Klarheit, sagte Galvin. (lex)