Digitalisierung in Pflege und Medizin

Stand der Dinge im Gesundheitswesen

20.05.2019
Von   IDG ExpertenNetzwerk
Prof. Dr. Siegfried Jedamzik ist Facharzt für Allgemeinmedizin. Zudem hat er eine Professur an der Technischen Hochschule Deggendorf, wo er unter anderem das Thema Telematik im Gesundheitswesen lehrt. Er ist außerdem 2. Vorsitzender der Deutsche Gesellschaft für Gesundheitstelematik e.V., Gründer und Geschäftsführer von Bayerische TelemedAllianz sowie 1. Vorsitzender des Ärzteverbunds Mediverbund Bayern e.V.

Robotik als Lösung für den Pflegenotstand?

Robotik ist ein weiteres zukunftsträchtiges Forschungsgebiet. Vor allem in den Branchen Gesundheit, Arbeit und Mobilität liegt ein großes Potenzial für Effizienzsteigerungen. Roboter-gestützte Assistenzsysteme können beispielsweise bei der medizinischen und pflegerischen Betreuung älterer oder körperlich beeinträchtigter Menschen eingesetzt werden und so für eine körperliche und zeitliche Entlastung der Pflegefachkräfte sorgen.Nur einige Beispiele hierfür sind:

  • Krankenbetten, die sich in einen Rollstuhl verwandeln können,

  • intelligente Stützen als Hilfe zum Aufstehen

  • humanoide Therapieroboter, die Demenzpatienten bei Laune halten.

Was für die einen Zukunftsmusik ist, gehört in Japan längst zur Realität. Keine andere Industrienation überaltert so schnell. Aus diesem Grund wurde in Japan frühzeitig die Chance identifiziert, dass die Robotertechnik den scheinbar unüberwindbaren Herausforderungen wie demografischer Wandel oder Ärztemangel positiv entgegenwirken kann.

Auch in Deutschland stehen immer mehr Patienten immer weniger Ärzte gegenüber. Ganz zu schweigen von den Pflegekräften, welche die zunehmend älter werdende Gesellschaft dringender denn je benötigt.

Robotersysteme unterstützen dabei bei Tätigkeiten, wie zum Beispiel die logistische Bereitstellung von Pflegeutensilien, Aufsetz-, Hebe- und Umsetzhilfen sowie der Pflegedokumentation. Möglich ist es auch, die Themen Robotik und KI miteinander zu verbinden. Auf diese Weise kann eine elektronische Patientenakte patientenindividuell automatisch mit den aktuellsten Daten befüllt werden. Die Beziehung von Mensch und Roboter ist in Japan eine andere als in Deutschland. Im Gegensatz zu Europa spielen in Japan die Ängste vor Überwachung und Unkontrollierbarkeit eine kleinere Rolle.

Lesetipp: Die Vorteile der Digitalisierung im Gesundheitswesen

Akzeptanz ist ein wichtiger Erfolgsfaktor

Die Akzeptanz einer Technologie durch ihre Anwender ist ein wichtiger Erfolgsfaktor bei der Implementierung neuer Technologien. Die Akzeptanz hängt dabei stets von unterschiedlichen Faktoren ab und muss bei verschiedenen Anwendungen differenziert bewertet werden.
Viele Studien haben erwiesen, dass es bei telemedizinischen Diensten keine größeren Akzeptanzprobleme auf Seite der Patientinnen und Patienten gibt. Vielmehr profitieren gerade sie und gerade auch die älteren Personen von telemedizinischen Diensten.

Lesetipp: Digitale Krankentherapie - Alexa - hilf mir, mich zu erinnern!

Viele ältere Menschen sehen in telemedizinischen Anwendungen eine Möglichkeit zur Unterstützung und Optimierung ihrer Therapien. Grundlage hierfür ist jedoch, dass einerseits die Technik bzw. konkrete Anwendungen nutzerfreundlich gestaltet sind und dass Patienten in der Anwendung geschult werden. Zudem darf die digitale Anwendung nicht um ihrer selbst willen eingesetzt werden, sondern muss den Anwendern sowohl auf Ärzte- als auch auf Patientenseite, einen konkreten Mehrwert beziehungsweise Vorteil bieten.

Auf Seite der Behandelnden verhält es sich ähnlich. Natürlich gibt es hier gerade zu Beginn gewisse Unsicherheiten oder auch Ablehnung. Diese lässt sich jedoch durch Aufklärung, Schulung und die nutzerorientierte Gestaltung der Technologie abmildern.