3G-Nachweis

Wie Sie 3G-Regeln am Arbeitsplatz kontrollieren

26.11.2021
Von  und
Jürgen Hill ist Chefreporter Future Technologies. Thematisch befasst sich der studierte Diplom-Journalist und Informatiker derzeit mit aktuellen IT-Trendthemen wie KI, Quantencomputing, Digital Twins, IoT, Digitalisierung etc. Zudem verfügt er über einen langjährigen Background im Bereich Communications mit all seinen Facetten (TK, Mobile, LAN, WAN). 


Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
3G-Nachweise zu kontrollieren stellt viele Unternehmen vor eine Herausforderung. Wir zeigen, wie das mit Hilfe der COVID-Zertifikate einfach geht und stellen App-basierte Lösungen vor.
Mit digitalen COVID-Zertifikaten (QR-Code) lässt sich die 3G-Regelung am einfachsten überprüfen.
Mit digitalen COVID-Zertifikaten (QR-Code) lässt sich die 3G-Regelung am einfachsten überprüfen.
Foto: Bjoern Wylezich - shutterstock.com

Nachdem das geänderte Infektionsschutzgesetz Bundestag und Bundesrat passiert hat, gilt seit dem 24.11. bundesweit eine 3G-Regelung am Arbeitsplatz (vorerst bis zum 19. März 2022) - und nicht mehr nur in einzelnen Bundesländern. Oder anders formuliert: Zum Arbeitsplatz haben nur noch Beschäftigte Zutritt, die genesen oder geimpft sind oder einen negativen Corona-Test vorweisen können. Dies kann entweder ein PCR-Test sein, der bis zu 48 Stunden alt sein darf oder ein Schnelltest, der in den letzten 24 Stunden vorgenommen wurde. Allerdings muss der Schnelltest von einem Leistungserbringer gemäß der Coronavirus-Testverordnung - TestV durchgeführt werden.

3G am Arbeitsplatz: Kontrollpflicht

Neu ist auch, dass die Arbeitgeber zur Kontrolle verpflichtet sind. Werden bei Überprüfungen Verstöße festgestellt, droht ihnen ein Bußgeld von bis zu 25.000 Euro. Ob Arbeitnehmer geimpft oder genesen sind, dürfen Unternehmen nach Auffassung vieler Juristen weiter nicht abfragen. Allerdings müssen Mitarbeitende, die über ihren Genesenen- oder Impfstatus keine Auskunft geben wollen, täglich einen negativen Test vorlegen. Zudem darf der Arbeitgeber diese Daten in begrenztem Umfang zu Dokumentationszwecken speichern, um Genesene und Geimpfte von der täglichen Kontrolle zu befreien.

Die Dokumentationspflicht ist ein Problem für die weiter unten vorgestellte CovPass-Check-App, die für die einfache und kostengünstige Überprüfung der 3G-Nachweise häufig herangezogen wird.

3G-Nachweise am Arbeitsplatz: Dokumentation per App

Doch keine Sorge, mittlerweile haben einige Anbieter - teilweise kostenlose - Lösungen für die Kontrolle vorgestellt, in denen auch gleich die Dokumentationspflicht integriert ist. Hier ein Überblick.

mobivention Corona 3G-Regel App

Als einer der ersten Anbieter ging die Kölner mobivention GmbH schon kurz vor der Einführung der 3G-Regelung für Betriebe mit der Corona 3G-Regel App an den Start. Auf den ersten Blick funktioniert die Corona 3G-Regel App - erhältlich für Android und iOS - wie die CovPass-Check-App. Per Smartphone oder Tablet können Unternehmen die digitalen Impf- und Genesenenzertifikate sowie Testzertifikate einscannen und auf ihre Gültigkeit prüfen. Im nächsten Schritt werden allerdings die Ergebnisse - anders als bei der CovPass-Check-App - an einen Server übermittelt und dort, wie mobivention versichert, datenschutzkonform bei Hetzner Online auf einem Server in Deutschland gehostet. Im Falle einer Kontrolle durch die Behörden können die Daten als PDF-Datei heruntergeladen werden, um die durchgeführten Überprüfungen der 3G-Regelungen nachzuweisen.

Für den Service werden nach Benutzer gestaffelt monatliche Gebühren berechnet (bis 25 Nutzer 99 Euro, bis 100 Nutzer 199 Euro, bis 500 Nutzer 499 Euro, bis 2.000 Nutzer 999 Euro). Für Großunternehmen besteht zudem die Option, individuelle Anpassungen vorzunehmen und die Scanergebnisse beispielsweise selbst zu hosten. Damit eignet sich die Lösung laut Anbieter sowohl für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) als auch für Großunternehmen. Für Kleinbetriebe stehe die Standardlösung einsatzfähig zur Verfügung.

innFactory Corsign

Die innFactory adressiert mit ihrem Tool Corsign insbesondere das Problem vieler Unternehmen, die Menge an betrieblichen Schnelltests vorschriftsmäßig in den Griff zu bekommen. So gehen mittlerweile viele Betriebe aus Sicherheitsgründen dazu über, ihre Mitarbeiter ungeachtet des Impfstatus zweimal wöchentlich oder sogar täglich zu testen. Die Software von innFactory unterstützt hier Betriebe mit eigener Teststation, indem es nach dem erfolgten Schnelltest ein digitales Zertifikat als PDF erstellt und verschlüsselt an den Mitarbeiter verschickt. Optional kann es auch vor Ort ausgedruckt werden.

Darüber hinaus bietet Corsign mit der Erweiterung CovCheck auch die Möglichkeit der vollen 3G-Statusdokumentation für Unternehmen. Das Besondere daran ist, dass sich die Mitarbeiter selbst mit ihrem persönlichen EU-QR Code oder dem Corsign-Zertifikat per Smartphone oder via Web einchecken können. Die Nachweise werden laut Anbieter auch dokumentiert und abgespeichert, allerdings ohne Angaben, ob es sich um eine geimpfte, genesene oder getestete Person handelt. Interessierte können in einer Demoumgebung den Check-In Prozess über den EU-QR Code selbst ausprobieren.

Die Lösung ist allerdings nicht ganz billig. So fallen für Corsign einmalig 50 Euro bei der Ersteinrichtung an, jedes Zertifikat wird mit 0,90 Euro verrechnet. Für das Addon CovCheck berechnet innFactory weitere 50 Euro Einrichtungsgebühr plus 50 Euro für die monatliche Nutzung. Jeder Check-In über einen EU-QR-Code kostet 0,30 Euro, die Erfassung von Corsign-Zertifikaten ist kostenlos.

smapOne

Eine kostenlose Lösung, um die Dokumentation DSGVO-konform, digital und via App zu ermöglichen, bietet smapOne an. Dem Anbieter einer No-Code-Plattform für Business-Apps zufolge ist die Konfiguration spielerisch einfach und lässt sich auch von IT-Amateuren in wenigen Minuten umsetzen. Grundlage sind die zwei individualisierbaren App-Vorlagen - "3G Konformitätsnachweis" und "2G-Nachweis" - sowie zwei zusätzliche Apps zur Mitarbeiterinformation und Kontakterhebung.

Die Vorlagen werden über den App Designer von smapOne aufgerufen und per Drag und Drop angepasst. Anschließend können die individualisierten Apps zur Dokumentation genutzt werden. Die Dokumentation ist dabei für Windows und mobile Geräte kompatibel und unterstützt auch eine Offline-Erfassung. smapOne bietet das Lösungsbündel für die Erfassung von 3G- oder 2G-Nachweisen für 6 Monate kostenlos in seinem Business-Paket an.

Smarter 3G

Die österreichische Smart Business Solutions GmbH bietet mit Smarter 3G ein Selbstregistrierungsportal an, über das sich Mitarbeiter bequem via Terminal (Tablet am Eingang, etc.) oder das eigene Smartphone oder ein anderes Endgerät mit ihrem 3G-Zertifikat einchecken können. Dabei genügt es dem Sharepoint-Spezialisten zufolge, einfach den QR-Code einzuscannen, oder sich manuell per Dateneingabe zu registrieren.

Das Unternehmen wiederum kann auf einem Portal auf einen Blick die gesetzlich relevanten Informationen der ganzen Belegschaft einsehen und Mitarbeiter, deren negativer Testnachweis abgelaufen ist, per Knopfdruck benachrichtigen und einen neuen gültigen Nachweis anfordern. Außerdem ist es möglich, im Falle einer Überprüfung die Einhaltung der 3G-Regeln zu belegen.

Benötigt wird für die Nutzung von Smarter 3G mindestens ein Business-Microsoft-Account für einen Administrator, und mindestens ein Business-Microsoft-Account, um als Terminal zu fungieren. Der Preis für Smarter 3G beträgt je nach Nutzerzahl zwischen 5 und 7 Euro pro Nutzer und Monat. Eine Probelizenz können Sie hier anfordern.

Huber Health Care Smart Health Check

Mit dem Smart Health Check stellt Huber Health Care eine Plattform bereit, die bereits an diversen Teststationen, in Unternehmen und Schulen in Bayern und Baden-Württemberg im Einsatz ist. Sie ermöglicht es den Betreibern, Zertifikate per Scan zu kontrollieren und gleichzeitig automatisiert zu dokumentieren, und jederzeit mit Software oder App abrufen zu können. Dazu werden die jeweiligen Zertifikate über die Smart Health Check App (iOS, Android) eingescannt und automatisch auf ihre Echtheit überprüft. Hat ein Betrieb seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einmalig im System angelegt, um eine übersichtliche Auflistung zu erhalten, wer testpflichtig ist, wird der getestete Mitarbeitende automatisch beim Scanvorgang in der gesicherten Datenbank in der Azure-Cloud (Serverstandort Frankfurt) verschlüsselt hinterlegt. Ein Nachpflegen, nachträgliches Erfassen oder umständliches Abhaken in Papierlisten und deren Abheftung ist laut Huber Health Care nicht nötig.

Unternehmen, die Selbsttests unter Aufsicht anbieten, unterstützt Huber Health Care zusätzlich mit einem Schnelltest-Auswertungsgerät, das mehr als 100 Testergebnisse pro Stunde automatisch ausleiten kann. Bei positiver Testung werden der Betroffene sowie festgelegte Verantwortliche informiert, um entsprechende Maßnahmen zur weiteren Kontaktvermeidung sowie eine PCR-Testung einleiten zu können.

3G-Regeln: Diese Nachweise sind erlaubt

Obwohl bei Missachtung der 3G-Regeln harte Strafen drohen - in Bayern stellte die Politik bereits die Schließung von Betrieben in Aussicht, wenn diese 3G-Nachweise nicht überprüfen - tun sich viele Arbeitgeber noch schwer damit, die neue Regelung umzusetzen. Die häufig gehörte Ausrede 'wir dürfen ja den Impfstatus unserer Mitarbeiter nicht abfragen' ist allerdings ein Argument, das nicht sticht und bei Kontrollen wohl kaum vor Strafe schützen wird.

Letztendlich muss ja der Arbeitgeber seine Beschäftigten im Rahmen der 3G-Regelung gar nicht nach dem Impfstatus fragen. Er muss lediglich sicherstellen, dass seine Beschäftigten über einen der folgenden 3G-Nachweise verfügen:

  • Impfnachweis

  • negatives Testergebnis (PCR-Test oder dokumentierter Schnelltest) (Getestet)

  • Nachweis einer überstandenen COVID-Infektion (Genesen)

3G-Nachweis: Prüfung in 20 Sekunden

Zwar gelten hierzulande auch die gedruckten Papiernachweise (etwa der gelbe Impfausweis), doch am einfachsten ist es bei der Kontrolle der 3G-Regeln, digitale COVID-Zertifikate zu verwenden. Diese gibt es als QR-Code sowohl für Impfnachweise und Genesenenstatus als auch für Tests.

Zwar gelten auch Papierdokumente wie der gelbe Impfpass, doch ihre Überprüfung dauert deutlich länger und dürfte deshalb im Alltag nicht praktikabel sein.
Zwar gelten auch Papierdokumente wie der gelbe Impfpass, doch ihre Überprüfung dauert deutlich länger und dürfte deshalb im Alltag nicht praktikabel sein.
Foto: nitpicker - shutterstock.com

Mit diesen dürfte sich eine Überprüfung der 3G-Nachweise in knapp 20 Sekunden realisieren lassen - vorausgesetzt Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind Teamplayer. Zudem lässt sich das Ganze datenschutzkonform realisieren, denn zur Erfüllung der 3G-Regeln müssen keine persönlichen Daten gespeichert werden. Wie die COVID-Zertifikate funktionieren und warum bei der Überprüfung keine persönlichen Daten übertragen werden, haben wir hier beschrieben.

Kostenlos geht die digitale Überprüfung der 3G-Nachweise etwa mit der App CovPass Check. Hierzu wird lediglich die passende App für Android oder iOS sowie ein Smartphone benötigt. Um möglichen Ausfällen aufgrund leerer Akkus vorzubeugen, sollte das Smartphone mit Steckernetzteil betrieben werden.

Geimpft, genesen, getestet: Praktische Umsetzung der Kontrolle

So ausgestattet könnte etwa der Empfang jeden Morgen die 3G-Nachweise der Mitarbeiter beim Betreten des Betriebs kontrollieren. Dabei zeigt der Mitarbeiter einfach den QR-Code seiner geöffneten CovPass- oder Corona-Warn-App. Dieser wird dann vom Empfang mit CovPass Check auf seine Gültigkeit überprüft. Zuletzt muss dann noch kurz der Name auf dem Zertifikat abgeglichen werden, etwa mit einem Werksausweis mit Lichtbild, Führerschein oder Personalweis, um Fake-Zertifikate eines Frank Mustermanns etc. zu entdecken.

Ein Vorgang, bei dem keinerlei Daten gespeichert oder übertragen werden, denn die Daten werden nicht im Smartphone gespeichert. Und die Überprüfung der elektronischen Signatur des Zertifikats erfolgt in der CovPass Check App offline mit Hilfe eines dort hinterlegten öffentlichen Schlüssels. Im Gegensatz zur oben angesprochenen Corona 3G-Regel App besitzt CovPass Check jedoch kein integriertes Dokumentations-Feature.

Allerdings stößt dieses pragmatische Verfahren zur Kontrolle der 3G-Nachweise bei größeren Betrieben oder mehreren Zugangsmöglichkeiten zum Betrieb schnell an seine Grenzen. Siemens in Nürnberg hat deshalb beispielsweise, wie BR 24 berichtet, erst einmal alle Werksausweise gesperrt. Anders, so heißt es, hätte man die 3G-Regelung des Gesetzgebers auf die Schnelle nicht umsetzen können. An der Pforte wurden dann die 3G-Nachweise durch den Werkschutz kontrolliert. Für Mitarbeiter, die lediglich per Test ihren Corona-Status nachweisen, gehört der Gang zum Werksschutz zwecks Überprüfung vorerst zur morgendlichen Routine solange die Corona-Ampel auf Rot steht. Beschäftigten mit Genesenen- oder Impfzertifikat wurden nach der Überprüfung wieder die Werksausweise entsperrt, so dass sie sich normal am Standort bewegen können.