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RZ-Sünden auf der Spur

09.06.2009
Der Internet- und Collocation-Provider IPB GmbH geht mit wissenschaftlicher Unterstützung Stromfressern im Rechenzentrum an den Kragen.
Die Beschattung der Kaltwassererzeuger auf dem Dach spart indirekt Energie und erhöht die Lebensdauer der Kompressoren.
Die Beschattung der Kaltwassererzeuger auf dem Dach spart indirekt Energie und erhöht die Lebensdauer der Kompressoren.
Foto: IPB GmbH

Die Berliner IPB GmbH betreibt unter dem Label CarrierColocation ein insgesamt 1000 Quadratmeter großes Rechenzentrum in der Nähe des Potsdamer Platzes. Angesichts von zirka 500 Kilowatt reiner IT-Dauerlast - zuzüglich Strombedarf für die Kälteerzeugung - und steigender Tendenz sieht das Unternehmen erhebliche Einsparpotenziale, die es mit Hilfe eines laufenden Projektes nutzen will. Grundlage dafür war eine Studie der TU Berlin - Innovationszentrum Energie (IZE), die anhand von Simulationen die Energieeffizienz von Rechenzentren untersuchte. Dazu wurde unter anderem ein Modell der Gebäudehülle mit innenliegendem Rechenzentrum unter Berücksichtigung lokaler klimatischer Gegebenheiten geschaffen.

Häufiger Fehler: Thermische Abschottung des RZ

Bereits aus den ersten Ergebnissen resultierten gebäudetechnische Maßnahmen, mit denen IPB den Energieeinsatz verbesserte. Ein weit verbreiteter Fehler, so Geschäftsführer und Projektleiter Steffen David, sei es beispielsweise, das Rechenzentrum mit hohem Aufwand thermisch abzuschotten und die Wärme über Kälteanlagen hinauszubefördern. Geht man davon aus, dass die Durchschnittstemperatur hierzulande 60 Prozent des Jahres unter zehn Grad Celsius liegt, spreche alles dafür, die Außenhülle gegenüber der Umwelt thermisch durchlässig zu gestalten und so weit wie möglich eine freie Kühlung in den Kältekreislauf zu integrieren. Die Aluminium-Gebäudeaußenhülle von 1972 erwies sich dabei überraschenderweise als effizientes Mittel für die Wärmeabfuhr der im RZ erzeugten Abwärme. Einen in der Branche üblichen Fehler hätte auch die IPB GmbH ohne die wissenschaftlichen Modelle gemacht und aus Blick- und Brandschutzgründen Trockenbauwände hochgezogen. Die Wände sind nun weiterhin thermisch durchlässig, noch im Sommer 2009 sollen automatisch gesteuerte Außenjalousien vor Sonneneinstrahlung schützen.

Die Beschattung der Kaltwassererzeuger auf dem Dach bringt zwar aus wissenschaftlicher Sicht nur wenig. In der Praxis zeigte sich jedoch, dass eine einfache Beschattung unter anderem den Druck im Kältemittelkreislauf reduzierte, so dass nicht nur Energie gespart, sondern auch die Lebensdauer der Kompressoren erhöht werde, erklärte IPB-Geschäftsführer David.

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