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Qwest weist Parallelen zum Worldcom-Skandal zurück

30.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach Ansicht der US-Börsenaufsicht SEC haben die Enthüllungen des US-Carrier Qwest Communications mehr Fragen als Antworten zu Tage gefördert. Der skandalumwitterte Konzern aus Denver, Colorado, hatte am Sonntag mitgeteilt, dass in den vergangenen drei Jahren Umsätze in Höhe von insgesamt 1,16 Milliarden Dollar falsch verbucht worden waren (Computerwoche online berichtete). Chairman und CEO Richard Notebaerd war dabei bemüht, Parallelen zum Fall Worldcom abzustreiten. Er betonte, bei den Falschbuchungen handle es sich nicht um Betrug, sondern lediglich um Fehler in der Buchführung: So wurden teilweise Einnahmen noch vor Eingang der Zahlungen verbucht, in anderen Fällen hatte Qwest die Erlöse aus dem Verkauf von Glasfaserstrecken

bereits vor ihrer Übergabe gutgeschrieben. Dennoch konnte der Qwest-Chef nicht alle Fragen beantworten, insbesondere, ob die Company die Umsätze aus den umstrittenen Tauschgeschäften mit anderen Carriern korrekt verbucht hat. Diese Praxis hatte Qwests Einnahmen allein im vergangenen Jahr um mehr als eine Milliarde Dollar aufgebläht. Sollte sich herausstellen, dass es sich hier um Luftgeschäfte handelte, ist es mit der angekündigten Korrektur der Bilanzen nicht getan.

Gleichzeitig nahm Notebaerd die bislange Prognose für das laufende Geschäftsjahr - damals war von 18,4 Milliarden Dollar Einnahmen die Rede - zurück. Er erklärte, dass die Nachfrage nach TK-Diensten unverändert schwach sei, während der Wettbewerbsdruck ansteigt. Praktisch alle Geschäftsbereiche sollen von der Flaute betroffen sein. Eine revidierte Prognose will Qwest am 8. August mit der Veröffentlichung der Quartalszahlen bekanntgeben.

Der Schuldenberg von rund 33 Milliarden Dollar, den der Konzern vor sich herschiebt, ist ein weiteres und womöglich schärferes Damoklesschwert als der Betrugsverdacht: Zu den Verbindlichkeiten gehören langfristige Außenständen in Höhe von 21,4 Milliarden Dollar. Einige Kreditlinien enthalten eine Klausel, dass die Schulden zum Jahresende insgesamt nicht mehr als das Vierfache des Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) betragen dürfen. Bislang war Konzernchef Notebaert von einem EBITDA-Plus zwischen 6,4 Milliarden und 6,6 Milliarden Dollar ausgegangen. Sollte der Profit deutlich niedriger ausfallen, drohen die Qwest-Kredite zu platzen und dem Unternehmen somit letztendlich doch ein ähnliches Schicksal wie Worldcom. (mb)