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Oracle überarbeitet Lizenzmodelle

20.12.2006
Mit neuen Metriken will der Hersteller seine Lizenzmodelle für das Applikationsportfolio vereinheitlichen und einfacher machen. Noch bleibt allerdings vieles unklar.

Oracle räumt in seinem Lizenzgeschäft auf. Mit den zahlreichen Übernahmen der vergangenen Jahre, darunter Peoplesoft mit J.D.Edwards, Siebel und Retek, wuchs neben den Metriken für die eigene E-Business-Suite die Zahl der verschiedenen Abrechnungsmodelle für Software im Hause Oracle. Das machte es für die Kunden schwer, den Überblick zu behalten, gerade wenn sie mehrere Produkte des US-amerikanischen Softwarekonzerns einsetzten.

Das soll sich in Zukunft ändern. Mit einem einheitlichen Lizenzmodell für alle Applikationslinien verspricht Jacqueline Woods, Vice President für den Bereich Pricing und Lizenzen bei Oracle, den Kunden einfachere und flexiblere Metriken für den Softwareeinsatz. Künftig soll es demnach vier verschiedene Basismodelle geben.

Mit dem "Component Model" können Anwender je nach Bedarf einzelne Softwaremodule aus den verschiedenen Produktreihen in Lizenz nehmen. Der Preis richtet sich in erster Linie nach der Zahl der Nutzer. Allerdings lässt Oracle in der offiziellen Mitteilung zu den Lizenzmodellen offen, in wie weit andere Metriken zur Preisfindung herangezogen werden können.

Unter dem "Custom Application Suite Model" können sich Kunden je nach Bedarf ihre eigene Applikationssuite zusammenstellen. Auch hier lässt Oracle offen, auf welcher Basis der Preis für das Anwendungs-Bundle festgelegt wird.

Dagegen kommt es beim "Enterprise Applications Model" nicht auf die Nutzerzahl an. Die Kunden können im Rahmen dieses Abrechnungsmodells die jeweilige Software unbegrenzt im Unternehmen einsetzen. Als Berechnungsgrundlage wird eine individuelle Firmenmetrik definiert, die der Umsatz, die Zahl der Beschäftigten oder eine andere Größe sein kann.

Darüber hinaus plant Oracle ein spezielles Lizenzmodell für kleine und mittlere Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 100 Millionen Dollar. Die Konditionen für das "SMB Model" richten sich wohl vornehmlich nach den Bedingungen der jeweiligen Partner, über die dieses Kundensegment adressiert wird. Oracle kündigte in diesem Zusammenhang nur an, die Partner mit Tools und Services zu unterstützen. Mit welchem Modell die Kunden rechnen müssen, bleibt vorerst im Dunklen.

Kunden könnten bei Softwareanschaffungen zwischen den alten und neuen Konditionen wählen, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns. Das betrifft jedoch nur die bereits existierenden Anwendungen. Neue Produkte sollen dagegen ausschließlich mit den überarbeiteten Bedingungen angeboten werden.

Bislang liefert Oracle jedoch nur spärliche Informationen zu seinen neuen Lizenzmodellen. Damit bleibt der Softwarekonzern vorerst auch den Beweis schuldig, ob es für die Anwender wirklich einfacher wird. Auch der Software Investment Guide, in dem Oracle online seine Lizenz- und Preismodelle darstellt, ist bislang nicht auf dem neuesten Stand.

Offenbar tut sich der Hersteller schwer, seine Preisliste zu überarbeiten. Bereits im Jahr 2005 hatte Oracle-President Charles Phillips eine Reform der Lizenz- und Preismetriken angekündigt (siehe auch: Oracle will Preisstrukturen überarbeiten und Oracle denkt über neue Preismodelle nach). Seit dem hat sich allem Anschein nicht viel getan.

Bei Oracle selbst sehen die Verantwortlichen offensichtlich keinen Grund zur Eile. Seit mehreren Quartalen steigen gerade im Applikationsgeschäft durch die vielen Übernahmen Umsatz und Gewinn rapide an (siehe auch: Oracle kann wie erwartet zulegen).

Experten hatten in der Vergangenheit die Softwarehersteller wiederholt wegen komplizierte Lizenz- und Preismodelle kritisiert (siehe auch: Lizenz-Management schützt vor Strafe). Zudem klagten Anwender immer wieder über undurchsichtige und sich ständig ändernde Lizenzverträge (siehe auch: Anwender hadern mit Lizenzmodellen). Böse Zungen behaupteten, die Konzerne seien mit Blick auf die eigenen Umsätze an Transparenz wenig interessiert. Außerdem würden die Softwarehersteller mit ihren Lizenzmetriken zu wenig auf aktuelle Techniken wie Multi-Core-Prozessoren und Virtualisierung eingehen, so die Kritiker. Oracle hatte erst auf massiven Druck durch die Anwender seine Preisgestaltung in Sachen Mehrkern-CPUs geändert (siehe auch: Oracle ändert Lizenzmodell für Multi-Core-Prozessoren). (ba)