Service-orientierte Architektur

Open Source schleicht sich in SOA-Projekte

10.04.2008
Beim Aufbau einer Service-orientierten Architektur greifen Unternehmen in den kommenden drei Jahren verstärkt auf Open-Source-Software zurück, prognostiziert das Marktforschungs- und Beratungshaus Gartner.

Gegenwärtig nutzen insbesondere Behörden in Westeuropa, Bildungseinrichtungen und Organisationen aus dem Gesundheitswesen Open-Source-Komponenten in ihren SOA-Vorhaben, beobachtet Gartner-Analyst Paolo Malinverno. In einigen Fällen ist der Einsatz quelloffener Software sogar vorgeschrieben, wenn die Funktionen mit denen von Cloused-Source-Systemen vergleichbar sind. Auch mittelgroße Untenehmen experimentieren mit Open-Source-Produkten.

Dennoch setzen Projektverantwortliche derzeit überwiegend konventionelle Techniken für den Aufbau einer SOA ein. Die Gründe dafür sieht Gartner vor allem in der Verfügbarkeit von Supportdiensten sowie dem Reifegrad und der Funktionsvielfalt kommerzieller Produkte. So betrachteten die meisten Organisationen zwar quelloffene Application Server als ausgereift. Für andere Teile der Infrastruktur hingegen, beispielsweise Business-Process-Management-Systeme (BPM), gelte dies nur bedingt. Hinzu kommen Bedenken hinsichtlich der langfristigen Überlebensfähigkeit bestimmter Open-Source-Techniken. Mit seinen jüngsten Ankündigungen in den Bereichen Enterprise Service Bus (ESB) und BPM reagierte beispielsweise Red Hat JBoss auf solche Einwände. Nach Malinvernos Einschätzung deckt der Linux-Distributor damit aber nur Teilbereiche einer SOA-Infrastruktur ab.

SOA-Projekten starten klein

In der Regel beginnen Unternehmen mit eher kleinen SOA-Projekten und weiten die Architektur schrittweise aus, so eine weitere Beobachtung der Gartner-Experten. Die Verantwortlichen wählen dabei unterschiedliche Einstiegspunkte in der IT-Infrastruktur. Einige implementieren zunächst einen ESB, um die meist noch kleine Anzahl von Web-Services zu steuern. Andere ziehen es vor, Services und andere mehrfach verwendbare SOA-Komponenten gleich zu Beginn in einer Registry oder einem Repository zu katalogisieren. Andere Komponenten einer SOA, beispielsweise ein ausgefeiltes Policy Management oder eine BPM-Suite, fügen sie nach Bedarf hinzu. Erst im Lauf der Zeit entsteht daraus eine voll ausgebaute SOA-Infrastruktur.

Open-Source-Einsatz wächst

Mit der zunehmenden allgemeinen Akzeptanz von Open Source und der Verfügbarkeit zuverlässiger Supportdienste werden in den kommenden zwei bis drei Jahren immer mehr quelloffene Techniken in SOA-Projekte Einzug halten, prognostiziert Gartner. Viele Bedenken hinsichtlich eines Open-Source-Einsatzes zerstreuten sich allmählich; der Wandel vollziehe sich langsam, aber stetig. Insbesondere die wachsende Reife von quelloffenen ESBs, die viele Unternehmen als Kernstück ihres SOA-Backplanes betrachteten, trage diese Entwicklung.

Tatsächlich tummelt sich mittlerweile eine ganze Reihe von Open-Source-Anbietern im ESB-Segment. Dazu gehören neben Red Hat auch die Community-Projekte Mule ESB oder der von Iona unterstützte FUSE ESB. Die Deutschen Post übergab ihren eigenentwickelten ESB der Eclipse Foundation (siehe: Eclipse mischt den SOA-Markt auf). Unter dem Codenamen Swordfish entsteht dort ein komplettes SOA Runtime Framework. Wartung und Support für das System offeriert der eigens dazu gegründete Dienstleister Sopera. Gartner geht davon aus, dass Unternehmen immer öfter quelloffene und Closed-Source-Komponenten mischen.

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